Gnackwatsch’n #148

Zwei Legislaturperioden hat die SPÖ Zeit gehabt mit einer von ihr eingesetzten Ministerin Kulturpolitik zu machen. Wir rufen uns in Erinnerung, dass Faymann bei der nächtlichen Suche nach der für ihn stimmigen Person für diesen Ministerposten in den Chefetagen der kunstsinnigen Banken herumtelefonierte und eine Frau mit starkem Bezug zu den Salzburger Festspielen fand. Ob dieser Zugang auch die richtige Grundeinstellung für sozialdemokratische Kulturpolitik liefert, war weder zu diesem Zeitpunkt, noch später relevant. Ministerin Claudia Schmied hat das bürgerliche Kunstestablishment gut bedient: Ein neues Barockmuseum für Agnes Husslein (mit dem sich Maria Fekter als Kulturpolitikerin in Szene setzen durfte), mehrere …

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Parallax Error #148

Vor kurzem war ich zu Gast in einer TV-Talksendung zum Thema «Frauen in den Medien». In einer – durchwegs feministisch besetzten – Frauenrunde wurde darüber diskutiert, warum Frauen weniger oft zu Fernseh- und Podiumsdiskussionen eingeladen werden als Männer, und wie sich die unausgewogene Geschlechterrepräsentation in den Medien auf deren Inhalte auswirkt. Hinsichtlich der Gründe für diese Schieflage fiel bald das Argument: Medien würden in erster Linie die politische Wirklichkeit abbilden – und Tatsache sei eben, dass es in männerdominierten Bereichen weniger Entscheidungsträgerinnen gebe und folglich Frauen weniger zum Zug kommen. Zum einen beißt sich hier die Katze in den Schwanz: …

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Shanghai ist keine Stadt

Der westliche Zugang zu China hat sich trotz Informationstechnik und Wirtschaftsbeziehungen kaum verändert. Immer noch ist es der exotische Riese, von dessen Kultur man träumen und an dessen Schätzen man reich werden kann. Andreas Kurz berichtet für die KUPFzeitung aus Shanghai.   Atemlos kam ich, nach meinem zweiten Arbeitstag, aus der U-Bahnstation Zhongshan Bei Lu. Schon beim Rolltreppefahren hatten mir Rauch und Kohlestaub die Luft genommen, nun stand ich, direkt am Ausgang, einer Verkäuferin gegenüber, die eine kleine Maronibraterei betrieb: Eine Halbschale voll schwarzer Steinchen, in denen, von einem Kohleofen unterfeuert, Kastanien rösteten. Ich beobachtete die Verkäuferin, wie sie Steinchen …

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IT 2014: Ressource mit Änderungspotential

Drei Menschen aus der KUPF haben sich in der aktuellen KUPFzeitung #148 Gedanken über Ressource, das Thema des KUPF-Innovationstopfes 2014 gemacht. Der Text gilt als Anregung, Erläuterung und Weiterentwicklung der aktuellen Ausschreibung.   Einmal ist nicht die Rede von Erdöl, wenn es um den Begriff Ressource geht. Der KUPF Innovationstopf 2014 befördert die künstlerische und k ulturarbeiterische Auseinandersetzung mit ganz anderen Kapazitäten: Beleuchtet werden die Fähigkeiten und Grenzen des Kollektivs und neue Zusammenschlüsse von Menschen, die aus gemeinsamen Bedürfnissen heraus agieren, Ideen produzieren und Organisationen und Strukturen gemeinschaftlich entwickeln.  Es gibt so einiges, das wir immer schon gern ändern würden. …

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Kulturpolitisch was weiterbringen

Neues Spiel, neues Glück. Zumindest in der Kulturpolitik des Bundes. Die Möglichkeiten, sich politisch zu profilieren, liegen wieder einmal auf der Straße, da einige brennende Themen seit nun schon sehr langer Zeit auf eine Lösung warten. Da wäre zuallererst einmal die Bezahlung von künstlerischer und kultureller Arbeit. Es geht hier noch nicht einmal um gute Bezahlung, es geht darum, dass die Arbeit von KünstlerInnen, die gut ausgebildet sind, über Berufserfahrung verfügen und mit einigem an peer recognition aufwarten können, überhaupt entlohnt wird. Frei nach den letzten SPÖ-Plakaten: Kunst muss leistbar sein – vor allem für die Kunst- und Kulturschaffenden. Die …

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Der Kulturinitiativen-Beirat

