Es ist, wie es ist… Das Gedenkjahr 2008

Es ist wieder so weit. 2008 ist ein Gedenkjahr, 1848, 1918, 1938, 1968. Von Eva Blimlinger   Über 1848 wird nicht viel geredet und geschrieben werden, so wie es derzeit aussieht. Zu lange ist es her, dass die bürgerliche Revolution scheiterte, und jene, die das Scheitern feiern könnten, haben seit 1918 zumindest ihre staatliche Herrschaft verloren. Zu gedenken wäre da vielleicht jener, die am 16. November 1848 standrechtlich erschossen wurden, an den ehemaligen kaiserlichen Leutnant Wenzel Messenhauser, an die Journalisten Alfred Julius Becher und Hermann Jelinek oder an den Abgesandten des Frankfurter Parlaments Robert Blum. Fraglich, ob die heute verantwortlichen … Weiterlesen …

Eine komplizierte Angelegenheit

Dominika Meindl bat den frischgebackenen Bürgermeister von Bad Ischl zum Interview.   Hannes Heide, 41, ist seit November 2007 als parteiloser SP-Kandidat Bürgermeister in Bad Ischl. Seit November 2003 arbeitete er als Stadtrat für Kultur und Jugendangelegenheiten, den Kulturbereich wird er (zusätzlich zu den Finanzen) behalten. Als Geschäftsführer der Kulturstätte »Der Keller« war er jahrelang Mitglied der KUPF. Sie sind dank der Unterstützung der FP Bürgermeister geworden. Prallen da nicht insbesondere kulturell zwei Welten aufeinander? Beschränkt das Ihre Kulturpolitik? In einem Ort wie Ischl geht es nicht um Parteipolitik, sondern darum, daß die handelnden Personen miteinander können. Für Bundespolitisches sollte … Weiterlesen …

Äpfel, Birnen und mutmaßliche Subventionskaiser

Im BKA wird am Fonds für elektronische Medien gearbeitet. Freie Radios und Community TV formieren sich zum Dritten Rundfunksektor. Zwischen 6 und 20 Mio € soll sie ausmachen: die neue Förderung für private kommerzielle und nichtkommerzielle TV- und Radioveranstalter ab 2009. Seit gut einem halben Jahr wird im BKA am Gesetzesentwurf gearbeitet. Unter dem Titel »Fonds zur Förderung des privaten Rundfunks« soll die Vielfalt des lokalen und regionalen Programmangebotes gestärkt werden. Ein Schwerpunkt liegt in der Unterstützung von vielfältigen und hochwertigen Programmangeboten, die einen Beitrag zur Förderung der österreichischen Kultur, des österreichischen und europäischen Bewusstseins sowie der Information und Bildung … Weiterlesen …

Zugvögel

Man muss doch auch irgendwann nach hunderttausend Kilometern seine Wäsche waschen können. Alenka Maly über ein Linzer Durchreiseprojekt für Sinti, Roma und Jenische. Immer finde ich das nie, protestiere ich innerlich, als ich zum vierten Mal wende und den Skoda in die nächste Wohnstrasse lenke. Verborgen am Stadtrand liegt der kleine Kindergarten, in dem KETANI – der oberösterreichische Verein für Sinti und Roma untergebracht ist. Gitta Martl hat ihn vor 10 Jahren gegründet, ihre Tochter Nicole Sevik leitet ihn seit zwei Jahren. Als ich endlich das Büro betrete und von den beiden Frauen und Nicoles zweijähriger Tochter Tuana begrüsst werde, … Weiterlesen …

Wiltrud Hackl verkleidet sich als Martin Heller und schreibt einen Text.

In dieser Ausgabe wurde Wiltrud Hackl eingeladen, die Kolumne „Odyssee 2009“ zu schreiben.   Bin ich froh. Ich freu mich ja so, wenn das endlich losgeht und dann wieder vorbei sein wird. Länger hält die Spannung ja keiner aus. Unerträglich ist das. Eigentlich mag ich mir gar keine Gedanken mehr machen zum Thema. Schlafen will ich und träumen. Ein wenig herumsitzen da an dieser Donaulände, wenn es da nicht soviel von diesem Metallzeug hätte. Oder auch mal in den Winterhafen spazieren gehen. Wenn der nicht soweit weg wäre. Und dann will ich essen gehen. In eins der Restaurants. Wenn die … Weiterlesen …

Mal wild, mal öd!

