PARANGOLÈS #125

Nach Bolly- und Holly- endlich Migra-wood!! Ein neues Medium von und für Migrantinnen

Bei dem Medienprojekt Migrawood geht darum, die Selbstverständlichkeit von Machtverhältnissen, sozialer Ungleichheit oder gesellschaftlicher Ausgrenzung anzugreifen und ihre vermeintliche Normalität in Frage zu stellen. Migrawood bedient sich der Subversion, der Inszenierung, der Performanz, der Camouflage und des Fakes. Die Personagen sind der Überzeugung, dass die beste Subversion darin liegt, die »Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören« (Roland Barthes). Diese Überzeugung macht das Projekt Migrawood in einem »subversiven Sinn« produktiv, indem sie Repräsentationen erzeugt, die im Sinne der hegemonialen kulturellen Grammatik dysfunktional wirken, also Irritationen und Unbehagen erzeugen. Wo der Schleier der Selbstverständlichkeit zerrissen ist, so die Grundidee, werden die Absurditäten und Widersprüche der neoliberal kapitalistischen Gesellschaftsformationen sichtbar und damit angreifbar. (Blissett, Luther/Brünzels, Sonja )

Welche Potentiale stecken in kreativen Artikulationsformen für die Vermittlung politischer Inhalte? Was ist überhaupt Migrawood? Migra was?? Voodoo was?? Das Medienprojekt Migrawood bedient sich hübscher Fakes, guter Parodien, kreativer Protestformen, Bedeutungsverschiebungen, Zeichen anderer Ordnungen, queerer Praxis, Performanz und Inszenierung. Wir repräsentieren alle Migrantinnen, die schon genug haben vom »aufregend exotischen Arsch« oder von delikaten Moussaka-Rezepten, die ein braves Familiensonntags-Heimatprogramm uns vorführt. Das ist der erste Artikel über das Migrawood Studio, die Company »Non-Balkan Sisters« und das Team, das dahinter steht.

Am Samstag vor zwei Wochen war es endlich heiß, die Eisgeschäfte waren geöffnet und die »PromiPopPostPorno-Päpstin« und »Madame Klo«(= die »Stars« von Migrawood) gingen einfach spazieren in Linz. Es wäre ein langweiliger Familientag, ein normaler, ruhiger Samstag geworden – wenn die Performerinnen nicht »heiße« Reaktionen hervorgerufen hätten, die die Kameras vom MIGRAWOOD aufzeichneten. In null Komma nichts war es vorbei mit dem Frieden und dem »Recht auf freie Meinungsäußerung«. Viele hatten den Platz auf dem Flohmarkt bezahlt, um Omas Erbe zu verkaufen und Schuhe mit frischen Fußpilzen, aber wir von Migrawood hatten natürlich keine solche Erlaubnis. Große Aufregung am Hauptplatz wegen der zwei (unschuldigen) Figuren. Die Anrufe von 10 indignierten BürgerInnen bei der Polizei sind ein erfreulicher Beweis unserer effektiven Arbeit… Ein Tipp an euch: verpasst nicht, uns für weitere Invasionen, welche die herrschende kulturelle Grammatik unterlaufen, zu Veranstaltungen, Volksvergnügungen und – nicht zu vergessen- zu bikulturellen Hochzeiten und multikulturellen Events im kleinen Linz einzuladen. InteressentInnen wenden sich für Buchungen vertrauensvoll an: www.migrawood.com

Migrawood – das neue Medium von und für Migrantinnen

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