Parallax Error #137

Vina Yun weiss, was es auf sich hat, wenn Ausstellungen an einem Tag im Jahr mit „Cunt“- statt mit „Cock“tails eröffnet werden.   Die Vorzeichen sind nicht zu übersehen: Binnen kürzester Zeit schnellt die Zahl der Polit- und Kulturveranstaltungen mit dem Zusatz „Gender-“ oder „Frauen-“ im Titel in die Höhe und es reiht sich ein „Special“ nach dem anderen – vom Diskussionspanel über die „Gender-Schere im Musikbereich“ bis hin zur „Frauenfilmwoche“. Ein großes Kunsthaus in Wien, das sich ansonsten nicht unbedingt mit gesellschaftspolitischen Anliegen hervortut, lässt seine Abendbeleuchtung in Lila („die traditionelle Farbe für frauenpolitische Anliegen“, so die Presseaussendung) erstrahlen. …

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Frauentag, wie lange denn noch?

Fragt Daniela Fürst   Am 19. März 1911 begingen politisch gleich gesinnte Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz erstmals den Frauentag um, nach Vorbild der sozialistischen Amerikanerinnen, auf ihre Forderungen nach Gleichstellung lautstark aufmerksam zu machen. 2011, 100 Jahre später, begehen wir den Frauentag immer noch. Eine 100-jährige Geschichte, die letzten Endes doch nur eine ständige Wiederholung ist? Man könnte am 100. Geburtstag des Frauentages schon fast von einer Tradition sprechen. Aber mit den Traditionen ist es so eine Sache. Werden sie doch meistens unreflektiert weitergeführt, obwohl ihre Sinnstiftung über die Jahre obsolet geworden ist. Was den Frauentag …

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Die Geschichte der Freiwilligenarbeit ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Geprägt ist die Debatte hauptsächlich von ideologisch- politischen Vorstellungen, wie den vielen Freiwilligen geholfen werden kann. Dies aber meist ohne großen Reflexionsprozess. Im europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit wird das Hohelied der Freiwilligenarbeit gesungen. Misstöne in diesem Lied sind nicht erwünscht. Gerade dieses Schwerpunktjahr würde aber die Möglichkeit bieten, etwas unaufgeregter und reflektierter an das Thema heranzugehen. Denn nicht alles ist schön und gut. Das Paradigma der wirtschaftlichen Rentabilität kommt auch auf die Freiwilligenarbeit zu. Das Auslagern von sozialstaatlichen Aufgaben an das Feld der Freiwilligenarbeit ist ein Faktum. Die soziale Absicherung von freiwillig Tätigen ist (mit Ausnahmen im Katastrophen- / Schutzbereich) …

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Freiwilliges Engagement in Österreich

Ein Überblick von Eva More-Hollerweger   Im aktuellen „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ wird der Freiwilligenarbeit wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. In Österreich engagieren sich 43,8% der Bevölkerung ab 15 Jahren freiwillig. Sie betätigen sich entweder eingebunden in eine Organisation (38,0%), was im Folgenden als formelle Freiwilligenarbeit bezeichnet wird, oder auf privater Basis (36,2%) z.B. in Form von Nachbarschaftshilfe, nachfolgend als informelle Freiwilligenarbeit bezeichnet. 25,8% der Freiwilligen engagieren sich sowohl in der einen als auch in der anderen Form. Freiwilligenarbeit wird in verschiedensten gesellschaftlichen Tätigkeitsbereichen erbracht. Im Bereich Kultur, Kunst und Freizeit engagieren sich die meisten Freiwilligen (516.500). Es folgen die Bereiche …

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Freiwillig, effizient, kostengünstig:

