Zukunftsorientierung?

Es ist nicht gleich notwendig, den „Kulturinfarkt“ als kulturpessimistisches Szenario an die Wand zu malen, um akuten Handlungsbedarf in der Kulturpolitik zu verorten. Bloße Umverteilungsdebatten würden indes zu kurz greifen, der zu beackernde Boden ist nämlich grundlegender: Kulturpolitik muss wieder in Bewegung kommen!

Dieser Befund ist freilich nicht neu – und das schon gar nicht an dieser Stelle. Aus gutem Grund werden hier regelmäßig eine substanzielle Erhöhung des Kulturetats oder eine dringend notwendige Dynamisierung des Förderwesens gefordert. Die Handlungs- und Ermessensspielräume blieben allerdings in den letzten Jahren unverändert eng geschnürt, die Austeritätspolitik trägt ihriges zur weiteren Einschränkung bei. Wo bleibt da die Luft für zukunftsorientiertes Kulturschaffen?

Eine Frage, die sich wohl auch die vier Kulturinfarkt-Autoren gestellt haben. Ob allerdings die polemische Forderung nach einer Halbierung der institutionalisierten Kultureinrichtungen sinnvoll ist, darf in diesem Zusammenhang bezweifelt werden – als Anstoß für kulturpolitische Debatten taugte sie erfreulicherweise. Erwartungsgemäß konnte auch Landeshauptmann Pühringer dieser Forderung wenig abgewinnen. Er merkte am 13. Juni in der Diskussion mit dem Kulturinfarkt-Autor Pius Knüsel aber an, „dass man sich immer wieder neu überlegen muss: Wo setze ich die Prioritäten? Wir laufen in der Kultur schon Gefahr, dass man immer das Gleiche tut, weil man mal damit begonnen hat“.

In der Tat ist hier der Landeshauptmann und Kulturreferent beim Wort zu nehmen, denn das kulturelle Feld entwickelt sich permanent weiter und wohl nicht umsonst steht im OÖ Kulturleitbild der Passus geschrieben: „Die Dynamik des Kulturlebens verlangt von der Kulturpolitik flexible Reaktionen auf kulturelle Veränderungsprozesse und somit Spielraum für zukunftsorientierte Entwicklungen“.

Wer tatsächlich selbstreferenzielle Förderlogiken vermeiden und zukunftsorientierte Kulturpolitik auch als flexibles Instrument gesellschaftlicher Steuerung einsetzen will, kommt an der initiativen Kultur- und Medienarbeit nicht vorbei. Sie ist es, die gesellschaftliche Entwicklungen und sich ändernde Lebensstile aufgreift, kulturelle Teilhabe abseits bloßen Konsums ermöglicht und insbesondere in den Regionen eine kulturelle Nahversorgung gewährleistet.

Ungeachtet dessen treffen just diesen Bereich gegenwärtige Entwicklungen besonders hart: Dem Großteil der Kommunen sind strukturell die Hände gebunden (Stichwort: 15 € Erlass für Abgangsgemeinden), Sponsoring versiegt und nun hat selbst das Land OÖ die Fördertöpfe mit einer dauerhaften Kreditsperre limitiert. Wann, wenn nicht jetzt ist es an der Zeit, die freie Zeitkultur zu entlasten und einen Spielraum für zukunftsorientierte Entwicklungen zu eröffnen?

 

 

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