Zeitkultur, waghalsige Kunst, „alternative art“

Özden Öksüz vom Verein ECHO wünscht sich lebendige Kultur anstatt alteingesessene Parteiapparatschiks.

Mit welchen trendigen oder konventionellen Begriffen man auch immer Stile und Arbeiten der Kunst- und Kulturszene besetzt, eines scheint sicher: Je reicher an Kultur und Kunst eine Stadt ist, desto erfolgreicher und vor allem diverser präsentiert sich die Stimmung dieser Stadt. Die Rolle der Jugend (-kultur) als dynamischster Teil und Gestalter ganzer Gesellschaften ist dabei sehr wesentlich. Die große Herausforderung an so genannte Repräsentanten und politische Vertreter ist es, sich den sich ständig wechselnden Bedürfnissen und aktuellen Jugendkulturen zu stellen, Ressourcen offen zu halten bzw. neue Wege zu gehen… Dies ist auch prägend in Fragen positiver gegenseitiger Integration unterschiedlichster Kulturen und Communities. London, Berlin, Paris oder New York beweisen dies schon seit Jahrzehnten.

Wien, das Stiefkind europäischer Integrationsprojekte, tut sich unheimlich schwer, Progression in diesen Gebieten des Alltags auszustrahlen und vor allem Synapsen zwischen der so genannten professionellen Kunst und der schichtenproblematisch besetzten Migration herzustellen. Nicht von ungefähr ist es, dass es selbst nach 40-jähriger Immigration mächtig an authentischen Vorbildern für so genannte Gastarbeiter in gesellschaftlich höheren Positionen fehlt. Zwar kann Wien in Sachen Multi-Kulturalität eine Menge bieten, doch lässt sich wünschen, diese interaktiv zu gestalten und die Vielfalt als Selbstverständlichkeit genießen zu können.

Nein, nicht einzig die Gesellschaft kann man dafür verantwortlich machen. Ein politisches Verständnis der zivilgesellschaftlichen Förderung müsste wie das ABC des Alphabets in den Köpfen der Entscheidungsträger einer Stadtpolitik verankert sein. Gut formulierte und auf die Verwaltungsbasis fixierte/indizierte Formeln und Konzepte können keine zufriedenstellenden Antworten auf Knackpunkte und Fragen eines gesellschaftsbedingten Prozesses finden.

Kurzsichtigkeit ist das Schlagwort, mit dem man die Vorgehensweise der Stadtpolitik von Wien beschreiben kann. Einem Jugend-, Kultur- und Integrationsverein wie ECHO alle finanziellen Ressourcen von heute auf morgen zu streichen dürfte nicht im Sinne jugendkulturellen Austausches sein. Das Dilemma der Politik, die immer wieder gehörig auf die Schnauze fällt ? und dabei nichts lernt, bis auf neue Wege der Wählerstimmenmaximierung am politisch rechten Rand ? ist, selbst von ihr erzeugte Begriffe wie Diversität etc. mit willkürlichen und uncouragierten Umsetzungsversuchen zu beschmutzen und künftig unbrauchbar zu machen.

Der Verein ECHO gab kürzlich bekannt, seine vor zehn Jahren mit Ehrenamtlichkeit begonnene Arbeit im Sinne der Jugend und neuer Generationen auch heute und vielleicht wieder ausschließlich auf Volontärsbasis weiter zu führen, denn die Stadt (-politik) braucht auch morgen attraktive und zivilgesellschaftliche Bewegungen als Gegenpol und hoffentlich auch als Partner ihrer festgesessenen Regierungsapparate.

Ich verbleibe mit dem Wunsch auf eine lebendige Kulturstadt mit modern-demokratischer Politiklandschaft im Herzen Europas, anstatt einer Stadt der verstorbenen Kultur und alteingesessener Parteiapparatschiks.

Özden / Verein ECHO

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