Über die Ökonomisierung des Ehrenamts schreibt Gabriele Michelitsch   Im Zuge neoliberaler Transformationsprozesse avancierte das Marktmodell zum zentralen gesellschaftlichen Organisations-, Regulations- und Entwicklungsmodus. Damit verbindet sich eine neue Aufgabenteilung zwischen Staat und Gesellschaft: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Steuerung werden auf Selbst-Management ausgerichtet, um ein auf „Eigenverantwortung“ fokussiertes Sozialmodell durchzusetzen. Dieses bildet den Bezugspunkt vor allem arbeitsmarktpolitischer Deregulierung und sozialpolitischer Leistungskürzungen. Gerade angesichts anhaltenden Sozialabbaus stellt Freiwilligenarbeit hierbei ein zunehmend unverzichtbares, mit öffentlichen Diensten meist eng verbundenes Element von Sozialpolitik dar. Vor diesem Hintergrund artikuliert sich verstärktes politisches wie wissenschaftliches Interesse an Freiwilligenarbeit. Schließlich ermöglicht mehr Wissen verbesserte Anleitung und Lenkung ehrenamtlicher …

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Armut ist bald in ganz Österreich verboten

von Christian Diabl Betteln ist eine unangenehme Sache. Vor allem für jene, die sich gezwungen sehen, diese Tätigkeit auszuüben. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von individuellen Schicksalsschlägen über Lücken im Sozialsystem bis hin zu strukturellen Folgen der kapitalistischen Marktwirtschaft. Manchmal ist es auch rassistische Diskriminierung, die Menschen zwingt, Grenzen zu überqueren und sich in wohlhabenderen Gefilden auf die Straße zu setzen. Viele bekannte Probleme also, für die es keine schnelle Lösung gibt. Österreich aber macht es sich einfach und will ein Phänomen verbieten, das so alt ist wie die Menschheit selbst. Die gewählte Strategie ist kurzsichtig, ineffizient und brutal. …

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Migration abseits deFekter Integration

Assimina Gouma über die beeindruckende Karriere des Integrationsbegriffs   Wien Aktionen zum Tag des Transnationalen Migrantinnenstreiks statt. Damit schließt ein Bündnis aus Migrantinnen und Aktivistinnen an die transnationale Mobilisierung an, die in den letzten Jahren in den USA, Frankreich, Italien und Griechenland stattgefunden hat. Inhalt der Proteste ist es auch, der Migration eine politische Stimme zu geben. Zeitgleich zu den Vorbereitungen für den 1. März hat der Ministerrat die Novellierung des Fremden- und Asylrechts abgesegnet. Unter dem Vorwand der „Integration“ haben die Regierungsparteien ein Regelwerk vorbereitet, das die Illegalisierung von Migrantinnen vorantreibt. Die politischen Anliegen der Aktivistinnen und der regierenden …

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Von der unerträglichen Schäbigkeit des Seins

Liebe ÖVP, Nachdem die letzte Gnackwatsch´n demütig an die Gnackwatsch´n selbst gegangen ist, wird es nun wieder Zeit, unsere Landespolitik ins Visier zu nehmen. Anlässe dafür gibt es ja genug, und dieses Mal habt Ihr das große Los gezogen. Niemand wird mir ernsthaft böse sein, dass ich die FPÖ heute vernachlässige. Von der sind wir schäbige Politik auf dem Rücken der Schwächsten ja ohnehin gewohnt. Mehrheitsfähig wird diese Schäbigkeit aber durch Eure Stimmen im Landtag. Ihr wart ja angeblich mal eine christlichsoziale Partei, allerdings können sich nur mehr ein paar Historiker an diese Zeit erinnern. Wäre Jesus nicht auferstanden, würde …

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Die Zukunftsgestalter

Niemand fragt, warum. Die Landesregierung der Steiermark, die sich seit ihrer Wiederwahl im Herbst 2010 zur „Reformpartnerschaft“ gemausert hat, macht das Sparen zur Ideologie. Auch ihr Argument „Wir haben in den letzten Jahren über unsere Verhältnisse gelebt“ löst keine Fragen aus, wie zum Beispiel jene nach dem „Wir“. – Der politische Sprachgebrauch beschwört ein solidarisches „Wir“, eine demokratische Herausforderung, der sich „alle“ stellen müssen. Von Anita Hofer. Was uns das Instrument der „Budgetsanierung“ verspricht, sind Innovation, Wachstum und Zukunft. Was es verhüllt, ist die Ausweitung des Verteilungskampfes, nicht nur zwischen den einzelnen politischen Ressorts, sondern zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Was …

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4takt Gemisch!

