Parallax Error #143

Über die männliche Dominanz in den Redaktionsstuben von Zeitungen und Zeitschriften ist schon so einiges gesagt worden. In Deutschland etwa kampagnierte vor gut einem halben Jahr ein Bündnis von Journalistinnen für eine Frauenquote von dreißig Prozent in den Chefredaktionen – warum da nicht gleich der halbe Anteil gefordert wurde, bleibt zwar unklar, und auch allzu systemfreundliche Argumente à la „Unternehmen in Frauenhand sind wirtschaftlich vergleichsweise viel erfolgreicher!“ sind eher lästig. Aber immerhin: Selbst von prominenten Mediengesichtern sind die Geschlechter-Schieflagen an den Schauplätzen der öffentlichen Meinungsbildung benannt und skandalisiert. Leider bleibt es in der Regel auch dabei – bei der Empörung. …

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Zukunftsorientierung?

Es ist nicht gleich notwendig, den „Kulturinfarkt“ als kulturpessimistisches Szenario an die Wand zu malen, um akuten Handlungsbedarf in der Kulturpolitik zu verorten. Bloße Umverteilungsdebatten würden indes zu kurz greifen, der zu beackernde Boden ist nämlich grundlegender: Kulturpolitik muss wieder in Bewegung kommen! Dieser Befund ist freilich nicht neu – und das schon gar nicht an dieser Stelle. Aus gutem Grund werden hier regelmäßig eine substanzielle Erhöhung des Kulturetats oder eine dringend notwendige Dynamisierung des Förderwesens gefordert. Die Handlungs- und Ermessensspielräume blieben allerdings in den letzten Jahren unverändert eng geschnürt, die Austeritätspolitik trägt ihriges zur weiteren Einschränkung bei. Wo bleibt …

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Unverhältnismäßigkeiten

Seit Juni 2010 ist dorf tv auf Sendung. Ab 2004 wurde an der Idee gearbeitet. Dicke Bretter mussten erst gebohrt werden. Auch mit Erfolg. In diesen acht Jahren sind rund eine Million Euro in Entwicklung, Aufbau und Sendebetrieb geflossen.  Der Beitrag des Landes OÖ war durchwegs bescheiden – und ist bescheiden geblieben.   Gerade einmal 3,5 % der Förderungen hat z.B. die Kulturabteilung bisher eingebracht. 2009, der Bund hatte sich gerade zu einer neuen Medienförderung entschlossen und damit ein „Window of Opportunity“ geöffnet, rieten Vertreter des Landes, das Projekt nochnicht zu starten – und meinten wohl nie. In der Folge …

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Schon wieder Brösel. Die Kunstförderung des Bundes

Im Jahr 2011 standen dem Bund laut Kunstbericht  85,28 Millionen Euro für Kunstförderung zur Verfügung (neben den Aufwendungen für die Bundestheater: 144,436 Millionen Euro und für die  Bundesmuseen ohne ÖNB: 84,625 Millionen Euro). Das Bundeskunstförderungsgesetz zielt zentral darauf ab, das (zeitgenössische) künstlerische Schaffen und dessen Vermittlung sowie die Beteiligung aller Bevölkerungskreise zu fördern und die soziale Lage der Künstlerinnen zu verbessern (siehe Infos nachstehend). Interessant ist, dass laut Gesetz die „entsprechenden Mittel“ zur Verfügung zu stellen sind und nicht etwa die Förderung nach Maßgabe der vorhandenen Mittel erfolgt. Nur ein Siebzehntel der 85 Millionen, nämlich 4.995.000 Euro, wurde für die …

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FunkFeuer Linz in Binga

Bereits viermal bereisten Aktivistinnen des Linzer FunkFeuer Kollektivs den Distrikt Binga im Nordwesten von Zimbabwe. Ursprünglich mit dem Plan angetreten, ein Meshnetzwerk[1] a la FunkFeuer zu errichten, sieht das Projekt heute aufgrund einiger nicht vorhergesehener Herausforderungen und Hürden ein bisschen anders aus. Über das Projekt Im Herbst 2009 trat die ARGE Zimbabwe[2] mit der Bitte um technische Hilfe für das Tonga.Online[3] Projekt an die FunkFeuer Initiative Linz heran. Konkret ging es dabei um die Realisierung eines FunkFeuer-ähnlichen Netzwerks einerseits zur Vernetzung einiger Schulen und lokaler Steakholder untereinander, andererseits sollte dadurch auch eine Anbindung ans Internet für alle beteiligten Parteien geschaffen …

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Mit der Fackel in der Hand durch den Wald!

