Solche Tage

Anna Weidenholzer über schreckliche Tage. Und deren Wiederholung. Es gibt solche Tage und solche, auch viel dazwischen. An solchen Tagen wiederholen sie sich, die Bilder, die Töne, die Wörter. Manchmal auch an den Tagen dazwischen. Es wiederholt sich. Die Menschen in Wien gehen wie die Menschen in Linz auf den Gehsteigen, die Autos fahren auf den Straßen, die Busse, die Straßenbahnen. Vom Westbahnhof zum Praterstern, fünfundzwanzig Stationen, die Fünfer- Linie, Lieblingsstraßenbahn, habe ich sie genannt. In der Lieblingsstraßenbahn zum Westbahnhof, zwei Mädchen halten Rosen in der Hand, reduzierte Hofer- Rosensträuße, der eine um dreißig, der andere um fünfzig Prozent vergünstigt, …

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Parallax Error #138

  von Vina Yun Ein Nachtrag zum 1. Mai: In den letzten zehn Jahren hat sich insbesondere in den europäischen Industriestaaten ein Diskurs entwickelt, der unter dem Schlagwort der »Prekarisierung« die zunehmend von sozialer Unsicherheit geprägten Arbeits- und Lebensverhältnisse skandalisiert und zum Ausgangspunkt für widerständige politische Kämpfe macht. Wie schon die Jahre zuvor zog auch heuer die »Parade der Prekären« am Tag der Arbeit durch die Straßen Wiens: »Krrrrrise? Mayday!« Um einiges älter als der Begriff der »Prekarisierung « ist jener der »Informalisierung«, wie er im Kontext der Entwicklungstheorie verwendet wird. Seit seiner »Entdeckung« vor gut 40 Jahren ist das …

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Ehre, Amt und freier Wille

 – ziviles Engagement als politischer Krückstock? Von Daniela Fürst Die Statistik Austria stellte 2008 im Bericht Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich fest: Insgesamt leisten rund 44 % der österreichischen Bevölkerung über 15 Jahre Freiwilligenarbeit, was einer wöchentlichen Arbeitszeit von 416.223 Erwerbstätigen entspricht. 17,1 % der ehrenamtlich Engagierten arbeiten im Kulturbereich, 7,5 % im Sozial- und Gesundheitsbereich und 5,8 % im Bildungsbereich. » 109,5 Millionen Euro müsste die Republik Österreich im Budget vorsehen, würde sie jede Stunde, die Freiwillige in Österreich leisten, mit 20 Euro entlohnen – pro Woche, wohlgemerkt.« Das stellen Elisabeth Prammer und Harald Fercher in einem …

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Über Geld reden

Patricia Köstring über Grundlagen der Kampagne »Fair Pay für Kulturarbeit« Darf in Zeiten des großen Sparens über »Mehr Kohle« geredet werden?Eine Kampagne der Ländervertretung der IG Kultur Österreich stellt die Fragenach (leistungs)gerechter Bezahlung für Dienstnehmerinnen und Freiberuflicheinnerhalb der autonomen Kulturarbeit. Der Freiwilligenbericht des BMASK von 2009 versuchte sich auch an einer Definition von Arbeit im Unterschied zu Tätigkeit und Engagement: Tätigkeit sei der neutralste Begriff, bei Engagement stehe die »interne Motivation« im Vordergrund, Arbeit betone den »produktiven Charakter« des Getanen, zu Tuenden. »Kultur muss sich lohnen« ist die Kampagne »Fair Pay für Kulturarbeit« untertitelt, mit der die Ländervertretung der IG …

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Ohne Alkohol durch die Kulturarbeit—geht das denn?

Bogdan Baric zum unberechenbaren Schauspiel mit Alkohol. Das alles macht natürlich Sinn, erscheint paradoxerweise aber oft sinnfrei, hat jedoch mehrere Seiten, zumindest deren zwo. Rund um den Globus sind Menschen dem Alkohol zugetan. Eine Substanz, mit der sich zwar schon ganze Völker demoralisiert haben, aber das ist sozial. Alkohol hat eine latente, wie expressionistische Funktion als Totem-Getränk: Erst durch den Genuss entsteht Zugehörigkeit zu einer Gruppe – aber man kann dabei stolpern. Die Bohème verstand die grüne Fee Absinth als Inbegriff eines anti-bürgerlichen Lebensstils. Charles Bukowski und Dorothy Parker. Versoffene Dichterinnen und Klischees über exaltierte Künstlerinnen. Vielen Berufsgruppen lastet man …