Ein Interview mit Brigitte Vasicek über ihre Arbeit als Beirätin der Abteilung „Regionale Kulturinitiativen und -zentren“ im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Wo anderswo noch Beamte über die künstlerische und inhaltliche Qualität von Förderansuchen entscheiden, gibt es auf Bundesebene sogenannte Beiräte, die diese Aufgabe übernehmen. Die Linzer Künstlerin, Aktivistin und Universitätsprofessorin Brigitte Vasicek schied 2013 nach mehreren Jahren aus dem sogenannten Kulturinitiativenbeirat aus und hat mit Klemens Pilsl über Chancen und Tücken dieses Fördervariante geplaudert.  ___________________________ Infobox: Der Kulturinitiativen-Beirat beim BMUKK Der §9 des Kunstförderungsgesetzes von 1988 sieht die Möglichkeit vor, zur Vorbereitung und Vorberatung von Förderangelegenheiten sogenannte «Beiräte» …

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Von der prekären Kultur zur Gestaltungskultur

Standortpolitische Überlegungen zur initiativen Kulturarbeit Die Zukunftsakademie ist eine Einrichtung der oö Landesverwaltung, die sich als Think-Tank und Impulsgeber des Landes Oö versteht. Anlässlich des zunehmenden Brain Drains — jedes Jahr verlassen 2000 junge Menschen Oberösterreich Richtung Wien — hat die Zukunfts akademie eine Studie zu dieser Abwanderung beim sozialwissenschaftlichen Institut LiquA in Auftrag gegeben. Diese wurde im Oktober 2013 von LH Pühringer präsentiert. Aufgrund der kulturpolitischen Implikationen hat die KUPFzeitung den jungen Sozialwissenschafter Alexander Staufer, Mitautor der Studie, um seine Interpretation der für den Kulturbetrieb r elevanten Studienergebnisse gebeten.   Blitzlicht aus der Studie: Gründer Translation Wien ist mit …

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…, dass sie nicht zu bürgerlich werden!

Seit 15 Jahren sind die Freien Radios ein fixer Bestandteil in der österreichischen Medienlandschaft. 15 Jahre, in denen sie sich vermehrt, entwickelt und vielen Widerständen zum Trotz etabliert haben. Vier RadioaktivistInnen im Gespräch über Wesen, Vergangenheit und Zukunft der Freien Radios. 15 Jahre aktive Radioarbeit, 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche, in 25 verschiedenen Sprachen, von mittlerweile 14 Freien Radiostationen in ganz Österreich, gestaltet von über 2.500 RadioaktivistInnen für über 4 Millionen potentielle ZuhörerInnen. Das sind die Zahlen. Ich habe vier Radiomachende getroffen und mit ihnen über Freie Radios, wesentliche Veränderungen und Entwicklungen, Potentiale und Wünsche gesprochen: Herbert Gnauer, Barbara …

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Hinter der Leere die Freiheit

In Pettenbach wurden diesen Oktober die BürgerInnen befragt, ob sie gerne ein Einkaufszentrum am Ortsrand haben möchten oder nicht. Wie sich solche Einkaufszentren manifestieren, kann man sich fast überall im Land ansehen: ein Kreisverkehr an der Umfahrungsstraße, ein riesiger Parkplatz und ein paar unförmige Kästen mit bekannten Markennamen auf dem Dach. Am Eingang zum Almtal gelegen, fahren an Pettenbach eine Menge potentieller EinkäuferInnen mit ihren Autos vorbei, was das Argument der BefürworterInnen stützt, das Einkaufszentrum ziehe Kaufkraft an und damit auch Kommunaleinnahmen. Mindestens genauso richtig liegen jedoch auch die GegnerInnen: Solche Kfz-gebundenen Strukturen schwächen die Ortsmitte und treiben dort kleine …

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Geschichten aus Lambach

Wenn man den Franz Prieler sucht, dann findet man ihn anscheinend überall. Und überall, wo man ihn findet, zahlt es sich auch aus, nachzuschauen. Franz Prieler in Lambach Am 14. 11. war der Franz Prieler im Rossstall in Lambach und brachte einen Packen Geschichten mit. Er hat auch so einiges zu erzählen, denn Franz Prieler ackert sich schon seit über 40 Jahren durch die oberösterreichische Kulturlandschaft. Mit der Gruppe O2 hat er schon so manchen großen Namen nach Lambach gelotst, wie Dave Brubeck oder Konstantin Wecker oder H.C. Artmann, und mit denen scheint’s recht lustig gewesen zu sein. Und das …

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Eyes Only

Es liegt in der Natur des Telefonierens, dass es eine halböffentliche Handlung ist. Schon in den frühen Telefonzellen befindet sich der Telefonierende in einer exponierten und fixierten Lage: Halte dich kurz! Es gab die Beobachter und die An-die-Scheibe- Klopfer. In der Ära Viertelanschluss half ein Sabotageakt und zwar Nadel-rein-ins-Telefonkabel, um Nachbarn den Sprech-Stop aufzuzwingen. Wenn Kinder den Einstich einmal kannten, konnten sie das Telefonat der Anderen immer wieder «verkürzen». Heute stört niemand. Die tausend Freiminuten werden den Kundinnen nachgeworfen. Wer mithört, ist ein Rätsel. Die strafrechtliche Anzeige geht an Unbekannt. Detroit. Man geht in diesen Zeiten mindestens einen Kilometer bis …