Klaus Wallinger, ehemaliger Vorsitzender der KUPF und langjähriger Kulturaktivist im Salzkammergut, hält eine Brandrede gegen himmelschreiende Ungerechtigkeiten in der oberösterreichischen Förderpraxis. Seine Empfehlung für eine zeitkulturell inspirierte Regionalentwicklung: Leuchten, nicht Löschen! Und wie da hineingerufen wird, kommt es bekanntermaßen retour. Was ist los im Wald der Kultur? Bei den Kulturinitiativen und -arbeiterinnen? Bei den Aktivistinnen, den losen Sympathisantinnen, dem Publikum mit Teilhaberecht an selbst- und fremdgemachter Kunst, bei der Kulturvermittlung? Herr Kulturreferent? Der Mischwald ist bedroht, die Mono-Hochwachs-Kulturen werden mit Fördermitteln nur so überschüttet. Da zerbiegen sich die Budgetaufstellerinnen landesweit zwecks Einsparungsmaßnahmen, aber heraus kommt so ziemlich gar nichts. Und …

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„The People Formerly Known as the Audience“

Crowdsourcing und Crowdfunding in Kunst und Kultur Das Zitat „the people formerly known as the audience“ (die Menschen, die man einst als das Publikum bezeichnete) von Jay Rosen, Professor für Journalismus an der New York University, illustriert den Paradigmenwechsel, der im Zuge des Aufstiegs des sozialen Internets die Medienwelt verändert. Das „Publikum von einst“ spielt gemäß Bertold Brechts utopischer „Radiotheorie“ aus den frühen 30ern des vergangenen Jahrhunderts zunehmend eine neue Rolle: „Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, […] wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, …

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Stadtwache Linz schikaniert Bettler – und die Polizei spielt mit!

Am 10. Juli wurden zwei rumänische Jugendliche am Linzer Schillerplatz von der Stadtwache angehalten. Der eine, Mihai, 14 Jahre alt und der andere, Bobi, gerade einmal 18. Ihr Vergehen: Sie haben gebettelt. Nicht aggressiv, sondern ruhig und höflich. Da Mihai aber minderjährig ist, wurde dem 18-jähigen Bobi vorgeworfen, beim Betteln „eine unmündige Person mitgeführt“ zu haben. Etwas, das nach der Bettelverordnung des Landes Oberösterreich (angeblich) verboten ist.Die „Organe des Ordnungsdienstes“ nahmen den beiden Jugendlichen ihre Barschaft ab und tätigten einen Anruf bei der Bundespolizeidirektion. Diese verfasste nach den Angaben der Stadtwächter (ohne eigene Prüfung) eine Strafverfügung und schickte einen Beamten …

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Halleluja Falada!

In South Park entdeckt Cartman das Potential des Subgenres Christenrock! Als Interpret Gottes steigt er auf, weiß im Gebet wie beim Angebot würdig die Augen zu schließen (und sieht dabei Pfarrer Franz Brei ziemlich ähnlich). Dem kleinen, amerikanischen Dreckskerl Cartman ist nichts heilig. Sie glauben ihm trotzdem. Die Cartman-Christenrock-Songs handeln exklusiv von Gott-und-kein-anderer-neben-mir. Die Leer- oder Füllstelle Gott ist eine Errettungsmaschine. Für jeden und jede ein unendliches Jenseits. Es sind da Schutzengel, Pilgerreisen und Wallfahrtsorte. Irgendetwas ist da. Ein großes, unlogisches Hintergrundrauschen. Es gibt Märchen. Und es gibt das eine Märchen. Menschen träumen sich in transzendentale Welten, sprechen in Zungen, …

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Meine liebe, liebe KUPF!

Es tut sich was in der Außenwelt: Es ist heiß, es ist kalt. Es scheint die Sonne, es regnet. Der Basilikum mag diese Wetterkapriolen gar nicht mitspielen, und lässt sich hängen, dafür erröten die Paradeiser artig. Die Bienen taumeln, nachdem sie sich am falschen Wein angesaugt haben, besoffen durch die bodennahen Lüfte. Die Bauern fahren ihre zweite Heuernte ein, und bringen zum Dank Jauche aus. Überall ist Arbeit zu tun, nur ich sitze (oder liege) seit geraumer Zeit untätig in der Unteren Außenwelt herum. Das liegt nicht am feinen Müßiggang, sondern an argem Kränkeln: verschnupft, verschleimt, gerädert! Dazu verspannt, sehr …

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Und bist du nicht willig …

Die beiden CBA-Entwickler Ingo Leindecker und Thomas Diesenreiter meinen, es sei an der Zeit, die politische Auseinandersetzung um „das Recht – im Netz zu senden“ zu führen. Was meinen sie damit? KUPF: Cultural Broadcasting Archive (CBA) ist ein offenes und nicht-kommerzielles Archiv und wurde vor über zehn Jahren von Radio FRO initiiert. In seiner Geschichte hat es sich stetig weiterentwickelt. Was ist es heute für euch? TD: Es erfüllt unterschiedliche Funktionen, die nicht nur für den Alltag der freien Radios wichtig sind. Die Einstiegsseite des CBA spiegelt das schön wider: wir begrüßen die Leute mit „Austauschplattform, Archiv, Podcast-Provider und Zeitdokument“. Das …

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Urheberrechte: Erste Halbzeit

