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Eugenie Kain

Eugenie Kain war eine österreichische Schriftstellerin. Sie studierte in Wien Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitete als Autorin, Kulturjournalistin und Beraterin im Sozialbereich. Für ihre Werke wurde sie 1983 mit dem Max von der Grün-Literaturpreis ausgezeichnet, 2003 erhielt sie den Buch:Preis für ihren Roman „Atemnot“, 2006 den Staatsförderpeis für Literatur, 2007 den Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur.

Offensichtlich Radaubrüder.

Es ist schon wieder was passiert. Von Eugenie Kain.   Krawall zu Fronleichnam. Polizisten haben am Pfarrplatz die Prozession eingekesselt. Vermummte hätten sich eingeschlichen. Die Exekutive hat einen Tipp bekommen. Gewaltbereite Elemente. Im Zuge einer Wallfahrt nach Linz09 haben sie gegen das Asylgesetz demonstriert. Jetzt verbergen sie sich hinter dem…

Alles schon gehabt

Und die Welt schaut auf das Spiegelei. Von Eugenie Kain.   Das Jahr hat gut angefangen. Linz ist europäische Kulturhauptstadt. Spiegelei um Spiegelei tastet sich die Stadt vor zu dem Bewusstsein, jetzt ein Jahr lang nicht zwischen Salzburg und Wien zu liegen, sondern im kulturellen Mittelpunkt EU – Europas. Die…

Einsteigerkurse

Eugenie Kain fordert Kurse für das richtige (Geh)Verhalten im öffentlichen Raum.   Unterwegs mit dem Fahrrad auf der Landstraße. Schaurausch, Kaufrausch und Straßenbahn lassen das Fahrradfahren nicht zu. Schritttempo ist angesagt und geschoben werden und angerempelt und dann geht nichts mehr, weil zwei Blinde mit Gesang und Keybord für nachhaltigen…

Ereignislose Tage

Eugenie Kain outet sich als Beratungstalent für NeoministerInnen.   Seit Wochen reihen sich die Tage ereignislos aneinander. Grau ist der Himmel über Linz. In Kirchschlag brechen Schneeglöckchen und Krokusse durch die Erde, aber Kirchschlag liegt jenseits der Wolkendecke. Jenseits aller Vernunft und Selbstachtung scheint der Sozialminister, der sich an diesem…

Bleierne Zeiten

Noch viele Aufbrüche werden notwendig sein, um die bleiernen Zeiten zu überwinden, meint Eugenie Kain.   Ein denkwürdiger Ferienbeginn in einem merkwürdigen Sommer. Im Eilzug war es heiß, in der Straßenbahn voll. Ich war auf dem Weg nach Simmering zu Onkel und Tante. Die Strecke war mir vertraut, es waren…

Flüsterlieder

Eugenie Kains eben erschienenen Erzählband hat Elisabeth Greif gelesen.   „Die Araber wissen, dass der Tod ein schwarzes Kamel ist, das niederkniet vor der Haustür, wenn es so weit ist. In den Heimen sprechen die Alten verstohlen vom Qui Qui, der sie abholen kommt. Wer hatte ihn mitgenommen? Ein rostiger…

Lebensqualität

Eugenie Kain über die Wichtigkeit der KUPF in der Pflasterspektakelstadt.   Neulich bei einer Flasche Wein. Ein Gespräch mit einem Dichterkollegen, der schon lange in Wien lebt. Wir befinden uns in der assoziativen Phase des Gesprächs, ein Stichwort fällt, es wird aufgegriffen, das Gespräch nimmt rasante Kurven, geographisch weitet es…

Metropolitis

Gibt es einen Kulturbegriff, der über den der Bauwirtschaft und der Tourismusindustrie hinausgeht? Eugenie Kain zum Thema Linz09.   Es wird sich zeigen, wie sich Linz als europäische Kulturhauptstadt versteht. Potential wäre genug vorhanden, um klein, aber fein, Standards zu setzen, die auch nach 2009 halten. Standards, die deutlich machen,…

Es ist nicht leicht…

Eugenie Kain weiß, dass es nicht leicht ist eine Journalistin zu sein.   Jeder hat seinen Job. Auch die “Nachrichten”. Ein modernes Dienstleistungsunternehmen. Deshalb lesen sie auch deutsche Zeitungen. Was geschrieben wird über Linz. Steht da was, wird es den heimischen Leserinnen und Lesern berichtet. Chemie, Langeweile, Drogen. Informationspflicht ist…

