FunkFeuer Linz in Binga

Bereits viermal bereisten Aktivistinnen des Linzer FunkFeuer Kollektivs den Distrikt Binga im Nordwesten von Zimbabwe. Ursprünglich mit dem Plan angetreten, ein Meshnetzwerk[1] a la FunkFeuer zu errichten, sieht das Projekt heute aufgrund einiger nicht vorhergesehener Herausforderungen und Hürden ein bisschen anders aus.

Über das Projekt

Im Herbst 2009 trat die ARGE Zimbabwe[2] mit der Bitte um technische Hilfe für das Tonga.Online[3] Projekt an die FunkFeuer Initiative Linz heran. Konkret ging es dabei um die Realisierung eines FunkFeuer-ähnlichen Netzwerks einerseits zur Vernetzung einiger Schulen und lokaler Steakholder untereinander, andererseits sollte dadurch auch eine Anbindung ans Internet für alle beteiligten Parteien geschaffen werden.

Die „Digitale Spaltung“ manifestiert sich besonders stark in so entlegenen Gebieten wie dem der Tonga, da sich aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und der großen Entfernungen kaum kommerzieller Profit aus der Anbindung ans Telefonnetz und in weiterer Folge auch ans Internet schlagen lässt. Angesichts der verbreiteten Not und der tiefen politischen Krise Zimbabwes erweist sich aber der Zugang zu Information und Wissen mit Hilfe moderner Technologie als nicht minder überlebenswichtig wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Gleichzeitig bedeutet eine Internetanbindung auch die Möglichkeit der direkten Selbstrepräsentation, im Speziellen interessant für die Tonga, um ihre Kultur und Tonkunst überregional und international zu präsentieren.

Der Antrag auf eine Sondergenehmigung für den Betrieb von WLAN Knoten (WLAN ist in Zimbabwe nur bis 100 m Reichweite und indoor erlaubt) bei der zimbabwischen Telekom-Regulierungsbehörde harrt aber immer noch auf Bearbeitung (seit Frühling 2010), und nach einem ersten Lokalaugenschein (die erste Reise fand im September 2010 statt [4]) wurde schnell klar, dass eine rasche, flächendeckende Vernetzung wohl ein zu hoch gestecktes Ziel war. Auch die örtliche Fauna machte uns das Leben schwerer. Binga liegt mitten im Buschland, ohne das Aufstellen von Masten ist ein Meshnetzwerk nicht realisierbar, was den Aufwand über die Maßen erhöht.

Umorientierung

Die Begeisterung für das Projekt war aber groß genug, um nicht an diesem Punkt einfach aufzugeben, sondern unseren Projektfokus entsprechend zu adaptieren.

Abseits der zimbabwischen Gesetze erwies sich auch vor allem fehlendes Know-How im Netzwerkbereich bzw. im gesamten IT-Bereich als „Show-Stopper“ für unser ursprüngliches Projekt. Unsere europäische, rund um die Uhr online-Lebensrealität, in der Nichtwissen kein Problem darstellt, das Google oder andere nicht lösen könnten, verstellte uns den Blick auf diese Tatsachen.

Daher ist die Wissensvermittlung nun einer unserer Hauptschwerpunkte. Es geht in erster Linie um Vermittlung von Fertigkeiten im Umgang mit Opensource Software (z.B. Ubuntu Linux, Scribus – Desktop Publishig Software), Hardware („wie erkenne ich, was an meinem Computer kaputt ist“), Online Publishing (WordPress, Drupal) und Netzwerk Basiswissen. Ziele unserer Workshops und „On the Job“-Trainings sind einerseits so viel praktisches Wissen und Erfahrung zu vermitteln, damit die unmittelbaren IT-Probleme von den Teilnehmerinnen selbst gelöst werden können, aber auch soviel Grundlagenwissen wie nötig zu unterrichten, um eine selbständige Weiterbildung zu ermöglichen. Schließlich wollen wir damit die Menschen vor Ort in die Lage versetzen, die IT-Infrastruktur selbst zu betreiben und auszubauen und eventuell, so es denn die Gesetze einmal zulassen, selbständig ein Netzwerk auf- und auszubauen.