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Das politische Rad

Klemens Pilsl und Christian Diabl haben zwei Menschen aus dem Organisationsteam des Cyclocamp, Zwili und Max, zum Gesprächgebeten. Ende Juli treffen fahrradbewegte Aktivistinnen aus ganz Europa in der schönen Donaugemeinde Ottensheim zum Cyclocamp 2011 zusammen, um sich über ihre gemeinsame politische und kulturelle Arbeit auszutauschen. In Workshops, Diskussionen und Partys wollen sich die Protagonistinnen verschiedener Bike Cultures kennen lernen und vernetzen.  Das Rahmenprogramm wird dabei nicht vorgegeben, sondern in guter, alter DIYManier von allen Teilnehmerinnen eigenverantwortlich und kollektiv entwickelt und umgesetzt. KUPF: Was sind eigentlich Bike Cultures? Max: Darunter versteht man die verschiedensten Initiativen, die sich um das Zentralthema Fahrradfahren …

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freenode.net #tik #tak #tok

… oder wie wir die Zeit neu erfanden. An der Schnittstelle zwischen Kunst-Wissenschaft und Aktivismus. Barbara Huber fasst Textbausteine eines spannenden Projekts zusammen.  T I K – Time Inventors‘ Kabinet ist der Titel eines laufenden Projektes an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Aktivismus, das von OKNO (Brüssel) initiiert wurde und von COL-ME (Bratislava) und ESC (Graz) als Partnerorganisationen mitgetragen wird. Es forciert die Auseinandersetzung mit und Interesse an Ökologie sowie Medienkunst und bildet ein kollektives Experiment. Idee des Projektes war von Anfang an, Zeit von ökologischen Faktoren messen zu lassen. TIK wird von European Culture 2007-2013 gefördert. Folgender Artikel …

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Kunst und Kulturhaus Vöcklabruck, was gibt es zu sagen…

 Es gibt Neues an der Front nimmt Nicole Honeck zum Anlass, wieder mal aus der Region zu berichten. Es gibt schon lange Bestrebungen, der Kultur ein Haus zu erkämpfen, in und um Vöcklabruck. Nicht wenige Kultur-initiativen haben mit sehr erstrebenswertem Programm bewiesen, dass es eine Nachfrage gibt, es sind Einzelpersonen, die sich für Kultur einsetzen und diese ebenso genießen, genauso engagiert wie künstlerische, kulturarbeitende Kollektive, die die Entwicklungen begleiteten, unterstützten und formten. 2008 gründete sich der Verein Kunst und Kulturhaus Vöcklabruck und wagte somit einen ersten Schritt der Manifestierung; zahlreiche Ehrenamtsstunden und immer mehr hinzukommende Mitglieder erzielten ein Adaptierungskonzept für …

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Föderalismus kann gar nichts.

 Gnackwatsch’n abholen, aber rasch! Du, lieber Föderalismus, gehst mir so wasvon auf den Wecker. Ich kann es nichtmehr hören. Ich halte Dich und Deine Landesfürsteninnen nicht mehr aus. Dieseprovinzielle »Mia san mia« – Haltung, dieuns aufgeklärten Städterninnen regelmäßigins Gesicht bläst. Ich will nichtmehr für Dich zahlen. Du bist teuer undunnötig. Mit Dir wird Stadt gegen Land,Land gegen Bund und Bund gegen EUausgespielt. Ein lächerlicher Reflex inunserer vom Dauerwahlkampf geprägten»Demokratie«. Du bist ein Relikt, einÜberbleibsel aus der Monarchie. Ich willmir nicht mehr anhören müssen, wieDeine Leute so tun, als ob sie mit demBund nichts zu tun hätten. Du tust Dirleicht, darfst …

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Die Gegen-Grammatik ergreifen

  »Keine Sorge – Wir sichern eure Unsicherheit« Marty Huber über ein Projekt von maiz, Klub Zwei und Asylwerberinnen Wer dieser Tage die Diskussionen um Integrationsbeweisfähigkeit analysiert, begreift schnell, dass eine (bestimmte) Sprache eine besondere Rolle spielen muss. Die Fähigkeit, sich der deutschen Sprache zu bemächtigen, wird einerseits zum einzig wichtigen Kriterium der Integrationsbeweisführung, andererseits darf diese Selbstaneignung nicht zu weit gehen. Dann wird die Mündigkeit schon mal gerne kleingeredet, verschwiegen, weggesperrt und zugeklebt. Die Dekonstruktion des Fremdenrechts-, Ausländer-, Integrations-, Interkulturdiskurses ist aber nicht – wie maiz seit Jahren beweist – eine Übung, die nur dem Selbstzweck dient, entwickeln sie …