Vom Arbeiten und Leben in Linz

Über die Vorteile von toten Winkeln schreibt Eugenie Kain.   Wie lebt es sich als Autorin in einer angehenden europäischen Kulturhauptstadt? Nicht anders als sonst. Linz war nie eine Stadt der Literatur und sie wird es vermutlich auch 2009 nicht sein, denn die Stoßrichtung für das Kulturhauptstadtjahr geht eher ins…

Ansichten

Eugenie Kain über Wiesensitzer und Klappbanksitzer und ein Nebeneinander, das vielleicht einmal zum Miteinander wird.   Die Wiesensitzer grillen Schaf und Rind, auf dem Feuer dampft der Teekessel, die Klappbanksitzer grillen auch Schwein und in der Kühlbox laufen die Bierdosen an. Die Wiesensitzerinnen tragen lange Kleider und Kopftuch, die Klappbanksitzerinnen…

In der Linzer Bucht

Eugenie Kain über die Stille am 1. Mai   Was für Venedig gilt, ist auch für Linz festzustellen. Am schönsten ist die Stadt, wenn man sich ihr mit dem Schiffe nähert. Nach dem Durchbruch zwischen Mühlviertel und Kürnberger Wald tritt die Donau in die Ebene hinaus. Geologisch gesehen, weicht der…

Abfahren und ankommen

Eugenie Kain über einen Nichtort: den neuen Linzer Hauptbahnhof.   Der Abschiedsblues ist mir abhanden gekommen. Jedenfalls am neuen Linzer Bahnhof. Wenn der Zug die Station verlässt und mit den roten und blauen Rücklichtern die/der Geliebte und mein Verstand entschwindet, bleibt der Seelenschmerz, aber er wird überlagert von einer unendlichen…

In der Stadt und auf dem Land

Eugenie Kain schreibt, für wen der Gruß ?Cead míle fáilte? nicht bzw. schon gilt   Eine ist Schneiderin, eine Sekretärin, eine Maschinenbauingenieurin, eine Turnprofessorin, eine Verkäuferin, sie kommen aus Angola, aus Afghanistan, aus Bosnien, aus dem Irak, aus Serbien, einige von ihnen sind bereits Österreicherinnen und leben schon längere Zeit…

Visionen und Papers

Eugenie Kain über Visionen und Papers zu Linz 2009   Jetzt haben sie dem Staatsekretär Morak den ganzen Packen in die Hand gedrückt, die Linzer und der Oberösterreicher. Linz bewirbt sich. Als einzige österreichische Stadt. Im Mai 2005 fällt die Entscheidung. 2009 gibt es aller Voraussicht nach eine europäische Kulturhauptstadt…

Das Geordnete Verhältnis

Eugenie Kain weiß, dass das Landestheater kein SM-Studio ist.   Diese Kolumne hätte dieses mal um ein Haar nicht erscheinen können. Der Grund: ein Besuch des Linzer Landestheaters mit dadurch ausgelöstem Ischiasanfall. In den Kammerspielen ist die Bestuhlung noch um eine Spur körperfeindlicher als im Großen Haus, wo das Sitzen…

Fernsicht

legt Eugenie Kain der Stadt Linz nahe   Linz bei Föhn. Vom Pöstlingberg sieht die Stadt aus wie Innsbruck. Von Bergen eingekeilt. Das Alpenvorland ist geschrumpft. Ein paar Schritte und man steht an beim Toten Gebirge, beim Traunstein oder den niederösterreichischen Alpen. Der Pfenningberg ist zum Greifen nah. Die Donau…

Reifenwechsel

  Eugenie Kain empfiehlt Reifenwechsel statt Reformen. In der Geschichte vom Wolf und den sieben Geißlein frisst der Wolf Kreide, um seine wahren Absichten zu verschleiern. Beim Bundeskanzler ist der Wolf im Vornamen, aber er hat es nicht notwendig, Kreide zu fressen. Er engagiert Berater, die ihm die Sprache hinbiegen,…

Ankunft in Linz

Urlaub in Linz schildert Eugenie Kain   Stadtfest in St. Malo, Bretagne. Moules, Miesmuscheln in Weißwein-Knoblauchsud werden aus einem schwarzen Kochtopf mit 2 Meter Durchmesser geschöpft und mit Weißbrot auf einem Pappteller serviert. Über den atlantischen Himmel rasen Wolkenherden. Das Meer ist wieder im Anrücken. Noch gibt es breite Sandstrände…

