“…’s is noch immer derselbe!”

 Wir wissen: Andi Wahl liebt Heinz Conrads und die KUPF

 Heinz Conrads, der große österreichische Schauspieler, Unterhalter, Conferencier und Wienerliedinterpret hatte ein Lied im Repertoire, das ich schon als Kind gerne hörte. Es handelt von einem Maurer, der den ganzen Tag versucht, einen einzigen Ziegelstein über eine Leiter zu tragen und es nicht schafft .

Zuerst kommt ihm die Pause dazwischen, dann das Mittagessen, danach muss er auf ‘s Klo und als er es fast geschafft hat (nur noch zwei Leitersprossen trennen ihn vom Ziel) ist Feierabend und er lässt den Stein fallen. Conrads verstand es dieses Sisyphos-Th ema ganz vergnüglich vorzutragen, und ich habe als kleiner Bub immer mein Ohr an den Radiolautsprecher gepresst, um jedes Wörtchen dieses Couplets1 aufzufangen.

 Als Heinz Conrads 1986 das Zeitliche segnete, gründete sich dieKUPF als Zusammenschluss unabhängiger Kulturinitiativen, um deren Interessen vor allem gegenüber Landespolitik und -verwaltung effi zienter vertreten zu können. Einer der Gründungsväter war Kurt Mitterndorfer, dessen Initiative »Linzer Frühling « ebenfalls 1986 entstand. Mit ihm saß ich kürzlich vor der Stadtwerkstatt in Urfahr und es wehte ein saukalter Wind, obwohl wir den 6. Mai schrieben. Mit uns am Tisch Andreas Kepplinger vom Medien- und Kulturverein »junQ.at« der das Onlinemagazin »Subtext« betreibt, die Jugendzeitung »Frischluft « heraus gibt und unter der Bezeichnung »Qlash« in den letzten Jahren eine beachtliche Veranstaltungstätigkeit entwickelte. Ich hatte die Beiden an diesen zugigen Ort geholt, weil mich ein direkter Vergleich eines »alten« mit einem sehr »jungen« KUPF-Mitgliedsverein interessierte (junQ.at gründete sich 2008 und trat 2010 der KUPF bei). Was hat sich da verändert, wollte

ich wissen und was trieb die Menschen damals an und was treibt sie heute an. Kurt hatte sich in Linz schon vor der Gründung des »Linzer Frühlings« einen Namen gemacht. So war er von 1979 bis 1983 Teil des Politpunkrockkabaretts »Flying Penis Brothers« und als solcher auch Teil jener Rockbewegung, die in den frühen 1980ern ein Rockhaus für Linz forderte. Dass daraus der Posthof wurde, hat damals die gesamte Szene vergrault. Für Kurt wurde in dieser Auseinandersetzung auch klar, dass er sich niemals auf Parteipolitik einlassen würde. Zu unfair, zu machtpolitisch hat die städtische Politik damals agiert. Obwohl das Klima in Linz nicht so konservativ war wie in den ländlichen Regionen, war doch klar, dass die Stadt nicht gewillt war, zeitkulturellen Gruppen Raum und Finanzmittel zur Verfügung zu stellen ohne sie am Gängelband zu halten und jederzeit die Oberaufsicht zu behalten. Bedingungen, die der Großteil der damaligen Kunst- und Kulturszene nicht mehr bereit war zu akzeptieren. Die Gründungsgeschichte von junQ weist, mehr als 20 Jahre später, hier eine beachtliche Parallele auf. Dieser Verein wurde 2008 nämlich von Dissidenten des Jugendmagazins

»Jump«, einer Publikation der Sozialistischen Jugend Linz, gegründet. Auch sie waren es leid, ständig von der SPÖ am Gängelband geführt zu werden. Sie wollen, was jede Schreibende (ob journalistisch oder literarisch) fordern muss: Unabhängigkeit von der Herausgeberin. Da dies mit der Herausgeberin »Sozialistische Jugend Linz« nicht möglich war, musste man eben selbst ein Medium gründen. So kam es zum Onlinemagazin, das Anfangs auch den Namen »junq.at« trug. Die Namensähnlichkeit zum SJ-Magazin war beabsichtigt und schmerzt die Sozialdemokratinnen in Stadt und Land scheinbar immer noch. Zumindest werden den Betreiberinnen von »junQ.at« von dieser Seite immer wieder Steine in den Weg geworfen. Neben dieser Parallele gibt es noch weitere Ähnlichkeiten zwischen »Linzer Frühling« und »junQ.at«. Beide Vereinigungen sind auf einen hohen Grad an ehrenamtlicher Tätigkeit angewiesen, ohne die die gesteckten