Andi Liebl berichtet von den bisherigen Aktivitäten des Kulturentwicklungsplans der Stadt Steyr. Und mahnt zur Wachsamkeit-   Die Stadt Steyr verordnete sich die Erstellung eines Kulturentwicklungsplans. Dass nun knapp vor der Fertigstellung für eine Umsetzung keine budgetären Mittel im Voranschlag für das laufende Jahr zu finden sind, stimmt nachdenklich. Vielleicht zu schnell ja gesagt, einen Artikel zu schreiben. Zu der Entwicklung der Arbeit an dem Kulturentwicklungsplan. In Steyr. Vielleicht aber auch eine Gelegenheit. Wenn nicht sogar die Gelegenheit. Über den nun bereits eineinhalbjährigen Prozess zu berichten. Der laut Plan bereits schon abgeschlossen ist. Aber außerplanmäßig noch ein wenig dauert. Bis … Weiterlesen …

Ein Kulturhaus auf der Zielgeraden!

Oder: Der lange Atem einer Szene von Sylvia Nagl und Richard Schachinger.   »Wir hätten gerne ein offenes Kulturhaus, bitte! «. »Zum Mitnehmen oder gleich Beleben?«. »Danke, wir beleben es gleich!«. Derartige Bestellungen sind ein Phantasieprodukt als Resultat einer langen kulturpolitischen Herbergssuche und haben freilich mit der Realität gar nichts gemein. Zugegeben: schön wäre es schon, sich dermaßen unkompliziert eine Notwendigkeit zu erfüllen. Aber was wäre schon die freie Szene, würde sie nicht selbst prozessorientiert Räume und Themen besetzen, sondern sich bedienen lassen? Eben. Die Forderung nach einem offenen Kulturhaus in der Stadt Vöcklabruck ist ebenso alt wie die freie … Weiterlesen …

Über den Frieden in Ottensheim

Anatol Bogendorfer über die Stadtfuzzis, die Landeier und eine neue Spezies, die OheimerInnen.   Oberösterreich als Ganzes ist in drei Teile geteilt, von denen den einen die Stadtfuzzis bewohnen, den anderen die Landeier und den dritten jene, welche in ihrer Sprache Oheimer, in unserer Ottensheimer genannt werden. Mit diesen Worten hätte ein römischer Feldherr namens Caesar vielleicht das hiesige Bundesland beschrieben, würde er im Jahr 2008 noch immer drauflos erobern und mit seinen Kommentaren Stoff für den humanistischen Bildungskanon liefern. So aber langweilen sich die AHS-ler einstweilen noch immer bei der Übersetzung von den ersten paar Zeilen der »Comentarii de … Weiterlesen …

Liebe Stella!

Doppelagentin Mata Hari und die wahren Kenner der Kunst: die PolitikerInnen   Das Spiel der Königinnen, sag ich nur! Was für ein Schachzug! Stella und wer immer das miterfunden hat, nicht mal ich kann so charmant gemein sein. Dabei ist es gar nicht so lange her, so gut zwei Jahre, da wollten sie dich schon absägen. Die Kronenzeitung allen voran und auch wenn die Politiker sich nicht wirklich gegen dich aufschwingen wollten, schien das Ende deiner Tage am Lentos schon eingeläutet. Zu wenige BesucherInnen hieß es im Herbst 2005 und kein richtiger Hit, so ein Publikumsmagnet muss her, vielleicht wieder … Weiterlesen …

