Parallax Error #139

Vina Yun über die lange Liste der „Selber-Schluld-Mythen“. Während ich für diesen Kolumnentext in die Tasten haue, finden vielerorts die sogenannten SlutWalks, statt. Der erste dieser „Schlampenmärsche“ wurde im April in Toronto initiiert – nachdem ein Vertreter der kanadischen Polizei Studentinnen in einem öffentlichen Vortrag empfahl, sich „nicht wie Schlampen anzuziehen, um nicht Opfer sexueller Gewalt zu werden“. Für die wohlbekannte Strategie, die Betroffenen selbst für die Übergriffe verantwortlich zu machen, gibt es im Englischen eine eigene Bezeichnung: „Victim Blaming“. Ganz oben auf der Liste der „Selber Schuld“-Mythen: „Aufreizende“ Kleidung. In dezidiert „provokanter“ Aufmachung erscheinen auch viele Demonstrantinnen zu den …

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Was zu feiern? Ein paar Gedanken zu Anlässen für Jubiläen!

Stefan Haslinger findet Empörung gut – und Handeln noch besser.  Mit Jubiläen ist das so eine Sache. Sie stellen a) einen Grund zum Feiern, b) eine Verpflichtung zum Feiern und c) einen Anlass dar, sich selbst ein wenig eingehender zu betrachten. Bei letzterem kommt es oft zu einer selbstkritischen Reflexionsphase, die in Selbstzerfleischung ausartet und die Jubilarin „zerlegt“ zurücklässt. Die einfachste Form dieser Gefahr zu entgehen wäre ein konsequentes Negieren von Jubiläen aller Art. Doch die Verpflichtung zu feiern, die Erwartungshaltung gegenüber der Jubilarin obsiegt über das – doch auch irgendwie gekünstelt wirkende – Verweigern. Sie merken schon worauf das …

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Die üblichen Verdächtigen! …oder: Die Ergebnisse des „Ersten Linzer Frauenberichtes“.

„Heimat bist du großer…“ Auch auf die Gefahr hin, mit der Erwähnung der leidigen Bundeshymnen- Diskussion zu langweilen, sie ist mir beim Lesen des Ersten Linzer Frauenberichtes nicht aus dem Kopf gegangen. Es ist halt so eine Sache mit den Töchtern und Söhnen …   Frauenstadträtin Eva Schobesberger fasst es in der Einleitung zum Ersten Linzer Frauenberichtes ja schon ganz gut zusammen: „Frauen verdienen rund ein Drittel weniger als Männer. 41 % der erwerbstätigen Linzerinnen sind teilzeitbeschäftigt. Frauen sind grundsätzlich in atypischen Beschäftigungen überrepräsentiert, die eine eigenständige Existenzsicherung nicht ermöglichen.“ Harte Ansagen für alle Betroffenen, die allerdings auch keine große …

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Besser als nichts – das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien

Österreich und die katholische Kirche verbindet eine lange gemeinsame Geschichte unter den streng katholischen Habsburgern. Dieses Erbe prägt uns noch heute. Dollfuß schloss einen weitreichenden Vertrag mit dem Vatikan ab, in dem Rechte und Privilegien der Kirche festgelegt wurden und der bis heute gültig ist. An diesem Konkordat kratzt nun eine Initiative, die mittels Volksbegehren die Privilegien der Kirche zu Fall bringen will. Eine gute Idee, aber leider ist die Umsetzung nur mangelhaft gelungen. Die Kirche hat eine starke Sonderstellung in Österreich. Der Staat kommt weitgehend für die Erhaltung katholischer Privatschulen, Kindergärten und theologischer Fakultäten auf. Er bezahlt Religionslehrerinnen und …

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Kulturhauptstadt Anderswo

Wenn man von Finnland kommend in Tallinn die Fähre verlässt, fallen einem vor allem die bis zur Entmenschung besoffenen skandinavischen Touris auf: Prohibition schult eben nicht gerade die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Intoxikation, wie’s scheint. Andererseits sind auch die Baltinnen dem Rauschigen nicht abgeneigt, wie wir noch feststellen werden. Klemens Pilsl besucht die aktuelle Europäische Kulturhauptstadt Tallinn2011 in Estland. Der Hafen liegt fast direkt an der historischen Altstadt, die auch das Zentrum der kulturhauptstädtischen Aktivitäten darstellt. Und es ist nur ein halber Zufall: Schon wenige Stunden nach unserer Ankunft laufen wir Oberösterreichern über den Weg. Zwei Freunde haben die Hörstadt nach …

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Schubladenwände einreißen!

