Beschädigung der Demokratie

Kommentar von Andi Wahl zum Gespräch mit Gunther Trübswasser

 

Die Grünen sind nun bereits seit einiger Zeit in der Regierung. Gut so, da wollten sie ja auch hin. Das Problem dabei ist aber, dass ihr Kultursprecher Gunther Trübswasser vor den letzten Wahlen einer der besten und fundiertesten Kritiker der Kulturpolitik des Landeskulturreferenten LH Dr. Pühringer war. (Auf die SPÖ war trotz oder wegen allem vollmundigen Populismus in den letzten Jahren bei Kulturfragen nie zu hoffen.) Nun hält sich Trübswasser mit öffentlicher Kritik auffallend zurück. Es ist zwar anzunehmen, dass er in Regierungssitzungen und Vier-Augen-Gesprächen seine Kritik aufrecht erhält, oder sogar verschärft, alleine der öffentliche Diskurs hat nichts davon.

Dies ist ein Paradebeispiel dafür, wie Demokratie, im Sinne des öffentlichen Verhandelns von Meinungen und Entscheidungen, durch die Einbindung einer oppositionellen Kraft in Regierungsverantwortung Schaden erleidet. Ob diese Beschädigung demokratischer Abläufe – wie versprochen – durch mehr Transparenz in der Kulturpolitik wett gemacht werden kann, wird uns erst die Zukunft weisen. Auch ob jemand anderes die nun von Trübswasser verlassene Stelle des fundierten ÖFFENTLICHEN Kritikers einnehmen wird, bleibt fraglich. KandidatInnen für diese wichtige Funktion sollten auf sich aufmerksam machen.

Eine zweite Anmerkung betrifft das nebenstehende Interview mit Gunther Trübswasser selbst: Es ist doch immer wieder spaßig mit anzusehen und zu hören, wie sich die Sprache und die Denkkriterien der new-economy schleichend aller Lebensbereiche bemächtigt. Dass auch Gunther Trübswasser, der gerne das Image des Denkers pflegt, darauf hereinfällt, ist enttäuschend, aber was soll man machen, außer zu hoffen, dass es sich um eine kurzzeitige Verwirrung handelt. Ich für meinen Teil habe mich dazu entschossen, mich über solche Phänomene nur noch zu amüsieren und nicht mehr zu erschrecken.

Und eines noch im Namen vieler Kulturvereine lieber Gunther Trübswasser: ALLE Kulturvereine verfügen bereits über ein zweites ökonomisches Standbein. Das sind zum einen Eintrittsgelder und zum zweiten, und das ist noch viel wesentlicher, die Leistungen der Vereinsmitglieder, die diese meist ehrenamtlich oder schlecht bezahlt in den Verein einbringen. Diese Leistungen decken, vor allem bei kleinen Kulturvereinen, etwa 80% der Aufwendungen. Der Beitrag des Landes ist bei diesen mit durchschnittlich 20% ohnehin gering.

Nichtsdestotrotz gibt es viele Anregungen von Gunther Trübswasser, die ich für sehr diskutierenswert erachte. Und ich halte ihn weiterhin für einen der fähigsten Kulturpolitiker im Lande. Unter den Blinden ist der Einäugige eben König.

Andi Wahl

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