Dies alles wäre ohne Partnerinnenorganisation in Binga völlig unmöglich zu realisieren. Basilwizi Trust[5] erfüllt als Trägerinnenorganisation des Tonga.Online Projekts in Zimbabwe diese Aufgabe. Basilwizi Trust unterstützt uns bei der Findung von Workshop-Themen und Inhalten sowie mit der Organisation und Abwicklung der Workshops im Distrikt Binga. Außerdem fungiert Basilwizi Trust als Schnittstelle zu den Zielgruppen unserer Workshops.

Anfangs schien die am besten als Wissensmultiplikatorinnen geeignete Zielgruppe die der IT-Lehrerinnen an den Schulen zu sein, in denen schon IT-Zentren eingerichtet waren. Leider erwies sich dies als falsche Annahme. Da Lehrerinnen in den ländlichen Gebieten von Zimbabwe oft keine voll ausgebildeten Lehrerinnen sind, sondern lediglich so genannte Hilfslehrerinnen (Menschen mit Highschool-Abschluss), und dieser Job einerseits nicht besonders gut bezahlt, andererseits einer der wenigen ist, die es überhaupt gibt (in Zimbabwe liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 92% – laut Aussage des Geschäftsführers von Basilwizi Trust), gibt es eine ziemlich große Fluktuation im Lehrpersonal. Damit verschwindet leider aber auch in vielen Fällen das von uns vermittelte Wissen.

Nachdem wir weder das Problem der Arbeitslosigkeit noch das der Lehrpersonalfluktuation im Rahmen unseres Projektes lösen konnten, mussten wir uns nach einer anderen Hauptzielgruppe für unsere Wissensvermittlung umsehen. Bereits bei einer unserer ersten Reisen regten wir die Gründung von Computerclubs oder ähnlichen Strukturen an, die im Umfeld der IT-Zentren tätig sind. Basilwizi Trust nahm diese Anregung auf, fasste aber das „Clubbetätigunsfeld“ weiter und unterstützte die Gründung von „Media Clubs“ rund um die IT-Zentren in den Schulen im Distrikt Binga und der „Binga Library“. Diese Media Clubs bringen u.a. auch regelmäßige Newsletter zu regionalen Themen heraus.

Einer der Schwerpunkte von Basilwizi Trust ist „Female Empowerment“. Dies äußert sich auch darin, dass der Frauenanteil bei Workshops und in den Media Clubs fast 50% beträgt.

Im Rahmen der 2. Reise nach Zimbabwe im Mai 2011 [6] wurde dem Bedürfnis des „Female Empowerment“ insofern Rechnung getragen, dass ein „Female Only“ Workshop realisiert wurde. In Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen vor Ort war das Thema, das die Frauen interessiert, schnell gefunden: „Web Publishing“ und „Email“. Leider konnten wir bis jetzt keinen Follow up-Workshop anbieten, da im Public Access Point in der Bibliothek von Binga zwar funktionstüchtige Computer, aber noch immer keine Internetanbindung vorhanden ist.

Ausblick

Nach mittlerweile vier Reisen nach Zimbabwe sind wir um viele Erfahrungen reicher, viele Aufgaben warten noch auf uns, u.a. der Wiederaufbau des Tonstudios in der Binga Highschool, das rege von lokalen Künstlerinnen für ihre Aufnahmen genutzt wurde. Mit jeder neuen Reise stellen sich uns neue Herausforderungen, Aufgaben und nicht zuletzt entstehen neue Freundschaften.

Um unsere zukünftigen Vorhaben und folgenden Reisen realisieren zu können, haben wir den Verein „TODO“ ins Leben gerufen. Dieser finanziert sich zurzeit aus Spenden (das offizielle Österreich fördert kaum noch Projekte im südlichen Afrika). Falls du, liebe Leserin, das Projekt auch unterstützen möchtest, freuen wir uns.

Spendenkonto:
TODO: Verein zur Bekämpfung der digitalen Spaltung
Nr: 611137159
BLZ: 15000
Oberbank

Mehr zum Projekt und den konkreten Inhalten unserer Reisen nach Zimbabwe:
http://mulonga.linz.funkfeuer.at/

 

[1] http://linz.funkfeuer.at/
[2] http://servus.at/argezim/
[3] http://www.mulonga.net/
[4] http://mulonga.linz.funkfeuer.at/category/funkfeuer/reise-september-2010
[5] http://basilwizi.org
[6] http://http://mulonga.linz.funkfeuer.at/category/funkfeuer/reise-mai-2011
 

peter wagenhuber: servus.at sysadmin, funkfeueraktivist
pamela ripota: admina von maiz, politaktivistin (infoladen treibsand)

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