So seid doch kreativwirtschaftlich!

Wolfgang Brossman berichtet über den kulturellen Sektor im Burgenland.   Die alle befriedigende Verbindung zwischen der Kunst und der Wirtschaft? Im Burgenland ist sie wieder einmal neu gefunden: Kreativwirtschaft heißt die trendige Umlegung durchaus alter Modelle, die seit den 1980er Jahren in immer neuen Kostümierungen (Creative Industries, Kulturwirtschaftsberichte, Umwegrentabilitätsstudien) versuchen Argumentationslinien, Entscheidungsgrundlagen und Legitimationsschienen für Kunst und Kulturarbeit aufzubauen. Trotz der fulminanten Zahlen von 3900 Beschäftigten im burgenländischen Kultursektor, die präsentiert wird und die der Zahl der Beschäftigten im Beherbergungs- und Gaststättenwesen des Bundeslandes entsprechen soll, stellt sich die Frage, ob diese Begrifflichkeit für die Arbeit im Kulturbereich überhaupt sinnvoll …

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Keine Liebe auf den ersten Blick.

Einen Streifzug durch das Lebenswerk von Pierre Bourdieu wagt Gerhard Fröhlich   Pierre Bourdieus dicker Wälzer (910 Seiten) über die „Feinen Unterschiede“ kam mir schon vor langer Zeit zu Gesicht – ein Kollege borgte ihn mir. Eng und kleingedruckt, voll schrecklicher Wortungetüme und Schachtelsätze über 1/4 Seiten, konnte er mich nicht dazu verführen, ihn ganz zu lesen, und schon gar nicht von vorne nach hinten. Mühen der Kletterei, Gymnastik der Herrschaft. Doch beim Durchblättern fand ich Amüsantes: warum Fischessen nichts für französische Männer der Volksklasse sei, die was auf sich halten wollen (denn Fisch müsse man „weibisch“, nämlich vorsichtig mit …

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Um outro mundo è possivel

Ein Projekt der „Sunnseitn“ beim World Social Forum in Porto Allegre hat Pascale Jeannée miterlebt.   Wir schreiben das Jahr 2002. Die ganze Welt ist vom Neoliberalismus geprägt. Die ganze Welt? Eine Stadt im Süden Brasiliens leistet dem goldenen Schein erbitterten Widerstand. Sunnseitn in Porto Alegre. Mit Hilfe eines jährlichen Gipfels internationaler „GlobalisierungsgegnerInnen“ erlangen die TeilnehmerInnen übermenschliche Kräfte und kämpfen so gegen die Mächtigen von Davos und New York. Anlässlich des viertägigen World Social Forums in Porto Alegre reisten tausende KritikerInnen der kapitalistischen Globalisierung Anfang Februar Richtung Rio Grande do Sul, in den südlichsten Bundesstaat Brasiliens, um Strategien gegen milliardenschwere …

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Weg vom Alltag

Das Arbeitsprogramm 2002 der KUPF präsentiert Bettina Mayr-Bauernfeind   Die Kupf hat sich für dieses Jahr viel vorgenommen. Im Mittelpunkt stehen die Themen Gender, Medien, MigrantInnenkultur und alternative Finanzierungsmodelle. Über 15 Jahre gibt es sie nun schon die Kulturplattform OÖ. Im Laufe der Jahre ist sie zu einem Netzwerk von mehr als 100 Mitgliedsinitiativen herangewachsen. Eine beeindruckende Zahl, die auch enorme Schlagkraft verleiht. In den 15 Jahren sind einige Aufgabenbereiche der Kupf gleich geblieben, manches hat sich verändert. Vorrangiges Ziel ist noch immer die Verbesserung der Rahmenbedingung für freie Kulturarbeit. Im Wesentlichen basiert die Arbeit der Kupf auf den drei …

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Un dormeur kulturel

10 Jahre Kulturpolitk à la Pühringer – und warum es nicht angebracht ist, bei den medialen Luftsprüngen mitzuhüpfen.   von Stefan Haslinger Jetzt wird er gleich bitzeln, denk ich mir. Soll er doch, denk ich mir. Obwohl. Ganz stimmt es ja doch nicht. Einen Schläfer in Sachen Kulturpolitik kann man ihn auch nicht nennen. Das wäre schon ein wenig hart. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Und zuviel waren die Lobeshymnen, die ihm medial kredenzt wurden. Vom „animateur kulturel“ (sic!) schrieb Franz Schwabenender in den OÖN vom 22.12.2001. Vielleicht war es auch als Weihnachtsgeschenk gedacht. Natürlich. Dass der Pressedienst des …

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Grenzüberschreitung des zuMUTbaren