2012 ist das Jahr, in dem die Urheberrechtsdebatten auch in Österreich angekommen sind. Dank der kostspieligen „Kunst hat Recht“-Kampagne (es wird von einem Auftragsvolumen von rund 360.000 EUR gesprochen[1]), die von einer PR-Agentur, die ansonsten Aufträge von Pharmakonzernen annimmt, durchgeführt wird, ist das Thema nach einigen erfolglosen Versuchen der IFPI in den Jahren zuvor im Mainstream angelangt.   Das ist zwar weniger das Verdienst der Agentur als vielmehr der breiten Sensibilisierung, die die Empörung rund um ACTA ausgelöst hat. Und es ist auch dem Umstand geschuldet, dass mittlerweile nicht nur eine Handvoll Rechteverwerterinnen und einige wenige Stars vom Urheberrecht betroffen …

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OKH Vöcklabruck – eine Freie Szene findet ein Zuhause

Seit dem zweiten Mai-Wochenende hat die über 20jährige Raumsuche ein Ende. Mit einem zweitägigen Programm feierten die freien Kulturaktivistinnen in Vöcklabruck ihren Einzug in das neue OKH – Offene Kulturhaus Vöcklabruck. Das Haus wird seitdem fast wöchentlich von individuellen Veranstalterinnen und den Mitgliedsvereinen des OKH bespielt und bietet angesichts derer unterschiedlicher Ausrichtungen ein Programm, das vielfältiger nicht sein könnte. Zeitgenössisches Theater spielte es da schon, regionale Musikacts, aber auch Bands von weiter her aus allerlei Genres, die eins im Mainstreamradio sicher nicht zu hören bekommt, eroberten sich Bühne und Publikum. Die Terrasse wurde beim Grillen eingeweiht und ein Sozialwendfeuer machte …

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Die Jungen werden ‘s schon richten

Der Dokumentarfilm „Freiräumen“ von Andreas Kurz und Mario Hengster schafft einen Überblick über Möglichkeiten der Partizipation von Jugendlichen im Bezirk Vöcklabruck. Konkret beleuchtet wird der Versuch kultureller Vereine, Orte für sich zu schaffen. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Es ist ein scheinbar banaler Spruch, der allerdings die Wichtigkeit unterstreicht, sich mit aktuellen Themen generell zu beschäftigen. Dieser Spruch ist wohl ein Argument für kritische Kultur, immer auf Höhe der Zeit. Regisseur Andreas Kurz und Kameramann Mario Hengster haben einen Dokumentarfilm namens „Freiräumen“ produziert, welcher über die Thematik Jugendlicher auf Suche nach freien Räumen an konkreten …

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Bitte, Werkzeug mitbringen

Berg heil, sagen die Männer, als sie uns kommen sehen. Grüß Gott, antwortet ihnen die Frau, die ein paar Minuten später am Gipfel ankommt. Vom Plassen ist es weit nach unten. Der Hallstättersee liegt vor uns, so klein, dass ich ihn verdecken könnte, wenn ich meine Beine hebe und die Füße vor ihn halte. Achtung, sagt die Frau, als mein Begleiter sie und ihren Mann fotografiert, danke, das genügt schön, passen Sie auf, ein Foto, mehr brauchen wir nicht. Wir sitzen zu sechst auf dem Gipfel, paarweise, wir kennen uns nicht. Die Frau fragt den Einheimischen nach einem anderen Weg …

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Ganz von vorn anfangen kann man nur ein Mal

Willkommen in der Welt, schauen Sie ruhig wieder einmal genauer hin! Und dann können Sie es auch gleich lassen, das Große zu suchen. Und überhaupt: Schauen Sie lieber nicht wieder einmal genauer hin, lassen Sie das ein Buch für sich erledigen. Anna Weidenholzer zerpflückt Stück für Stück den Alltag, den jede von uns gezwungen ist zu erleben, oder zumindest gezwungen sein könnte, und gibt detailverliebt jedem Stück eine ungewohnte neue Eigenschaft, nämlich eine Erwähnung wert zu sein. Und während dieser Bewusstmachung unserer Umwelt erzählt sie die Geschichte von Maria, die so vieles verliert, dass sie langsam nicht mehr weiß, was …

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Die bösen Wölfe

Sie sind Extremistinnen und Nationalistinnen. Sie schwärmen von der Überlegenheit ihres Volkes und warnen vor Rassendurchmischung. Sind antisemitisch, misogyn und kämpfen für ein ethnisch homogenes Großreich. Und sie leben mitten unter uns. Aber obwohl viele von ihnen Deutsch besser als irgendeine andere Sprache beherrschen, sind es türkische Faschistinnen von denen Kemal Bozay, Thomas Rammersdorfer, Thomas Schmidinger und Christian Schörkhuber berichten. Genauer gesagt geht es um die in Österreich lebenden Anhängerinnen der „Grauen Wölfe“. Ein Phänomen, das bisher kaum beachtet wurde und sich deshalb ungehindert ausbreitet. Aufbauend auf eine lange Tradition in der Türkei ist diese Spielart des Faschismus ein starkes …

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