Ereignislose Tage

Eugenie Kain outet sich als Beratungstalent für NeoministerInnen.

 

Seit Wochen reihen sich die Tage ereignislos aneinander. Grau ist der Himmel über Linz. In Kirchschlag brechen Schneeglöckchen und Krokusse durch die Erde, aber Kirchschlag liegt jenseits der Wolkendecke. Jenseits aller Vernunft und Selbstachtung scheint der Sozialminister, der sich an diesem Tag öffentlich zurichten lässt, Haare und Bart werden geschoren, als hätte es nicht gereicht, dass sich er und seine GenossInnen bei den Regierungsverhandlungen vom Koalitionspartner das Weiße aus den Augen haben nehmen lassen.

Jetzt passt er ins Bild und ein Obdachlosenheim kommt zu Spenden. Und was kann die Gesundheitsministerin machen, um für zusätzliche Hospizstationen Geld aufzutreiben: Fett absaugen lassen vor laufenden Fernsehkameras? Und wie sieht der körperliche Einsatz der Kunstministerin aus, damit Staats – und Arbeitsstipendien zumindest um die Inflationsrate erhöht werden?

Egal. Linz hat eine neue Zeitrechnung. An diesem Tag im Februar schreiben wir den Tag 692 vor 2009. Die Kulturhauptstadt wirft ihre Schatten in der Weise voraus, dass es an manchen Orten 2009 gar keinen Schatten mehr geben wird und die Donau nicht mehr zu sehen. Also doch ein Ereignis: Ansturm der Motorsägen und Schaufelbagger. Im Visier: die Linden in der Kirchengasse. Lindenbäume sind nicht kompatibel mit dem AEC. Weil sie nicht als Projektion über Beton und Glas zitterten, sondern fest am Donauufer verwurzelt waren, mussten sie dem geplanten Anbau des AEC weichen. Die Killer kamen im Morgengrauen. In der Kulturhauptstadt soll auch die Natur eine Rolle spielen. Drei Linden sind noch keine Natur, dafür Schwanenschiss und Drecklachen, das muss reichen für Alt Urfahr Ost. Jede Linde ist ein Kosmos für Vögel, Bienen und Käfer. Die Linde hat Heilkraft – und sie ist ein heiliger Baum. Jetzt gibt es keine Linden mehr. Der Lindenfluch wird schrecklich sein. Noch schrecklicher der Fluch der Donauweibchen und Wassermänner. Und wir fluchen mit. In Alt Urfahr-West versperrt die Luger – Mauer die Sicht auf die Donau und den Zugang, es ist längst klar, dass es bessere architektonische Lösungen für den Hochwasserschutz gegeben hätte und vor dem Cafe Strom wird sich eine AEC – Mauer aus der Böschung stemmen. Bleiben die Bänke am Jahrmarktsgelände mit dem Pendlerparkplatz im Rücken. Ereignislos reihen sich die Tage aneinander.

Eugenie Kain ist Autorin, lebt und arbeitet in Linz.

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