Hauptsache Hauptwohnsitz?

Jüngst hat der Linzer Stadtsenat durch die Vergabe der Linz-Kultur-Auslandsstipendien (LKA) aufhorchen lassen. Udo Danielczyk kommentiert kulturpolitische Tendenzen der Stadt Linz.

 

Jüngst hat der Linzer Stadtsenat durch die Vergabe der Linz-Kultur-Auslandsstipendien (LKA) aufhorchen lassen: Allerdings nicht durch die durchaus positive Tatsache, im Kulturbudget des Jahres 2001 1 Mio ATS (Verzeihung: knapp 73.000 EUR) zusätzliche Fördermittel vorgesehen zu haben. Auch nicht damit, dass die Stadt Linz (Kulturamt) die Verwendung der Mittel in Abstimmung mit der “Freien Szene Linz” festgelegt hatte. Diese zusätzlichen Mittel sollten, entsprechend einem Schwerpunkt des von der Freien Szene seit 1999 geforderten Impulstopfes, der Internationalisierung und Qualifizierung von KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen zugute kommen.

Die Aufregung rührte auch nicht daher, dass das Kulturamt der Stadt Linz die Auswahl der StipendiatInnen einem Beirat überließ (obwohl formalrechtlich die Letztentscheidung natürlich beim Stadtsenat liegen musste.).

Die Wogen gingen hoch, als bekannt wurde, dass der Stadtsenat Linz die Vergabe der Stipendien – schwer geschockt durch den EinwohnerInnenschwund bei der letzten Volkszählung, aber eindeutigerweise entgegen dem offiziellen Ausschreibungskriterien – an einen Hauptwohnsitz in Linz knüpfen wollte.

Dadurch wären einerseits drei vom Beirat empfohlene EinreicherInnen um ihr Stipendium gekommen, was natürlich den EinreicherInnen gegenüber unkorrekt ist (immerhin bedeutet es einigen Aufwand, eine Aufnahmeorganisation zu finden und zu überzeugen), und auch einen Mangel an Respekt gegenüber der Freien Szene (Ausschreibungskriterien, Beiratsvorschläge), dem Kulturamt (Ausschreibung und Abwicklung) und dem Beirat (Entscheidung) gegenüber darstellt.

Die Problematik greift aber viel tiefer, als es der Fall der LKA-Vergabe ahnen lässt. Geschockt ob des Linzer Ergebnisses der Volkszählung 2001 wollen die Mitglieder des Linzer Stadtsenats Leistungen der Stadt Linz nur mehr Linzer HauptwohnsitzbürgerInnen zukommen lassen. Ist ja doch klar und verständlich: warum sollte die Stadt Linz auch Infrastruktur oder gar Förderungen denen zukommen lassen, die vorher (quasi fluchtartig) der Stadt den Rücken gekehrt haben. Was maßen sich die Leute auch an, gemütlich im Grünen (oder nur billliger) leben zu wollen, aber (kulturelle) Angebote und Leistungen der Stadt Linz in Anspruch zu nehmen?

Doch da läuft Linz Gefahr, sich in’s eigene Fleisch zu schneiden: Wenn Linz nicht alles unternimmt, um wieder BewohnerInnen der Umlandgemeinden (hauptwohnsitzmäßig) nach Linz zu ziehen, wird Linz noch weitere EinwohnerInnen- und somit finanzielle Verluste hinnehmen müssen.

In einem ersten Reflex zeigt Linz jetzt Muskeln und markiert die starke Stadt. Dass sie sich als SparringpartnerInnen gerade KünstlerInnen und Kulturschaffende aussucht, zeugt weder von Selbstvertrauen noch von Weitsicht. Und schon auf keinen Fall davon, den eigenen Kulturentwicklungsplan (KEP) ernst zu nehmen und umsetzen zu wollen. Besonders im Hinblick auf die angestrebte europäische Kulturhauptstadt 2009 müsste es ALLEN PolitikerInnen ein Anliegen sein, in Linz bestmögliche Arbeitsbedingungen für ALLE KünstlerInnen und Kulturschaffende zu ermöglichen, um möglichst viele von ihnen zum Arbeiten (und vielleicht auch Leben) in Linz zu bewegen.

Was die Mitglieder des Stadtsenats in ihrer kurzsichtigen Wut nämlich übersehen, ist die Tatsache, dass auch Nicht-LinzerInnen zum Ruf von Linz als Kulturstadt beitragen (können), wie es bei diesen 3 EinreicherInnen (und auch einigen MitarbeiterInnen des Kulturamts) der Fall ist. Der Ruf der Stadt Linz als Kulturstadt basiert auch auf diesen Personen. Solche verstärkt und im Hinblick auf 2009 nach Linz zu locken, statt sie (und einige mehr) zu vertreiben sollte Ziel einer Linzer Kulturpolitik im Sinne des KEP sein.

P.S.: Österreich wäre nicht so liebenswürdig österreichisch, ließe sich nicht sicherlich für die drei EinreicherInnen noch irgendeine Lösung finden.

Udo Danielczyk

1 http://www.servus.at/FREIE-SZENE/ 2 http://www.linz.at/politik/stadtsen/mitglied.htm 3 http://www.linz.at/kultur/politik/foerderu/ausstip.htm

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