Frühstück bei HOSI

Christian Diabl im Gespräch mit dem neuen HOSI Geschäftsführer, Tiberius Binder.   Die HOSI Linz verlässt die Privatheit und Beengtheit ihrer alten Räumlichkeiten in der Schubertstraße und bezieht im kommenden Jahr ein eigens für sie errichtetes Gebäude. Neben einer Professionalisierung und Ausweitung des Beratungsangebotes, soll vor allem Platz für kulturelle Veranstaltungen sein. Hartnäckige Lobby-, erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit und die Gunst der Stunde machen die unverhoffte Entwicklung möglich. Selten ereilen uns positive Nachrichten in Zusammenhang mit dem Kulturhauptstadtjahr 09, immer noch dominieren Bau- und Infrastrukturmaßnahmen den öffentlichen Diskurs. Inhalte scheinen zumindest sekundär, Nachhaltigkeit wird mit Zement verwechselt. Doch wo sich offensichtliche Notwendigkeit, … Weiterlesen …

Designproblem!

Jetzt hat die Frau Schmied ein neues Zimmer! Ihr Arbeitsplatz ist – wie sie dem Standard sagte – befreit von alter Herrschaftssymbolik, ohne wuchtigen Schreibtisch, hinter dem man sich verbarrikadiert fühlt. Ist doch schön für sie. Sie sagt ja auch, dass sie ein »Sowohl-als-auch, eine Balance« herstellen will. Klingt auch schön. Der Verlust der Balance führt aber im Falle eines Drahtseilaktes oft zum Absturz. Die Frau Ministerin hat im besagten Standard-Interview auch davon gesprochen, dass sie es nicht leicht hat, weil die Schätze der Vergangenheit derart dominant sind, dass es das Neue schwer hat, beachtet zu werden, Gewicht zu bekommen. … Weiterlesen …

Ene, mene, muh und draus bist du!

Galia Stadlbauer-Baeva über eine andere Betrachtung von Identität.   „Der Aspekt der reichen und vielfältigen europäischen Identität“ ist in der Politik der Kulturförderung auf EU- und nationaler Ebene fest verankert. Nun, was ist „europäische Identität? Was ist Identität überhaupt?“ : Bewegungsfragen für die Konzeption und Durchführung der Ausstellungsreihe „Identität heute…“ in der Schaufenstergalerie von maiz. Die Schwierigkeit, Diskurse über eine Konstruktion zu halten, die äußerst restriktiv ist und gleichzeitig die Notwendigkeit, aus einer Identität als Migrantinnen zu handeln, war uns bewusst, daher entschieden wir uns, keine Diskurse zu führen, sondern Gegenbilder in Sequenzen in 4 Ausstellungen zu zeigen. Von Juni … Weiterlesen …

Piefke und Ösi

Nicole Honeck auf der Suche nach dem Ursprung …   Als ich das erste Mal wirklich in die Gesellschaft Österreichs ‹integriert› worden bin, war ich schon eines gehobeneren Alters (22 Jahre) und war über meine anfänglichen Konfrontationen, die ich im jährlichen Urlaub sammeln konnte (meiner Mutter Wurzeln befinden sich in Kärnten), schon weit entfernt. Damals, vielleicht war es ein einmaliges Ereignis, gab es Momente, in denen mensch meiner Schwester und mir nicht glaubte, wir seien deutsche Staatsbürger. Doch Kinder (ver)lernen schneller! Sprache ist wohl das richtige Stichwort in diesem Zusammenhang, aber Sprache ist an Humor geknüpft und mit beidem kann … Weiterlesen …

Social Impact: Künstlerische Interventionen in gesellschaftlichen Reibungsflächen

Lydia Thanner über künstlerische Interventionen in gesellschaftlichen Reibungsflächen und das 11jährige Bestehen von Social Impact.   Der Versuch eines Portraits. Im Jahr 2007 feierte das Kunstlabel Social Impact – Verein für Kunst & Aktionsforschung sein zehnjähriges Jubiläum. Zum Start ins elfte Arbeitsjahr traf Lydia Thanner den (Mit-) Begründer Harald Schmutzhard zum Gespräch. Seit der Gründung 1997 bearbeitet Social Impact gesellschaftliche Reibungsflächen theoretisch sowie praktisch und verknüpft derart Aktionsforschung mit Kunst. Gearbeitet wird in wechselnden und interdisziplinären Projektteams. »Konkret geht es darum, Kunst und Aktionsforschung in neue exemplarische Praxen einzubeziehen und im Kunstdiskurs zu präsentieren«, so Schmutzhard. Die im Vorfeld zur … Weiterlesen …

Verbreiterung der Basis

Klemens Pilsl und Eva Immervoll präsentieren die Frischlinge unter den KUPF-Mitgliedern.

