IT ’12 – die Projekte

 

Seit über 15 Jahren wird via Innovationstopf (IT) Geld aus dem Landeskulturbudget nach von der KUPF bestimmten Kriterien in die Freie Szene umverteilt. Themenbezogenheit, kulturarbeiterische Relevanz, Juryentscheid, Transparenz und ähnliche Schlagworte taggen den IT. 2012 war der IT zum „Gläsernen Boden“ ausgeschrieben, einer klar feministischen Fragestellung nach den tatsächlichen Geschlechterverhältnissen im freien Kulturbetrieb. Hier die Auflistung der jurierten Projekte, die allesamt in den nächsten Monaten umgesetzt werden. Wir gratulieren den Projektträgerinnen!

 

 

VIERinEINBARKEIT
Ein Projekt von Radio FRO
Wie können wir unser Leben leben, um alle wichtigen Arbeitsbereiche zu vereinbaren? Die Feministin Frigga Haug liefert mit der 4in1-Perspektive spannende Ansatzpunkte, mit denen sich Radio FRO in Workshop, Vortrag und Radiobeiträgen beschäftigt, um zu sehen, wie es an der radiomachenden Basis des Senders so läuft. Gibt es einen „Gläsernen Boden“ einer ungerechten Verteilung gesellschaftlich notwendiger Arbeit, der bewirkt, dass nur rund 1/3 der Radiomacherinnen bei Radio FRO Frauen sind?

 

Gloss
Ein Projekt von PangeaUnter Mitwirkung der Userinnen von Pangea und weiterer Interessierter werden Alltagswelten von Frauen unterschiedlicher Lebenshintergründe und Herkunft, sowie die Rolle des Gender Mainstreaming in einem Hochglanzmagazin aufgearbeitet: Eine hedonistische Inszenierung mit Anspielung auf die Luxuswelt der Modemagazine, der die Wenigsten angehören; reflektierende, gebrochene oder nachgestellte Aufnahmen zum (gewünschten?) „Frau-Sein“; ungeschminkte Tatsachen zu den Zielen der Frauen und ihren Möglichkeiten, sowohl die gläserne Decke zu brechen, als auch den gläsernen Boden zu durchleuchten. Ein Projekt zum Spannungsfeld von Alltag und «Hochglanzwelt» der Frauen.

  

Tellerwäsche*
Ein Projekt von TKV Regau und vielen Initiativen der Region

Wenn wir den gläsernen Boden nicht wahrnehmen, werden wir ihn durch unsere Alltagsroutinen stets erneuern. Für die Veranstaltungsabwicklung mit klassischer Rollenverteilung heißt das: Wir reinigen ihn sogar. Das Projekt „Tellerwäsche*“ überzeichnet dieses Bild, greift zum Putzfetzen und möchte den gläsernen Boden zum Glänzen bringen, auf dass er nicht mehr übersehen werden kann!

 

FRAU IM BILD
Ein Projekt von dorf-TV
Der freie Linzer Fernsehsender dorf-TV ist seit Juni 2010 auf Sendung. Die Struktur des Senders ist noch jung und flexibel. Das Programm ist in Entwicklung und erfordert begleitende Unterstützung. Dorf-TV will gezielt Programmgestaltung und Programmoutput mit der Präsenz von Frauen, Frauensichtweisen und feministischen Inhalten stärken. Dies gilt für Live-Sendungen ebenso wie für neue, mit Frauen entwickelte TV-Formate. Parallel dazu startet dorf-TV im Team einen Prozess der Reflexion, Analyse und Sensibilisierung für die produzierten Bilder im Hinblick auf die Darstellung von Geschlechtern.

 

„Es muss viel gelacht werden, um die Welt zu verändern“
Ein Projekt von maiz
Wir forschen: Inwieweit übernehmen wir unreflektiert Normen und Diskurse, unterwerfen uns Distributions- sowie Distinktionsmechanismen? Diesen Fragen möchte das Projekt mit den Mitteln des Humors und der Parrhesia (eine Form von Kritik und Selbstkritik) innerhalb von je vier Reflexions- und Aktionsworkshops nachgehen. Highlight ist unter anderem die Entwicklung einer antihegemonialen, antirassistischen, postkolonialen und postfeministischen „Komödiale“.

 

Girls and Boys, what’s up?
Ein Projekt von urban farm
Gemeinsam mit Jugendlichen des Jugendzentrums am Harter Plateau in Leonding sollen im Rahmen des multimedialen Vorhabens Sichtweisen und Ideen zum Rollenbild von Mädchen und Frauen diskutiert und erforscht werden. In einem partizipativen, redaktionell organisierten Blog werden Arbeitsprozesse und Rollenverteilungen der Jugendlichen reflektiert.  Eine gemeinsame Diskussion zum weiblichen Rollenbild in Alltag und Arbeitswelt wird initiiert und videodokumentiert. Via Internet werden Ausschnitte und Zitate aus den Videos veröffentlicht, um die Diskussion im Internet fortzusetzen und besonders junge Leute damit anzusprechen und einzubinden.