Die Neuauflage der zuMUTungen, des kulturpolitischen Maßnahmenkataloges der KUPF aus dem Jahr 1997, präsentiert Stefan Haslinger   „Da aber Massnahmenkataloge nur äußerst selten eine Entwicklungsprognose beinhalten können und von einem Status quo auszugehen haben, ist die Kontrolle der Umsetzung der Maßnahmen, respektive die Erweiterung oder Reduktion derselben zwingend.“ So steht es im Vorwort der zuMUTungen – der Neuauflage derselben. Nach 4 Jahren Forderungskatalog musste sich die KUPF eingestehen, dass das Gros der Forderungen noch unerfüllt ist, und darüber hinaus die Erweiterung des kulturellen Feldes auch zu einer Verbreiterung des Spektrums der Forderungen zwingt. Forderungen, die sich an die VerantwortungsträgerInnen vor …

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Begegnung der dritten Art

Die Künstlergruppe „wunderkinder KG“ war bei Andi Wahl zu Gast.   Bei mir in der Küche sind kürzlich zwei zeitgenössische Künstler gesessen, ganz echte, und haben Unmengen an Kokosstangerl verdrückt und schwarzen Tee getrunken. Das ganze auch noch am helllichten Vormittag, wo ich doch immer gedacht habe, dass der Vormittag für Bohemiens strikte Schlafenszeit wäre. Aber nicht nur dieses Vorurteil musste ich an diesem Vormittag ablegen. Das ganze kam so: Wir hatten in letzter Zeit einige Germteiggerichte. Einmal gab es Mohnstrudel, ein andermal Germknödel und dann wieder Buchteln. Meine liebste Doris ist nämlich, müssen Sie wissen, ein ähnlich begnadetes Leckermaul …

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Alle vier Jahre wieder

Skandalös war der Beginn der neuen Periode des oberösterreichischen Landeskulturbeirates1 (LKB). Wie der Leitartikel der letzten Ausgabe der KUPF-Zeitung deutlich zum Ausdruck brachte, kritisierten Frauenorganisationen sowie die KUPF die unparitätische Besetzung. Alljährlich werden – in diesem Fall nun eben überwiegend von Männern – Vorschläge für zukünftige kulturpolitische Maßnahmen erarbeitet und dem Landeskulturreferenten als Empfehlung vorgelegt.   Im folgenden Beitrag stellen wir Mitglieder des neu konstituierten Landeskulturbeirates vor. Die kurzen Texte sind eine Sammlung von Antworten zu Fragen nach den Orten ihrer kulturellen Sozialisation, den Beweggründen für ihr Engagement, ihren Themen und Schwerpunkten im LKB, ihrer Beurteilung des LKB’s als relevantes …

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Beim Schreiben fremd werden

Franz Fend stellt Eugenie Kain ihr neues Buch „Atemnot“ vor.   Eugenie Kain hat mit ihrem jüngsten Roman „Atemnot“ ein trauriges aber auch verstörend schönes Buch über das Erinnern und das Verabschieden geschaffen. „Wo moderne Stadt auf altes Gebiet vorstößt, muss nicht unbedingt Neues entstehen. Bleibt alles beim Alten, kommen nicht nur die Gstetten und alten Häuser unter die Räder.“ Wir erinnern uns. Eugenie Kain hat mit diesem Satz ihre Serie „Linz Rand“ in der verblichenen Stadtzeitung „hillinger“ eingeleitet. Die Autorin begab sich mit dieser Serie auf Spurensuche zu den Rändern der Stadt Linz. Wo sich Stadt hinaus über seine …

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Nylon

KunstStoff zu Feminismus und Popkultur präsentiert Katrin Auer   „Von links waschen und bügeln, kurz schleudern und in Form ziehen.“ Ein Wäscheetikett ziert das Cover der neuesten nylon-Ausgabe. „Mode und Feminismus“ ist das Thema des vierten Heftes. Das ausschließlich aus Frauen bestehende Redaktionskollektiv des Wiener Magazins setzt sich in vollkommen unpeinlicher Weise mit Mode auseinander, vielmehr schaffen es die Artikel zum Themenschwerpunkt die Zusammenhänge zwischen Mode, Feminismus, Politik, Ideologie und global vergeschlechtlichten Produktionsbedingungen auszuleuchten (Texte von Ina Freudenschuss, Ute Hölzl, Katrin Kruse, Marion von Osten und Vina Yun). In- und out-Listen oder Stylingtipps für normierte Frauentypen, wie sie in den …

