Der Roßmarkt

Das traurige Ende einer unendlichen Geschichte erzählt Fritz Müller

 

Ein Lehrbeispiel in Sachen „couragierte Politik“ ist das jahrelange Tauziehen um die Heimstatt des Kulturvereines Roßmarkt in Grieskirchen. Mehr als zwei Jahrzehnte war das ehemalige Kaiser-Wirtshaus Treffpunkt für junge, kulturinteressierte Menschen, entwickelte sich eine alternative Kulturszene und entstand ein Podium für ambitionierte Nachwuchskünstler – und gab es oft Ärger nach provokanten Aktionen. Das alles ist bald Vergangenheit. Mit dem Abbruch des Hauses trotz marathonmäßiger Verhandlungen über den Kauf des Hauses durch die Gemeinde ist die Energie der Kulturinitiative die Trattnach hinunter geflossen.

In einer von der VP-Mehrheit beantragten geheimen Abstimmung im Stadtparlament stimmten 20 Gemeinderäte gegen den von VP-Bürgermeister Wolfgang Großruck im Herbst überraschend erlassenen Sanierungsbescheid. Nur zehn Mandatare konnte der Nationalratsabgeordnete, der als Baubehörde erster Instanz befangen war, hinter sich versammeln. Sitzverteilung: 15 VP, 11 SP, 2 FP, 3 Bürgerliste. Für das Stadtoberhaupt konnte es nicht besser kommen. Denn mit kritischer Jugendkultur ist kein Staat zu machen. Das weiß der gewitzte Politiker allemal. Da hilft auch nicht, dass sein Parteifreund und geborene Grieskirchner Ernst Strasser zu den Gründungsmitgliedern des Roßmarktes zählt. Im Zuge des Streites um das Gebäude gab es eine wunderbar inszenierte Pressekonferenz des Innenministers, bei der er sich für die Erhaltung einsetzte.

Freilich seinen Parteifreund im Rathaus überzeugte er damit nicht wirklich. Denn Großruck hätte es lange vor dem Verlust der absoluten VP-Mehrheit bei der jüngsten Gemeinderatswahl in der Hand gehabt, das Haus zu retten. Dabei geht es beim „Kaiser-Wirtshaus“ nicht nur um die Kulturinitiative „Roßmarkt 1“. Das Gebäude ist das letzte Haus einer für die Bezirkshauptstadt typischen Architektur – das übrigens mehrere junge Planer dazu veranlasste, Konzepte mit neuen Ideen aufs Papier zu bringen. Parallel verhandelten Roßmarkter mit den Erben der verstorbenen Wirtsleute, machten dem Bürgermeister das Projekt schmackhaft, schmiedeten Finanzierungsmodelle und konnten Althaussanierer dafür begeistern.

Doch fünf Minuten vor zwölf schnappte ein Immobilienhändler aus dem Nachbarort Gallspach der Gemeinde das Haus im Sommer 2001 weg. Alle Mühe war umsonst, und der Ärger sollte noch mehr werden. Schon nach den ersten Gesprächen mit dem neuen Eigentümer waren nur noch Juristen am Wort. Die Roßmarkter pochten auf ihren Mietvertrag oder auf ein Ersatzquartier. Unterdessen dämmerte das Gebäude wieder vor sich hin, bis es schließlich im Herbst 2003 zur behördlichen Sperre kam: „Einsturzgefahr“.

Großruck fällt das Haus nicht auf den Kopf. Mit dem vom Gemeinderat abgelehnten Sanierungsbescheid ist er fein heraußen. Schade, denn es wäre interessant gewesen, wenn sein Bescheid bestätigt worden wäre und nach neuerlicher Vorstellung des Hauseigentümers das Land zu entscheiden gehabt hätte. Ein Landeskulturreferent, der mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gebäude sanieren lässt, mit dem ein Partreifreund, mächtiger Bürgermeister und Nationalratsabgeordneter, nicht wirklich Freude hat. Aber dieser Krug trieb mit erwähnter Energie der Roßmarkter an Großruck vorbei die Trattnach hinunter.

Und nochmals: Am Geld kann es nicht gescheitert sein, dass Roßmarkt 1 nicht von der öffentlichen Hand übernommen wurde. In den Monaten des Streites investierten die Grieskirchner mehrere Millionen Euro in die – übrigens gelungene – Innenstadtmodernisierung. Dabei spielt es auch keine Rolle, ein ebenso baufälliges Haus zu kaufen, abzutragen und zehn (in Worten zehn) Parkplätze zu errichten.

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