Tick, Trick und Track widmen sich der Zahlenmystik und begrüssen die neuen Mitgliedsvereine der KUPF!   Homosexuelle Tänzerinnen machen Papier im Tempel! Oder: Tempelmusen tanzen papierene Homosexuelle! Oder: Tanzendes Papier trifft auf Homosexuelle im Museumstempel! Oder: Was ganz anderes! Praktisch für dieses (doch etwas witzlose) Witzchen gestaltet es sich, dass die KUPF bei ihrem jährlichen Aufnahmespiel nur vier Vereine aufgenommen hat. Denn somit sind die Kombinationsmöglichkeiten für das Eingangswitzchen (das wirklich ziemlich witzlos ist) enden wollend. Biologische, astronomische Erklärungen standen schon als Einleitung für die Vorstellung der neuen Mitglieder. Heute wollen wir uns der Zahl(enmystik) die Zahl vier betreffend widmen …

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Müßiggang – die verlorene Tugend

Sara Sorglos weiss, das selbst Buddha bei einer 40Stunden Anstellung die Fassung verloren hätte.   Müßiggang wird oft verwechselt. Trägheit, Apathie, Orientierungslosigkeit, der schiere Hedonismus, depressive Verstimmtheit, popkulturelle Attitüden (Slacker) oder Passivität sind kein Müßiggang. Der Zustand, der vieles nicht ist, gleicht mehr einem sensiblen Aggregat, als dem breiten, langen Fluss des Vergessens. Im Müßiggang tun sich keine Begehrlichkeiten auf, kein Zank, kein Streit und kein Krieg. Müßiggang ist nahe am Spielen – Herumtuerei, -tollerei. Laa- a-a-angsames Gehen. Mit der Schildkröte an der Leine flanieren. Vom Tempo genommen bricht der gewohnte Blick. Dinge verschieben sich; schieben sich dazwischen. Man liest …

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Kultur Ohne Momentane Ansiedlung

Der Mitgliedsverein KomA aus Ottensheim auf der Suche nach Raum. Von Tanja Brandmayr   Der Ottensheimer Kulturverein KomA trägt den Wanderzirkus sowie sein Hauptproblem im Vereinsnamen: Der Umstand, ohne momentane, ohne eigene Ansiedlung zu sein, betrifft viele oberösterreichische Kulturinitiativen. Andreas Fuchshuber, Magdalena Stadlbauer und Wolfgang Heller vom KomA-Vorstand umreißen im Interview die Situation. Grundidee von KomA war im Gründungsjahr 2007 eine Plattform zu haben, „wo was passiert“. KomA war aber von Beginn an „auch ein bewusster Auftrag, einen Raum zu installieren“. Dementsprechend logische Konsequenz war, Raum für die kulturelle Tätigkeit zu suchen. Neben temporären Veranstaltungsorten vom Gasthof zur Post bis …

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IwaИ IwaИowiTscЊ uИd IwaИ NiКofiЯowiTscЊ

von Phillip Hautmann   Die Geschichte vom großen Krakeel zwischen IwaИ IwaИowiTscЊ und IwaИ NiКofiЯowiTscЊ heißt eine Erzählung des gewaltigen Charakterzeichners Gogol in seinem frühen Band Mirogod, eines fiktiven russischen Dorfes das, wie immer bei Gogol, stellvertretend für ganz Russland bzw. überhaupt das gesamte Menschheitsdorf gesehen werden kann. Darin wird in humorvoller Weise geschildert, wie sich zwei äußerlich honorige, innerlich aber etwas unbeholfene befreundete Bürger aus der besseren Gesellschaft aufgrund einer lächerlichen Geringfügigkeit und im Zuge einer sehr rasch folgenden Eskalationsspirale bis aufs Blut zerstreiten und dabei ganz Mirogod vor den Kopf stoßen. Ich denke immer wieder gerne an diese …

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Die KUPF Kulturplattform wird 25!

