Doha Transit

Ein Flughafen mit Lichtern, die blinken: in der Nacht. Doha International Airport, dreitausendneunhunderteinundsiebzig Kilometer von Wien Schwechat, zweitausendvierhundertsiebenundsechzig Meilen. Mit Lichtern, die blinken und Menschen, die warten. Es gibt Männer, die breitbeinig gehen und Frauen, die Nackenhörnchen um ihren Hals tragen. Doha Airport ist Übergang, ist Zwischenraum. Ein Mann in Kandura geht mit seiner Tochter an der Hand, eine Frau im Sari sitzt neben einem schlafenden Mann, ein Mädchen in Flipflops hört Musik. Manchmal sind amerikanische Soldaten da, hat P. gesagt, es sind keine Soldaten da. Es gibt Gates, dort warten fast ausschließlich Männer auf den Weiterflug. Acht Stunden in einem Raum in einem Land, von dem ich nicht weiß, wie es aussieht; auf welchem Boden die Menschen hier gehen, wie sie leben, wie sie sprechen, wer sie sind. Katar. Der Flughafen ist klein, sehr klein; so klein, dass in zehn Minuten alles abgegangen ist; zwei Selbstbedienungsrestaurants, zwei Cafés, zwei Toiletten, ein Ruheraum, zwei Gebetsräume. Im Gebetsraum für Männer brennt Licht, im Ruheraum ist es dunkel, der Frauengebetsraum nicht einsehbar. Dazwischen Menschen, die sitzen, liegen und gehen. Die Sessel am Doha Airport sind unbequem, es gibt wenig zu tun. Wir alle warten, und schauen, schauen uns gegenseitig an; warten, dass die Zeit vergeht, die uns wegbringt von hier. Im Restaurant sitzen vier Männer, sie essen mit Geräuschen und spucken danach auf den Boden. Im Café tragen zwei Frauen Cappucino und Latte Macchiatto zu einem Tisch, ein Ehepaar schläft in den gepolsterten Sesseln des Cafés, die beiden belegen zwei der acht gepolsterten Sessel am Flughafen. Ein Lonely Planet Reiseführer liegt zwischen ihnen auf dem Tisch. Auf der Damentoilette wurde geputzt, manche WCs dürfen nicht benutzt werden. Eine Frau mit Hidschab kommt zur Tür herein, eine ältere Frau mit rot gefärbten Haaren zieht vor dem Waschbecken ihren rot gemusterten Rock aus und eine grün gemusterte Hose an, ein Mädchen tuscht seine Wimpern, daneben sitzen die Flughafenmitarbeiterinnen auf den Waschbecken und unterhalten sich, eine richtet ihr Kopftuch. Am Doha Airport stehe ich sechs Frauen gegenüber und es ist ein schöner Moment. Dreitausendneunhunderteinundsiebzig Kilometer entfernt von Wien, wo die Nachbarin am Vorabend gesagt hat: Ich habe nichts dagegen, wenn die Türken über die Donau gebracht werden, in ein Ghetto gesperrt. Die Nachbarin ist eine nette alte Frau, die auf das Haus aufpasst und seit vierzig Jahren in der Josefstadt lebt. Sie liest Kronenzeitung, kennt alle Schlagzeilen. Die Nachbarin ist eine nette Frau, das macht Angst.

Anna Weidenholzer ist Autorin, lebt und arbeitet in Wien und Linz.