Riesenfeuerwerk

Nicht mehr als ein Inszinierungstrick, schreibt Eugenie Kain.   Gleich nach Beginn des Krieges hat sich der Leistungsträger, Pensionssicherer und Selbstbehaltler mit seiner Außenministerin vor die Mikrofone und Kameras gestellt und Stellung bezogen. Und siehe da: Aus seinem Munde kollerte es mozartkugelgleich: Wir? Wir sind doch neutral und das verpflichtet…

Reformschub

Eugenie Kain taumelt im Reformfieberwahn.   Das Land taumelt im Reformfieberwahn. Notgedrungen taumle ich mit, denn es herrscht Glatteis und ich bin frühmorgens unterwegs zur Autowerkstätte Vehikel in Wagram. Es fährt ein Bus und die Haltestelle liegt direkt vor der Werkstatt. Als Autofahrerin weiß die Auskunftsperson nichts über Abfahrtszeiten und…

Paralleluniversum

Eugenie Kain über modernisierungstendenzen oberösterreichischer Goldhaubengruppen.   Im Kasten hängt ein Dirndlkleid. Das Leibchen aus rotem Brokat mit schwarzen Samtbändern eingefasst, der Rock aus schwarzem Wollstoff, die Baumwollschürze mit Blaudruckmuster. Das Kleid stammt vom Flohmarkt. Es passt nicht richtig. Der Rock schwingt um die Knie, das Oberteil ist zu eng,…

Land unter

Eugenie Kain spekuliert, was der Fluss so bringt.   Am schrecklichsten ist das Geräusch des Wassers, ein anschwellendes Rauschen und Zischen, das plötzlich da ist, Sekunden vor der schäumenden Flut, die überschwemmt, zerstört und fortreißt. Nach dem Wasser liegt noch einige Zeit der Geruch über dem Land, der Geruch von…

Das Leben danach

Wo Eugenie Kain der Schuh drückt.   Sie machen sich schon Gedanken über das Leben danach. Die Generalsekretärin überlegt einen Neustart als Lebensberaterin, er lernt Cello. Boogie spielen auf dem Klavier und Gitarrensaitenzupfen kann er schon. Vorher aber wollen sie noch kräftig abkassieren -Wählerstimmen- und deshalb kam ein Teil der…

Cityrunner

Im neuen Linzer Cityrunner hat Eugenie Kain mitgehört.   Einkaufssamstagnachmittag in Linz. Eine lange Schlange vor den Damenumkleidekabinen im H&M. Viele wollen sich die Warterei nicht antun und machen die Anprobe öffentlich. Pullover übers T-Shirt gestreift, Hose unter dem Rock hinaufgezogen. Passt. „Ich tu eh die ganze Zeit…“, sagt eine…

Faschingsfratzen – Fratzenfasching

Ganzjahresfasching ortet Eugenie Kain in der österreichischen Politik.   Der offizielle Fasching beginnt am 11. November. Die Faschingsprinzenzeit dauert so gesehen viel länger als es für den Lei Lei – Schmäh verträglich ist. Die Pru-Ha-Ha Schmähs aus Villach, die der ORF gemeinsam mit der verschwitzten Opernballübertragung den wehrlosen GebührenzahlerInnen Jahr…

Stille Tage

  Dem vorweihnachtlichen realen Kapitalismus schaut Eugenie Kain aufs Auge. Das Laub fällt rot vom alten Baum und kreist herein durchs offne Fenster. Ein Feuerschein glüht auf im Raum und malet trübe Angstgespenster… (Georg Trakl Musik in Mirabell). Die Äste sind kahl, die Wiesen braun und vom Straßenrand sind die…

Kollateralschaden

  Eugenie Kain eröffnet ihre Kolumne mit Kollerteralschäden. Das Festival der Regionen verkündet das Ende der Gemütlichkeit und zwei ein halb Monate später stellt niemand mehr die Frage wo der Schuh drückt, denn eine vollbesetzte Boeing bricht aus der vorgesehenen Flugbahn aus und ein fanatisierter Pilot steuert sie vor laufenden…

Geräuschstau im Ohr

Am Anfang standen eine schwarz-gelbe Straßenbahn und Nackte auf Plakaten mit Kofferradios im Arm. Die Privatradio-days hielten am 1. April in Linz mit einer wenig zimperlichen Werbekampagne Einzug. Aufs Aug´ wurde geknallt, was das Ohr sich über die freigegebenen Frequenzen reinziehen sollte: „Mehr Hits, mehr Abwechslung“ und „mehr Power“. Nun…