Die KUPF ist am Aushecken eines interkulturellen Themenschwerpunkts. Nicole Honeck und Richard Schachinger geben einenkleinen Vorabbericht. Nachdem Andi Wahl in der Kleingartensiedlung mit „jungen, klugen und gebildeten Menschen“ über Fremdenhass und Rassismus geplaudert hatte, war er nach eigenen Angaben ein bisschen enttäuscht. Nicht nur wegen deren fehlenden Tiefgang, sondern weil sie „ihre ganze Kraft und Leidenschaft in Begriffsdefinitionen und Auf-der-Höhe-des-Diskurses-Sein investieren. Als ob es um akademische Probleme ohne reale Relevanz ginge“. Dieser kurze Schwenk aus den „Kulturrissen (2011/2)“ soll einleitend auch als Erinnerung für die KUPF dienen, die gerade am Aushecken eines interkulturellen Themenschwerpunkts für die nächsten Monate ist. Engagement …

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He, Alter!

23° weiß, dass alles gut wird. Damals, im vorletzten Jahrhundert des letzten Jahrtausends hat sich etwas verändert. Die phlegmatische Österreicherin entwickelte ein Gefühl für Sport. Und es fügte sich, dass die Versehrten und Kropfigen weniger wurden. Heimlich, still und leise. Die Wissenschaft, Erzengel des Fortschritts, hatte ihre Hände im Spiel. Früher waren Vatermörder und Mieder würdevoll und jugendlicher Übermut ungehörig. Die Welt von Gestern liebte die Jugend nicht. Die Jugend, das bedenkliche Element, war in ihrer Frische, Verwegenheit, Neugierde und Lebenslust verdächtig. Verblüffend: Heute tun 60-jährige alles, um wie 40-jährige auszusehen. Mein Großvater prophezeite mir einmal: „Morgen bist du Großmutter.“ …

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Die Neue Lightkultur

Der KAPU geht es nicht anders als den meisten Vereinen und Initiativen der Freien Szene. Sie leidet unter chronischer Unterfinanzierung. Deshalb hat sich die Betriebsgruppe nun entschlossen, das legendäre KAPUzine vorerst auszusetzen und mit einer Kampagne auf die finanzielle Situation der Szene aufmerksam zu machen. Die KUPF bat Philipp „Flip“ Kroll von der KAPU Linz zum kurzen Gespräch. KUPF: Das KAPUzine wird erstmals in seinem 20jährigen Bestehen im Herbst ausgesetzt. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen? Flip: Die Subventionen der KAPU sind seit etwa 10 Jahren konstant. Was einerseits schön ist, aber auch einen Realverlust von etwa 3–5% …

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Wäre ich ein „echter“ Straftäter…

Im Frühjahr kam es zur Verhaftung von Christoph Auer, Kulturarbeiter im „Kulturwerk Sakog“. Er nimmt Stellung zur Causa. Kommentar von Christoph Auer: „Die Behauptungen seitens der Behörde sind zum Teil irreführend, zum Teil gänzlich falsch und leider zum Teil auch verleumderisch mit dem Ziel, den durchgeführten Polizeieinsatz zu rechtfertigen und meinen Ruf zu schädigen. Ich möchte darauf hinweisen, dass alle diese Strafen aus meiner Zeit als Obmann von meta.morfx stammen.“ KUPF: Welches Rechtsmittel hat deine vorzeitige Haftentlassung ermöglicht? Auer: Den Umstand verdanke ich der Tatsache, dass ich gesetzlich nicht länger festgehalten werden durfte, nach 42 Tagen ununterbrochener Ersatzfreiheitsstrafe muss für …

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Gnackwatsch’n #139

Bekenntnismonolog (Stück für einen Mann, oberösterreichisches Idiom, Schnauzbart) „Man muss, und das sage ich nur im Schutze der mir zugesicherten Anonymität und des versprochenen freien Geleits, ja auch einmal was sagen dürfen. Da hat der Sarrazin schon recht, nur in der Sache irrt er halt. Weil: Man traut sich ja in dieser Angelegenheit kaum noch den Mund aufmachen. Da wird man sofort als was-weiß-ich-denn-alles hingestellt, als Dings und als Verbrecher. Dabei sage ich ja nur, was sich die schweigende Mehrheit, da bin ich mir sicher, ohnehin denkt. Aber sagen traut sich’s halt keiner. Wegen dem ganzen PC-Terror und dem Gewinsel …

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Wir sind das gewohnt!