Mit Georg Ritter hat die KUPF ein Nicht-Mitglied nach einer Einschätzung der KUPF gefragt. Pamela Neuwirth führte das Interview.   Alles was Augen hat, ist auch mit blinden Flecken geschlagen. Mit Georg Ritter hat die KUPF ein Nicht-Mitglied nach einer Einschätzung zur KUPF gefragt. Es geht dabei nicht um Blumen und nicht um Watschen, sondern darum, unbefangen die Notwendigkeit und das Wirken der KUPF zu beschreiben. Pamela Neuwirth/ KUPF: Die KUPF wird 25! Georg Ritter, du bist Akteur und Beobachter der Freien Kulturszene. Welche Notwendigkeit und welchen Verlauf siehst du in 25 Jahren KUPF Kulturplattform OÖ? Georg Ritter: Die Existenz …

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Neue graue Zellen und Frischblut im KUPF-Vorstand!

Die KUPF freut sich über zwei neue Vorstandsmitglieder: Tanja Brandmayr und Nicole Honeck. Wer sie sind, was sie tun und was sie bewegen wollen. KUPF: Neu in der KUPF! Was tun wir jetzt? Tanja Brandmayr: Was zumindest ich jetzt tue – Einfinden in den laufenden Betrieb. Nicole Honeck: Ich habe das Gefühl Verantwortung übernommen zu haben, noch nicht im Großen, aber doch im Kleinen, Mitlesen, Mitdiskutieren, Agieren und Reagieren. Mein Wunsch, mich kulturpolitisch mehr zu engagieren, Netzwerke weiter zu weben und noch mehr über die Machenschaften von Linz zu erfahren, nimmt Formen an, die manchmal mehr als herausfordernd sind, denen …

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Zwischenzeitdichten

„Der Platz des Hundes“ Ein mehr als gelungenes Debüt von Anna Weidenholzer, findet Norbert Trawöger   Es gibt Möglichkeiten und es sind viele, steht im Klappentext von Anna Weidenholzers Debütbuch „Der Platz des Hundes“, das im Mitter-Verlag im Herbst 2010 erschienen ist. Augenscheinlich wird sogleich die feine Buchgestaltung, die eine Grundeigenschaft der Mitter-Bücher ist. Von raffiniert stiller Feinheit ist auch Weidenholzers Erstling. Acht nicht per se korrespondierende Erzählungen versammeln sich hier im großräumigen Gelände einer Kleinstadt. Nicht aber der gemeinsame Schauplatz ist das vordergründig Verbindende. Es gibt die Möglichkeit, die Wände des nicht offensichtlich Versteckten zu überschreiten. Nie laut, sanft, …

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Der Sommer als Joe Strummer kam. Oder. Punk ist universell.

Rainer Krispels Roman „Der Sommer als Joe Strummer kam“ hat Gabriele Kepplinger für Sie runtergeladen und gelesen. “Elvis hat mich zuerst gegrüßt.” Nicht Presley sondern Costello. Gustav, der Protagonist von Rainer Krispels Roman “Der Sommer als Joe Strummer kam”, lernt ihn und die Pogues 1985 beim Vienna Folk Festival kennen. Das Interesse gilt aber nicht nur der Musik, sondern auch der Bassistin Cait, in die Gustav “Absolut fucking unsterblich!” verliebt ist. Humorvoll, mit viel Ironie und einer guten Portion reflexiver Weisheit verdichtet der Erzähler die Geschichte von Gustav über vier Jahrzehnte. Familie, Lehrerinnen, Stellungskommission, Polizisten. Erste Texte, die erste Band, …

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