Money makes the Kulturhauptstadt go around

Martin Wassermair mahnt zur Kritik.

Was nach der Ernennung Bad Ischls und des Salzkammerguts zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 mit zunehmender Schlagzahl in den Zeitungen zu lesen ist, darf durchaus als ganz besondere Traditionspflege betrachtet werden: Seit mehr als 30 Jahren hat die EU nicht die Erschließung kultureller Räume für eine global ausgerichtete Multitude vor Augen, sondern die Kulturalisierung von kleinteiliger Imagebildung, Tourismus und profitabler Geschäftemacherei. Im Zentrum steht fast immer das Management, eine technokratische Fixierung auf die Steuerung von «Bürokratismus, Intransparenz, Willkür, Proporz, Sonntagsreden und dem Missverständnis, irgendein Tingeltangel hätte etwas mit Kultur zu tun», wie es Gerhard Matzig 2015 im Feuilleton der ZEIT formulierte. Auch im Salzkammergut ist zu vernehmen, dass alle Hoffnung auf «kulturaffinen Gästen» liegt, «die Geld in die Region bringen». So bringt es unsere neoliberale Zeit mit sich, dass Programme wie das der Europäischen Kulturhauptstadt nicht ins Leben gerufen wurden, um gesellschaftliche und demokratische Verbesserungen zu schaffen, sondern um ein kulturindustrielles Business zu verwirklichen. Menschen, die nicht über die Mittel verfügen, einen Blick über die Gemeindegrenze zu werfen, sind da nicht gern gesehen.

Der Jubel für den Zuschlag 2024 sei Bad Ischl und der Region auf alle Fälle unbenommen. Es ist aber dessen ungeachtet sehr erstaunlich, dass im Falle der österreichischen Bewerbungen seit geraumer Zeit keinerlei kritische Auseinandersetzung wahrzunehmen ist, die in vergangenen Kulturhauptstädten wie beispielsweise Marseille 2013 im kulturpolitischen Establishment zum Selbstverständnis gehörte. Ja klar, money makes the Kulturhauptstadt go around! Da fällt vielleicht dort und da auch für jene ein Krümchen ab, die sich bisher aufgrund dramatischer Unterfinanzierung kaum aufrichten können. Vor der Kulturhauptstadt Bad Ischl liegen auf alle Fälle noch vier lange Jahre. Das Vorhaben kann nur einen Nutzen daraus ziehen, wenn der heiße Atem aus Kritik und Widerspruch gerade im Zeitraum der Vorbereitungen an den Schaltzentralen spürbar wird. Und was auch immer dabei herauskommt – am Ende blickt zumindest das Schloss Ort für 1,5 Millionen Euro auf eine neue Überdachung des Innenhofs.

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