Ein Gespräch mit dem Verein Ketani zur Situation von Roma und Sinti und über das Leben als Feindbild. Aus einem 12m² Büro heraus arbeitet Ketani daran, die Rechte von Roma und Sinti zu vertreten, den Zugang zu Bildung und Arbeit zu ermöglichen und eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Roma und Sinti zu ermöglichen. Das bedeutet eine unglaubliche Kraftanstrengung. Doch im Gespräch mit Rosa Martl und Nicole Sevik kommt selten Resignation auf. Sie sind bereit, den Kampf weiterzuführen, auch wenn es – zur Zeit – eine Politik der kleinen Schritte ist. Immerhin! Die Europäische Union hat 2011 EUweite Ziele …

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Kulturpessimismus für Fortgeschrittene

Der 25. Geburtstag der KUPF ist eine schöne Sache. Aber zwischen Schulterklopfen, Longdrinks und Zufriedenheit nimmt sich die KUPF auch etwas Zeit zur Reflexion. Klemens Pilsl hat zu diesem Zwecke den KUPF-Vorstand, Kulturund Medienaktivisten Richard Schachinger zum Gespräch gebeten: It’s a dirty job but someone’s got to do it. KUPF: 25 Jahre KUPF – eine Erfolgsgeschichte? Richard Schachinger: Ja. Gerade die ersten Jahre lassen sich als Erfolgsstory bezeichnen, große Brocken an Rahmenbedingen für die KIs (Kulturinitiativen) und die freie Kulturarbeit wurden erreicht. Um 1990 wurden die Subventionskriterien der KUPF weitestgehend vom Land OÖ im Zeitkulturbereich übernommen. Anders schaut es aber …

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100:4 Jahre KUPF Es ist schon alles gesagt – nur nicht von allen.

Wir feiern ein Vierteljahrhundert KUPF – Kulturplattform OÖ, das gibt auch mir die Gelegenheit, ein Loblied auf die Innovationskraft, das Durchhaltevermögen und die Unbestechlichkeit der Organisation und ihrer Protagonistinnen anzustimmen. Also reihe ich mich ein, in die Schar der Gratulantinnen.  Es gilt hier eine Institution zu preisen, deren Streben eigentlich in ihrer Auflösung gipfelt. Wenn alle Forderungen umgesetzt sind, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerechte Teilhabe für alle ermöglichen, wird ihre Aufgabe erfüllt sein. Dafür, dass dieser Zeitpunkt nie eintritt, sorgen nicht nur die Anderen, sondern auch die KUPF – Kulturplattform OÖ selbst. Immer steckt sie sich neue Ziele, immer muss …

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Die 25 Jahre KUPF Party am 30. September: Ein Appetithäppchen vorneweg.

Eine Spitzenparty, weil DU da bist! Für das gelungene Stelldichein: Das Fest startet am 30. September, um 19 Uhr im OK Mediendeck in Linz. Gefeiert wird das Jubiläum des werten Dachverbandes und damit seine allseits bekannte kulturaktive „Tradition seit 1986“. Als Feiervolk angesprochen sind Akteurinnen wie Ehemalige aus den 127 oberösterreichischen Mitgliedsvereinen – die wiederum höchstselbst im Mittelpunkt des Geschehens stehen, ganz gemäß dem Motto „Wir sind die KUPF“: Und wir wollen an diesem Abend die ernsthafte Kulturpolitik beiseitelassen und laden ein, sich an diesem Abend umzusehen, wer „wir“ eigentlich alle sind. Und auch wenn Sinn und Zweck, Thema und …

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Die Kunst der Überraschung

DJ Marcelle über den Drang, dem Publikum stets voraus zu sein Wie oft fragen mich Veranstalterinnen, Journalistinnen und Musik-Interessierte, welche Art von Musik ich denn spiele? Obwohl mir diese Frage so häufig gestellt wird, bin ich jedes Mal aufs Neue irritiert, wenn ich sie höre. Warum muss es eine Art von Musik sein, am liebsten nur eine Richtung? Die Essenz meines DJ-Stils ist: Freiheit und der Drang, dem Publikum stets voraus zu sein. Das Publikum ist meistens definitionsgemäß konservativ, es möchte hören, was es bereits kennt und mag keine Überraschungen, selbst in „progressiven“ Musikszenen. Ich mag es, die Dinge in …

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Eine großartige Frau

Ein Nachruf auf Ulrike Stieger von Andi Wahl. Am 5. Juni 2011 ist Ulrike Stieger an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Ich bin immer noch nicht fertig damit, das zu begreifen. Dabei geht es mir wie vielen von Ulrikes Freundinnen. Es gibt Momente, in denen ich mir die Tatsache bewusst vorsagen muss, um sie in meinen Kopf zu bekommen. Ulrike ist tot. In diesen schmerzlichen Momenten, die ich jetzt nicht ausführe werde, weil sie in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben, in diesen schmerzlichen Momenten also, steigen Erinnerungen an Ulrike auf. Erlebnisse, Momente, Details. An Ulrikes Daumen etwa. Ulrike hatte …

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Luftzug

Anna Weidenholzers Literaturkolumne