Der Geschichtenmacher

Andi Wahl über einen Mann, dem die Einfälle schneller kommen, als ein Ferkel blinzeln kann.   Wenn der Herrgott einmal über Manfred Berghammer zu Gericht sitzt, wird er wohl eine dicke Akte vor sich liegen haben, und es wird nicht leicht sein, Manfreds Taten klar einem Aktiv- oder Passivposten zuzuordnen. Kaum ein Mensch heckt so viele Streiche aus wie Manfred. Und wenn Astrid Lindgren von Madita sagt, sie sei ein Kind, dem die Einfälle schneller kommen, als ein Ferkel blinzele, dann ist Manfred wohl das männliche Pendant zu dieser kindlichen Romanfigur. Sollte der Herrgott etwa den Schrecken, den Manfred vielen … Weiterlesen …

Verankerung und Absicherung

Kulturplattform OÖ, schon alleine der Name ist Programm. Bericht der KUPF-Jahreshauptversammlung 2008. Von Andi Liebl.   »Mit ihren 109 sehr unterschiedlichen und ebenso vielfältigen Mitgliedsvereinen bildet die KUPF ein Netzwerk, das sich im Spannungsfeld Kultur und Gesellschaft verortet sieht und vehement für die Absicherung freier Kulturarbeit eintritt.« stellt Betty Wimmer, frisch gebackene Obfrau des Dachverbandes, nach der jüngst im GUGG in Braunau stattgefundenen Jahreshauptversammlung der KUPF fest. Für die KUPF hat das jährliche Tingeln in die entlegensten Orte Oberösterreichs Tradition. Gilt es doch Jahr für Jahr im Kreis der Mitglieder über Programmatik, Finanzen und Besetzung des Vorstands abzustimmen. Und das … Weiterlesen …

… über Sex kann man nur auf Englisch singen

Klemens Pilsl über eine der erfrischendsten Neuerscheinungen auf dem österreichischen Printsektor.   Schundblattl´n, die sich als Musikzeitschriften tarnen, gibt es zuhauf – leicht erkennbar am Hochglanz und dem fehlenden Journalismus zwischen den ganzseitigen Anzeigen von Rucksackfirmen, Bauernbanken oder schwindligen Plattenlabels. Aber es gibt auch das genaue Gegenteil: anspruchsvolle Qualitätsberichterstattung, die sich als Musikzine gibt. Erkennbar vor allem am Niveau der Texte, dem flockigen Schwarz- Weiß-Layout und dem Fehlen von Werbung. Ihr wisst, ich spreche von gewissen Dingen… Das »Rokko´s Adventure« aus Wien, benannt nach dem Herausgeber und wichtigsten Redakteur (Rokko), hat soeben seine zweite Ausgabe auf den zugegeben kleinen Markt … Weiterlesen …

Sexuell arbeiten

Eine queere Perspektive auf Arbeit und prekäres Leben von Renate Lorenz und Brigitta Kuster hat Johanna Schaffer für Sie gelesen.   Macht entfaltet sich im Feld der Arbeit grundlegend über Begehren und Sexualität. Um zu untersuchen, wie das geschieht, erfinden Renate Lorenz und Brigitta Kuster den Begriff sexuelle Arbeit, um damit den Aufwand zu beschreiben, den es bedeutet, sich der Arbeit zu unterwerfen, um überhaupt als Subjekt zu entstehen und darin allerdings auch auf spezifische Weise mit Sexualität ausgestattet zu werden. Arbeit wird hier zu einem Feld queer-feministischer Politiken, denn die Frage nach sexuellen Normen und deren Veruneindeutigung beim Arbeiten … Weiterlesen …