Hallein & Kultur. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

An sehr vielen Tagen fühlt sich Hallein an wie der beste aller Orte für spannende Kulturarbeit – mit viel Potenzial. Und an anderen Tagen: Wände, Mauern, Rückschläge. Schnell war festzustellen, dass sich die Zusammenarbeit unter den Kulturschaffenden in Grenzen hält. Der kleinste gemeinsame Nenner ist: klein. Auch daran scheiterte bisher die eine klare Forderung nach einem gemeinsamen Kulturhaus. Konzepte dazu gibt es mehrere. Eines davon, der Umbau der Alten Schmiede zu einem Ort für Kleinkunst und Konzerte, wurde in den vergangenen zwei Jahren halbherzig und leider ohne viel Verstand von der Stadtgemeinde umgesetzt. Einige Veranstalterinnen weichen deswegen in Cafés oder Vereinslokale aus.

Auch kulturelle Netzwerkarbeit steht unter keinem guten Stern. Mit wenig Personal ist wenig möglich. Der Anspruch indes ist hoch: Service, Öffentlichkeitsarbeit, Anlaufstelle 24/7, mehr Gelder lukrieren. Und vor allem: mehr veranstalten. Die überlangen To-do-Listen lähmen die effiziente Netzwerkarbeit und machen krank. Dazu kommt eine unklare Rollenverteilung und ein unterschiedliches Verständnis von Kultur unter Kulturschaffenden und Fördergebern.

Unter Veranstaltern beliebt ist derzeit eine Art Guerillataktik: kurzfristige und spontane Aktionen mit oftmals mangelnder Koordination, im Alleingang und ehrenamtlich. Für die Vergabe von Fördergeldern auf kommunaler Ebene fehlen eindeutige Kriterien. Spielen persönliche Beziehungen zu Politikerinnen dabei eine größere Rolle als andere Vergabekriterien? Zu viel kosten darf die Kultur auf jeden Fall nicht!

Was meine trotzige Liebe zu dieser KULTURstadt trägt: die vielen engagierten Kulturschaffenden und Künstler – Heldinnen! Die Rückendeckung durch den Kulturentwicklungsplan des Landes für vernetzende, partizipative und vermittelnde Kulturpraxis! Außerdem: viel undefinierter Raum. Diesen zukünftig gemeinsam füllen, in ihm experimentieren, entwickeln und wieder verwerfen zu dürfen, ist mir Inspiration und Antrieb. Aber wie erkläre ich jemandem, der von mir Wirtschaftlichkeit erwartet, ein kulturelles Experiment im leeren Raum? Wahrscheinlich am besten, indem man erst einmal nicht über Geld spricht …

Simone Seymer, Kulturschaffende aus Salzburg, hat parallel zu ihrem Studium stets im Kulturbereich gearbeitet. Seit Februar 2018 ist sie Geschäftsführerin des Kulturvereins SUDHAUS hallein.kultur.

Dieser Text verwendet abwechselnd das generische Femininum und das generische Maskulinum, die willkürlich über den Text verteilt sind.

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