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Geistesverwandtschaften

Luigi Gabinetto hat ein paar Tips für einen antiurbanen Kulturkritiker.   Da hat sich wieder einmal ein Mitglied des Linzer Stadtkulturbeirates wichtig gemacht und ist aus dem Gremium ausgetreten. „Die jüngsten Vorfälle um die Vergabe der Linz-Kultur-Auslandsstipendien haben mich nun jeder Illusion beraubt, dass sich in dieser Stadt in absehbarer Zeit irgendetwas vernünftiges….“, begründet das ehemalige Mitglied seine Entscheidung in der Internetzeitschrift „Prairie“. Was war geschehen? Die Stadt Linz hatte Auslandskulturstipendien ausgeschrieben und verfügt, dass diese nur an Leute vergeben werden sollen, die auch ihren Hauptwohnsitz in Linz haben. Ich kann die Stadt durchaus verstehen, die Stipendien nur an LinzerInnen …

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Faschingsfratzen – Fratzenfasching

Ganzjahresfasching ortet Eugenie Kain in der österreichischen Politik.   Der offizielle Fasching beginnt am 11. November. Die Faschingsprinzenzeit dauert so gesehen viel länger als es für den Lei Lei – Schmäh verträglich ist. Die Pru-Ha-Ha Schmähs aus Villach, die der ORF gemeinsam mit der verschwitzten Opernballübertragung den wehrlosen GebührenzahlerInnen Jahr für Jahr verordnet, haben höchstens Unterhaltungswert hinsichtlich des Zustands dieser sogenannten öffentlich -rechtlichen Rundfunkanstalt. Und dann richten sich alle Kameralinsen und Mikrofone auf Oberösterreich, auf Ried, auf die Jahnturnhalle. Dort versetzt der derzeitige Kärntner Landeshauptmann mit einer Ansprache zum Aschermittwoch allen Ansprüchen zivilisatorischer Errungenschaften im Umgang der Menschen untereinander einen …

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MigrantInnen und Kulturpolitik

Erika Doucette über den Stellenwert von MigrantInnen in der Kulturpolitik.   Die politische Positionen und Einstellungen von Kulturschaffenden, die durch ihre Kulturarbeit sichtbar werden, ist ein wesentlicher Aspekt der Kulturpolitik. Die eigene Position durch eine kulturelle Arbeit zu reflektieren, und eine Äußerung vor einer (oder mehrere) Öffentlichkeit(en) zu machen, ist eine Form von Macht. Diese Macht ist durch das subversive Potential des politischen Inhaltes der kulturellen Vermittlung bestimmt. Dies bedeutet, dass MigrantInnen durch ihre Kulturarbeit auch zu einer politischen Stimme kommen können, die weitgehend aufgrund der StaatsbürgerInnenschaft (insofern sie nicht „eingebürgert“ wurden) MigrantInnen in Österreich verwehrt bleibt. Durch ihre Kulturarbeit …

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Falsch Gedach

Landesrat Josef Ackerl verdient sich eine Auszeichnung der KUPF. Das hat er sich wohl so gedacht. Der Herr Landesrat Ackerl. Hat sich wohl gedacht, nur weil der Medienrummel recht gering war, kommt er damit durch. Aber der Hellhörigkeit der KUPF entgeht er nicht. Bitte antreten zur G’nackwatschn. In einer Pressekonferenz vom 23. Jänner ’02 hat Ackerl. das Sicherheitsmassnahmenpaket für Veranstaltungen präsentiert, um – wie es in der Presseaussendung heißt – in Oberösterreich die Lehren aus den tragischen Ereignissen rund um das Unglück am Berg Isel ziehen zu können. Kernstück dieses Pakets ist ein Anmeldebogen, der – geht es nach Ackerls …

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Hauptsache Hauptwohnsitz?

Jüngst hat der Linzer Stadtsenat durch die Vergabe der Linz-Kultur-Auslandsstipendien (LKA) aufhorchen lassen. Udo Danielczyk kommentiert kulturpolitische Tendenzen der Stadt Linz.   Jüngst hat der Linzer Stadtsenat durch die Vergabe der Linz-Kultur-Auslandsstipendien (LKA) aufhorchen lassen: Allerdings nicht durch die durchaus positive Tatsache, im Kulturbudget des Jahres 2001 1 Mio ATS (Verzeihung: knapp 73.000 EUR) zusätzliche Fördermittel vorgesehen zu haben. Auch nicht damit, dass die Stadt Linz (Kulturamt) die Verwendung der Mittel in Abstimmung mit der “Freien Szene Linz” festgelegt hatte. Diese zusätzlichen Mittel sollten, entsprechend einem Schwerpunkt des von der Freien Szene seit 1999 geforderten Impulstopfes, der Internationalisierung und Qualifizierung …

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