Ziele nicht erreichbar wären. Auch sind beide männlich dominiert. Im Umgang mit diesem Umstand gibt es aber wohl einen Unterschied. Die Kolleginnen von »junQ.at« haben sich mit diesem Problem an die Frauenvernetzungsstelle »FIFTITU%« gewandt und sich dahingehend beraten lassen, wie man mehr Frauenpower in die Organisation bekommt. Und noch ein Unterschied schält sich bei diesem Gespräch immer mehr heraus: Die Betreiberinnen von »junQ.at« weisen ein bedeutend höheres Rechtsbewusstsein auf als Kolleginnen älterer Kulturinitiativen. So existierte der »Linzer Frühling« 25 Jahre lang als loser Zusammenschluss von Menschen. Ein Verein gründete sich erst vor kurzem. Hätte es gekracht, so Kurt Mitterndorfer, dann hätte er es einfach auf die eigene Kappe genommen. Ein Grundvertrauen, mit dem die Leute von »junQ.at« nicht aufwarten können. Hier wurde gleich zu Beginn die Frage nach etwaigen Haft ungen gestellt und geklärt. Wohl eine Frage des Sozialisierung. Kurt Mitterndorfer hat als Kind des Wirtschaft swunders die Erfahrung gemacht, dass es stetig aufwärts geht und die soziale Absicherung zunimmt. Damit lässt es sich natürlich leichter »wilder Hund« sein als als Angehörige der »Generation Prekariat« die sich ihren Lebensunterhalt immer wieder aus verschiedenen Quellen zusammenstoppeln muss. Damit hängt vielleicht auch noch ein anderer Unterschied zwischen diesen Kulturinitiativen zusammen, der sich verallgemeinern lässt. Während Kurt die Erfahrung gemacht hat, dass in den Anfängen der Freien Szene in Linz und Oberösterreich es nicht immer von Vorteil war, wenn Behörden oder Arbeitgeberin von der Mitgliedschaft in einer einschlägigen Kulturvereinigung Wind bekamen, berichtet Andreas von »junQ.at«, dass es für manche durchaus eine Motivation ist, das Engagement bei einem Onlinemagazin in den Lebenslauf aufnehmen zu können. Ich hätte die Sache natürlich noch weiter treiben können, um nach noch tiefer liegenden Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen einem »alten« und einem »jungen« KUPF-Mitgliedsverein schürfen zu können. Aber erstens wollte ich aus diesem kalten Windloch heraus, bevor mir noch der Arsch abfriert, und zweitens hatte ich mir bereits eine erste These zusammengereimt: Die Unterschiede dieser beiden Vereine erscheinen mir marginal und mehr den Veränderungen der gesellschaftlichen Umstände geschuldet, in denen Kulturarbeit stattfindet als einer Änderung der Motivationslagen der handelnden Personen. Denn sie haben eine große Gemeinsamkeit. Beide Zusammenschlüsse fanden statt, um Gängelung und Fremdbestimmung zu entgehen. Einmal waren es die Erfahrungen im Kampf um ein Linzer Rockhaus, und einmal die Lehren, die bei einem parteiabhängigen Jugendmagazin gemacht wurden, die die Leute dazu trieben, sich selbst zu organisieren und ihre Sache ganz in die eigenen Hand zu nehmen. Womit wir wieder am Anfang angelangt wären. Nämlich bei Heinz Conrads und seinem Lied über den Maurer, der einen Ziegelstein über die Leiter transportieren sollte. In diesem Lied heißt es immer dann, wenn dieser Maurer den Stein ein weiteres Mal in die Hand nimmt um es nochmals zu versuchen: »…’s is noch immer deselbe!« Und wie bei diesem Ziegelstein geht es in der autonomen Kulturarbeit noch immer um dasselbe. Um autonome Kulturarbeit!

 1 Ursprünglich stammt es von Otto Reuter (1870- 1931) aus Berlin und trug den Titel „Der gewissenhafte Maurer“.

Andi Wahl ist Bau- und Kulturarbeiter und Geschäftsführer des Freie Linzer Stadtradios »Radio FRO 105.0 Mhz«.