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Dionysien in der Tabakfabrik

Den neuen KUPF Mitgliedsverein Musentempel stellt Tanja Brandmayr vor. Der neue KUPF-Mitgliedsverein Musentempel bespielt im Juli neun Tage lang die Tabakfabrik – mit der hauseigenen Mischung von Antike bis Trash, mit Künstlerinnen aller Sparten und Kulturpolitik im Hintergrund. Gestartet hat der Kulturverein Musentempel sozusagen spielend: Als im November 2008 zum Eröffnungsfest im Apothekerhaus am Hofberg geladen wurde, waren die Initiatorinnen Judith Richter und Lisa Fuchs neugierig auf die Stadt und ihre Leute. Unter dem Generalmotto »Künstler [sic!] aller Sparten vereinigt euch« waren die Musensöhne und –Töchter der Stadt aufgerufen, die Salons mit ihren Talenten zu bereichern. Es ging anfangs zwar …

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„…’s is noch immer derselbe!“

 Wir wissen: Andi Wahl liebt Heinz Conrads und die KUPF  Heinz Conrads, der große österreichische Schauspieler, Unterhalter, Conferencier und Wienerliedinterpret hatte ein Lied im Repertoire, das ich schon als Kind gerne hörte. Es handelt von einem Maurer, der den ganzen Tag versucht, einen einzigen Ziegelstein über eine Leiter zu tragen und es nicht schafft . Zuerst kommt ihm die Pause dazwischen, dann das Mittagessen, danach muss er auf ’s Klo und als er es fast geschafft hat (nur noch zwei Leitersprossen trennen ihn vom Ziel) ist Feierabend und er lässt den Stein fallen. Conrads verstand es dieses Sisyphos-Th ema ganz …

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Kurz vor Redaktionsschluss hat sich die KUPF zum »Fall Sakog« informiert.

  Es hätte Alles so schön sein können, aber niemand hat gesagt, dass es leicht würde. Die Freiheit einen Kulturverein zu leiten, ist mit relativ umfangreichen, verbindlichen und kostenintensiven Auflagen und Verantwortlichkeiten verbunden.   Das Kulturwerk Sakog sagt: 10 Jahre Schweiß, Blut, Tränen und andere Körperflüssigkeiten. Die Behörde sagt: Auflagen. Sakog, nun eine GmbH, ist aus dem mittlerweile gelöschten St. Pantaleoner Verein meta.morfx hervorgegangen und sieht sich »als rechtlicher, infrastruktureller, sowie finanzieller Überbau für die Ideen und Projekte seiner Mitglieder«, so steht es auf der Webseite. Am 20. Mai 2011 kam es zur überraschenden Wende, als Beamtinnen der BH Braunau …

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Ein Prozess als Strafe

„§278a. Gemeint sind wir alle!“ Über den Prozess gegen die Tierbefreiungsbewegung und seine Hintergründe. Christian Diabl. Die Erleichterung war groß, als alle angeklagten Tierschützerinnen freigesprochen wurden. Der spektakuläre Mafia-Prozess hat aber eines deutlich gezeigt. Politischer Aktivismus kann in Österreich existenzgefährdend sein. Eine Verurteilung ist dafür gar nicht notwendig, denn Ermittlungen, U-Haft und Gerichtsverhandlung können in diesem Fall nur als schwere Strafe bezeichnet werden. Die Optik ist fatal, denn es drängt sich der Verdacht auf, dass ein mächtiger Industriezweig nach persönlicher Intervention die Staatsgewalt dazu gebracht hat, lästige Kritikerinnen mundtot zu machen. Bezahlt wurde die Repression von uns allen. Eine millionenteure …

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Eine Geschichte mit Langzeitwirkung

„Rosa gegen den Dreck der Welt“ Der Debutroman der Wiener Poetryslammerin Nadja Bucher sollte laut Michi Schoissengeier auf jedem Nachkästchen liegen. Ja, mit Rosa ist das so eine eigene Sache, ihr Wissen in umwelttechnischen Fragen ist mehr als beeindruckend, ihre Art und Weise in fremden und doch schon so vertrauen Haushalten zu putzen wirkt zum einen übergriffig und zum anderen so gewissenhaft und genau, dass der Wechsel zwischen »So eine Putzkraft such ich schon lange.« bis hin »Nur über meine Leiche!« laufend den Lesefluss begleitet. Vielleicht ist es einmal gut, nicht gleich mit »dem Putzlappen in die Wohnung zu fallen« …

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