Brillante Rede Karl-Heinz!

Otto Tremetzberger ruft zu mehr Mut und Verantwortung beim KUPF-Innovationstopf auf.

 

Super Ideen, slicke Formulierungen. Warum die KUPF mehr Mut und Verantwortung mit dem Innovationstopf zeigen muss.

Die KUPF hat, mitlerweile zum 12. Mal, den Innovationstopf ausgeschrieben. Alle, die die KUPFakademie noch nicht absolviert oder keinen Doktor im Projektmanagement haben, können aufatmen. Die in den vergangenen Jahren gefürchtete „Matrix des logischen Rahmens“ muss diesmal nicht ausgefüllt werden. Knapp vor Ausschreibungsende am 12. März gibt es allerdings immer noch Diskussionbedarf.

Richtiges und gutes Deutsch …
„Wer für den IT einreicht, sollte prinzipiell in der Lage sein, sich und sein Projekt so verständlich wie möglich zu formulieren“, schrieb David Guttner u.A. in der letzten KUPF Zeitung. „Richtiges und gutes Deutsch“, wie es auch der DUDEN (der grüne!) für „Anreden, Anschriften und Bewerbungsschreiben“ nahelegt, ist vermutlich bei „sprachlichen Zweifelsfällen“ tatsächlich brauchbar. In kulturpolitischer Hinsicht ist das Unfug. Ein gut gemachter Antrag kann genau so verständlich und slick sein wie das Projekt selbst sinnnlos und unbrauchbar. Umgekehrt mag es furchtbar geschriebene Anträge geben, deren Förderung jeder intelligenten Jury trotzdem zwingend erscheinen wird.
 

Auch niederschwellig einreichen dürfen …
Natürlich muss man Guttner darin eingeschränkt Recht geben. EinreicherInnen tun im eigenen Interesse gut daran tun, ihre Anträge (von denen es schliesslich noch mindestens 50 andere gibt) knapp und präzise zu halten. Trotzdem sollte der Zugang zu den Förderungen selbst – und ebenso zu einer inhaltlich und kulturpolitisch redlichen Jurybewertung – , so niederschwellig wie nur möglich sein. Die KUPF hat sich dies für den IT 2007 zu Herzen genommen und neben einer sperrigen Themenausschreibung dankenswerterweise diesmal auch auf die Projektmatrix verzichtet.

Keine Jury ohne Oberösterreichbezug!
Hoffentlich auch in Zukunft verzichten wird die KUPF auch auf die von Guttner erwähnte Option, „ausschliesslich solche JurorInnen einzuladen, die keinen unmittelbaren Oberöstereichbezug haben“. „Die Juryentscheidungen würden so transparenter und nachvollziehbarer, und die Projekte vor allem nach ihrer inhaltlichen Qualität beurteilt“, so die Meinung des Experten, die nicht unwiedersprochen bleiben kann.

Im Interesse der Verbesserung von Rahmenbedingungen
Für die so genannte freie Kulturszene in OÖ, darunter allen aktuell 106 KUPF Vereinen, ist der Innovationstopf die einzige programmatisch, inhaltlich, strategisch und schliesslich auch in der Entscheidung weitestgehend selbstbestimmte Förderstruktur. Die KUPF wird mir sicherlich darin Recht geben, dass es seitens der für Förderungen zuständigen Kulturabteilung des Landes zu keiner Zeit Einfluss auf die Juryentscheidung gegeben hätte. Indem die KUPF (oder ihr Vorstand) über Thema, Ausschreibung, AdressatInnen und Jurybesetzung entscheidet, definiert sie auch die (kulturpolitischen) Ziele und Interessen, die mit dem Innovationstopf verfolgt werden. Anders gesagt: Der IT ist der einzige Fördertopf unmittelbar und ausschliesslich im Interesse der Verbesserung der Rahmenbedingungen für freie Kulturarbeit – immerhin ein Generalziel der KUPF. Überall sonst spielen bei Projektförderungen bekanntlich auch andere Interessen mit hinein: Programminteressen bei Festivals, (partei-)politische Interessen, persönliche Interessen, Leitbilder und so weiter und so fort.

Die Verantwortung übernehmen

Es ist schon tendenziell eine Katastrophe, die Entscheidung über die Fördervergabe in die Hände einer unabhängigen ExpertInnenjury zu legen und die eigenen Pratschen hinterher in Unschuld zu waschen: Aber es käme einer kulturpolitischen Bankrotterklärung bei, eine solche Jury ohne Bezug zur unmittelbaren Realität der Initiativen vor Ort über Qualität oder Nichtqualität von Einreichungen entscheiden zu lassen. Und Überhaupt: Die Förderung von angeblich „guten“, „spannenden“ oder auch so genannten „innovativen“ Ideen durch eine Expertenjury ist keine kulturpolitische Massnahme, sondern Lotterie wenn Kontext, kulturpolitisches Umfeld, strukturelle Sorgen und so weiter nicht mitbedacht werden.

Mut zeigen, Politik machen und die richtigen Entscheidungen treffen
Nicht die Entlassung des IT in seine Selbstständigkeit, wie Guttner es vorschlägt, ist die Devise sondern ganz im Gegenteil: die klare und Ausrichtung des IT als „kulturpolitisches Förderinstrument, mit welchem auch Politik gemacht werden kann“ wie KUPF Mitgeschäftsführer Stefan Haslinger es anlässlich einer ExpertInnenrunde zum IT einmal formuliert hat. Und die KUPF selbst? Die sollte mutig genug sein, um für ein – wie man schliesslich immer wieder nachlesen kann – beinahe beispielloses kulturpolitisches Instrument auch die Verantwortung zu übernehmen. Wie das geht? Als erstes sollten die KUPF und ihre Verantwortlichen die Unsitte bleiben lassen, sich in die Arbeit der Jury NICHT einzumischen wenn ExpertInnen demonstrativ und ahnungslos neben den realen Verhältnissen der Iniativen stehen. Etwa dann, wenn ein mit den Jahren zynisch gewordenes Jurymitglied im letzten Jahr Freie Medienprojekte betont läßig ablehnt: „Diese Projekte verfolgen mich schon seit 25 Jahren.“ Ein schöne Pointe. Daumen nach unten. Ein bisschen blieb dann der Eindruck, die KUPF müsse den Vereinen nicht nur gegenüber ihren Fördergebern den Rücken freihalten, sondern auch vor der KUPF selbst schützen.

Otto Tremetzberger studierte Theaterwissenschaften, Philosophie sowie Kultur- und Medienmanagement, Mitbegründer und Geschäftsführer des Freien Radio Freistadt, www.frf.at, www.otre.at

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