Verankerung und Absicherung

Kulturplattform OÖ, schon alleine der Name ist Programm. Bericht der KUPF-Jahreshauptversammlung 2008. Von Andi Liebl.

 

»Mit ihren 109 sehr unterschiedlichen und ebenso vielfältigen Mitgliedsvereinen bildet die KUPF ein Netzwerk, das sich im Spannungsfeld Kultur und Gesellschaft verortet sieht und vehement für die Absicherung freier Kulturarbeit eintritt.«

stellt Betty Wimmer, frisch gebackene Obfrau des Dachverbandes, nach der jüngst im GUGG in Braunau stattgefundenen Jahreshauptversammlung der KUPF fest. Für die KUPF hat das jährliche Tingeln in die entlegensten Orte Oberösterreichs Tradition.

Gilt es doch Jahr für Jahr im Kreis der Mitglieder über Programmatik, Finanzen und Besetzung des Vorstands abzustimmen. Und das geschieht mit beständiger Regelmäßigkeit in Räumen von Initiativen, die das kulturelle Leben abseits ausfinanzierter Einrichtungen beleben. Mit viel Engagement und un(ter)bezahlter Arbeitskraft. So ist es auch kein Zufall, dass sich die KUPF für das Jahr 2008 einen Schwerpunkt gesetzt hat, der der Arbeit dieser Initiativen zentrale Aufmerksamkeit schenkt. »Kulturarbeit ist Arbeit!« nennt sich dieser Schwerpunkt und soll als Kampagne die KUPF Mitgliedsvereine in den Mittelpunkt stellen und eine weitreichende Offensive an der öffentlichen Wahrnehmung freier Kulturarbeit starten.

Verwoben mit den bekannten Instrumenten der KUPFarbeit wie Regionaltreffen, Lobbyingterminen, Diskussionen und Publikationen soll die Kampagne zur Sensibilisierung des gesellschaftlichen Wertes freier Kulturarbeit beitragen und auf Seiten der Initiativen, der Politik und Verwaltung sowie bei der KUPF selbst Veränderungsprozesse eröffnen, die alten Forderungen neue Kraft und besseres Durchschlagsvermögen bringen. Schon mit der nächsten KUPF Zeitung fällt der öffentliche Startschuss für dieses Vorhaben. In gewohnter Qualität und Intensität stehen der Schwerpunktsetzung die laufenden Aktivitäten in Sachen Service und Beratung gegenüber.

Das KUPF Büro dient als erste Anlaufstelle für Fragen zur Kulturpolitik wie auch zur Praxis kulturinitiativer Arbeit, ist kontinuierliche Beobachtungsstelle legistischer Entwicklungen und kulturpolitischer Vorgänge und erhebt gemeinsam mit den FunktionärInnen des Vorstandes regelmäßig die Stimme für die Notwendigkeiten freier Kulturarbeit. Dieses wichtige Betätigungsfeld ist wohl das Herzstück der KUPF und lebt vom Netzwerkcharakter der Kulturplattform. Denn die Akkumulation von know how bedingt den regen Informationsaustausch zwischen Mitgliedsorganisationen und Dachverband, das Büro mit seinen MitarbeiterInnen leistet hier als Informationsdrehscheibe sowie als Archiv goldene Dienste, die gerade für Mitglieder einfach zu beanspruchen sind.

Als logische Konsequenz ergeben sich Teile des KUPFschen Arbeitsprogramms auch durch die Fort- und Weiterführung begonnener Aktivitäten. Die im vergangenen Jahr aufgebaute Ausbildungsinitiatve für kulturinitiative Menschen, die KUPF AKADEMIE, startet 2008 ihr zweites Arbeitsjahr. Der 2007 begonnene Lehrgang AKADEMIE KULTURARBEIT wird im Juli mit einer öffentlichen Abschlussveranstaltung sein Ende finden, 15 TeilnehmerInnen können dann auf einen umfassenden Lehrgang zurückblicken und gewonnenes Wissen in ihre Einrichtungen zurückfließen lassen. Parallel dazu sind weitere Angebote entwickelt worden, die in Tages- und Wochenendseminaren spezifische Weiterbildungsangebote zu relevanten Fragen freier Kulturarbeit stellen. Teamarbeit, Führungskompetenz, strategische Kommunikation und digitale Musikvermarktung sind einige der im Angebot befindliche Themen.

In die Kerbe der Professionalisierung schlägt auch das Kulturstipendium, dessen Entwicklungsprozess 2008 einen vorläufigen Schlusspunkt findet. Im Falle einer Umsetzung durch das Land OÖ sollen Oberösterreichische KulturarbeiterInnen damit die Möglichkeit bekommen, internationale Praxiserfahrung in anderen Kulturorganisationen zu sammeln. Auch das Engagement der KUPF in externen Gremien wird fortgeführt: durch die Teilnahme von Birgit Pichler an den Sitzungen des Fachbeirat 6 des OÖ Landeskulturbeirates sowie durch das Engagement von Stefan Haslinger und Betty Wimmer in der Ländervertretung der IG KULTUR ÖSTERREICH. Damit ist nicht nur ein regelmäßiger Austausch mit AkteurInnen aus dem Feld der zeitgenössischen Kulturarbeit über die Grenzen der eigenen Organisation hinaus gewährleistet, sondern wird auch punktuelle Einflussnahme auf zukünftige Entwicklungen an strategisch wichtigen Stellen ermöglicht. Den Charakter der Impulsgeberin offenbart die KUPF aber auch gegenüber der Szene der Kunst und Kulturproduktion in Form der Ausschreibung des Innovationstopfes. MACHT:DEMOKRATIE lautet die diesjährige Ausschreibung und stellt sowohl administrativ als auch inhaltlich die Vorstellungen der KUPF in Bezug auf vorbildliche Förderinstrumente dar. All diese Aktivitäten zielen auf Verankerung und Absicherung freier Kulturarbeit. Die Kompetenzen der AkteurInnen, die Sensibilität und Aufgeschlossenheit von förderpolitisch Zuständigen sowie die Informiertheit kulturpolitisch Interessierter tragen dazu bei, nachhaltig den Wert der Landschaft freier Initiativen zu sichern und als eigenen Bereich neben staatlichen und kommerziellen Einrichtungen aufrecht zu halten. Die Medien der KUPF – Zeitung, Radio und Homepage – berichten darüber regelmäßig und im Detail, zeigen Hintergründe auf, machen Personen bekannt und sorgen für Diskussion.

Auch der Vorstand der KUPF ist erneut gefordert, dieses Netzwerk zu hegen und pflegen und im Angesicht kultureller Vereinnahmungsversuche fragwürdiger Großprojekte klaren Kurs zu behalten.

Andi Liebl hat Schuhgrösse 43 und arbeitet im Kulturverein röda/Steyr.

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