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Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht

Berthold Seliger ist Verfechter einer höchst skurrilen, weil unzeitgemäßen Idee. Der Idee nämlich, dass es im Musikbetrieb in erster Linie um Musik gehen sollte – und nicht um den Betrieb. Und diese Idee verficht er als einer, der selbst (noch) Teil des Betriebes ist: Der Konzertagent und Tourveranstalter hat in den letzten 25 Jahren u.a. mit Acts wie Patti Smith, Calexico oder Lambchop gearbeitet. Mit seiner eigenen Zunft, aber auch mit den übrigen Playern (z.B. Plattenfirmen, Ticketing-Konzernen, Verwertungsgesellschaften, Sponsor*Innen, der Journaille und der Kulturpolitik) geht Seliger hart ins Gericht. Erstens verstellen deren monströse Kapitalismen den kulturellen Gehalt, der immer schon …

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Wer bin ich, wenn ich online bin ?*

Die neue Kolumne in der KUPFzeitung: Frau Tschörda Weiß Rat – Die Herausforderung einer digitalen Gesellschaft. Wer bin ich, wenn ich online bin ?* Jeder einzelne Klick, jedes Like trägt dazu bei, dass das virtuelle Bild von tschörda, gschaftlhuawarin und nörda ein Stück schärfer wird, dass sich Puzzlestücke zusammenfügen und sich Informationen über den eigentlichen Menschen hinter all diesen Profilen verdichten. Was bedeutet das? Spätestens jetzt, wo die NSA sogar weiß, was in Angela Merkels bulletproof Telefon so geht, muss klar sein, dass die Spuren, die wir hinterlassen, aufgezeichnet, gesammelt, analysiert und im Zweifelsfall GEGEN uns verwendet werden. Fortschreitende Digitalisierung …

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„I would prefer not to“

Idiot, idios, bedeutet ursprünglich «Privatmann» und ist eine Referenz des Autors ziemlich am Ende des Buchs – und eine Art Anleitung, was dem Unbehagen in der Gesellschaft entgegengesetzt werden kann. Die Anleitung zur Frage: Was tun im Maschinenzeitalter, gelingt Dany mit dem Text selbst. Er erklärt die Kybernetik der Kybernetik und bedient sich einer poetischen Sprache, die, auf was sie behandelt – das Denken in Regelkreisläufen und Feedback – gewissermaßen scheißt. Auch andere Bücher schlagen in diese Kerbe: Holm Friebe will im Buch «Die Stein-Strategie» (welche die NSA-überwachte A. Merkel anwenden soll) den Kapitalismus fit halten für seine Zukunft. Slavoj …

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Kommunale Intelligenz. Potenzialentfaltung in Städten und Gemeinden

Eines gleich vorweg: Der Titel des Buches verspricht mehr als es hält und ich bin nicht ganz sicher, was der «Hirnforscher» Gerald Hüther eigentlich sagen will. Aber ich versuche mal, es zu beschreiben: Für Hüther sind Kommunen heute das, was früher einmal die Großfamilien waren, nämlich Erfahrungsräume, in denen Kinder, aber auch Erwachsene, die wichtigsten sozialen Kompetenzen erwerben, um gemeinsam Probleme zu bewältigen, kreative Potenziale auszuschöpfen und ihr Lebensumfeld aktiv mitzugestalten. Nur hier können sie ihre Begabungen entdecken, sich einbringen und ein wertgeschätzter Teil der Gemeinschaft werden. Und davon hätten alle was: mehr Produktivität, glücklichere Menschen und innovativere Problemlösungen. Eine …

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Bilder aus Bulgarien

In Ruse an der Donau lief ein Straßenhund die Promenade entlang, warteten die Angler auf einen Fang, saß ich auf einer Parkbank über Herbstlaub und konnte mich nicht von der Donau lösen. Zwei Bänke weiter starrte ein Mann im Jogginganzug abwechselnd auf den Fluss und die wenigen Leute, die an ihm vorüber spazierten. Er streckte sich und steuerte meine Bank an, er wandte sich ab, als ich zu ihm aufblickte. Ein anderer ging nahe am Wasser, schaute und hielt alle paar Sekunden sein Telefon in die Luft, um zu fotografieren. Drüben, auf der anderen Seite, lag Rumänien, die Grenze verläuft …

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