 

Fest der Gefühle
Ein Projekt von Reizend! In Kooperation mit KV waschaecht
Die Welt des Schlagers und der Pophits dient maßgeblich auch der Zementierung unserer Geschlechterverständnisse. Die Vermittlung dieser tradierten Rollenbilder kommt gefällig und vermeintlich unpolitisch in unseren Alltag. Das partizipativ angelegte Projekt mischt sich in die Welt der Stars und Sternchen ein, stellt Fragen, analysiert und baut mit Brüchen neu zusammen: Ein Schlager, ein Musikclip und das reflektierende Magazin „Die ganze Wahrheit“ gehen dem Genre auf den Grund. Am Ende stehen die „Sternstunde der Gefühle“, eine Veranstaltung für alle, die gerne populäre Musik hören und deren Funktion erkennen möchten, und die kritische und erhellende Diskussion „Lass uns reden, Schatz“.

 

females in pop
Ein Projekt von Fadi Dorninger & SRA

Wo sind die Musikerinnen? In OÖ wird Musikausbildung auf sehr hohem Niveau betrieben – nicht nur in der Lehre, sondern auch bezüglich der Kosten. SRA will der Frage nachgehen, ob sich nach erfolgter Ausbildung Musikerinnen in Ensembles oder Bands wiederfinden, ob sie ihrerseits Lehrende werden oder ob sie das Feld den Männern überlassen „müssen“. „females in pop“ ist ein Werkzeug, das online Momentaufnahmen über den Aktivitätsstatus von Frauen in der oö. Populär-Musik auswirft.

 

Bäuerin.Macht.Image
Ein Projekt der Redaktion Stallgeflüster und dem freien Radio in Freistadt
In kaum einem anderen Lebensbereich sind Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten derart tief verwurzelt und verhärtet wie im Bereich der Landwirtschaft. Das Freistädter Projekt „Bäuerin.Macht.Image“ macht die gläserne Decke in diesem Bereich zum Thema und stellt den Anspruch, verkrustete Strukturen aufzubrechen. In Form von Radiosendungen, Veranstaltungen, Ortsgesprächen und einer multimedialen Dokumentation werden die Bäuerinnen sowohl aktiv eingebunden, als auch zur Selbstreflexion angeregt.

 

Sag mir, wo die Frauen sind …
Ein Projekt der Black Community OÖ
Das Projekt ist auf die Diversität der Frauen der Black Community und darüber hinaus abgestimmt. Mittels medialem Empowerment, TV-Debatte, Workshops, … werden geschlechtsspezifische, (inter-)kulturelle und strukturelle „Gegebenheiten“ hinterfragt. Ziel ist, einen Selbstreflexionsprozess zu initiieren, in der Gesellschaft, der eigenen Community, der privaten Lebenswelt, dem eigenen Ich.

 

Eine von uns
Ein Projekt des Frauenforums Salzkammergut
Stutenbissigkeit und Zickenterror adieu! Der miesen Taktik des „divide et impera“ wird Einhalt geboten. 52% der Bevölkerung lassen sich nicht länger spalten in alt und jung, arm und reich, schön oder nicht, Karriere- oder Hausfrau. Das Projekt „Eine von uns“ kultiviert und feiert die Bezugnahme von Frauen aufeinander, denn hinter jeder starken Frau steht eine andere starke Frau! Das Erleben von Solidarität wird so unser aller Leben verändern.

 

Eine Tontechnikerin für die KAPU
Ein Projekt der KAPU
Das Projekt „Eine Tontechnikerin für die KAPU“ soll die Ausbildung und Etablierung einer Tontechnikerin für die KAPU ermöglichen. Damit wird, in klassischer feministischer Strategie, die Gleichstellung in einem männerdominierten Berufsfeld gefordert und eine traditionelle Struktur aufgebrochen. Im Rahmen des Projektes soll zudem der Ausbildungsprozess der Technikerin reflektiert und transparent dokumentiert werden.

 

Das Vermächtnis der Radiopiratinnen
Ein Projekt von SPACEfemFM Frauenradio
Das SPACEfemFM Frauenradio begibt sich auf die Spurensuche nach den Wegbereiterinnen – jenen Radiopiratinnen, die die feministische Radioarbeit überhaupt erst ermöglichten. Das Projekt soll den Lebensweg von Frauen* aufzeigen, die von der herkömmlichen, patriarchalen Geschichtsschreibung ignoriert werden. Es soll eine Korrektur jener falschen Vorstellung ermöglichen, dass es keine bedeutenden Frauen* in der Radiogeschichte gibt – mittels professionell produzierter Audio-Biografien und Hörspiele.

 

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Weitere Details zu den Projektträgerinnen und ihren Vorhaben sowie aktuelle Entwicklungen unter: www.innovationstopf.at

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