Ein Fotomuseum für Österreich?

Seit einigen Jahren wird in der österreichischen Politik und der Kulturlandschaft des Landes die Frage verhandelt, ob Österreich ein vom Bund installiertes Fotomuseum braucht. Als Standort ist Salzburg im Gespräch. Carmen Bayer hat sich umgehört und konstruktive Kritik eingefangen.

Visionen für die Länder

Wie die türkis-blaue Regierung, sieht auch der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer den Bedarf, Bundessammlungen verstärkt in den Bundesländern zu streuen. Haslauer ist seit 2018 zuständig für die Museen in Salzburg. Nennenswert scheint dabei, dass er mit Christian Skrein vernetzt ist, dem in St. Gilgen am Wolfgangsee lebenden Künstler und Sammler. Skreins umfangreiche Sammlung wurde schon in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit einem Bundes-Fotomuseum gebracht. Mit Haslauer sitzt jetzt sein ehemaliger Anwalt an der Spitze der Salzburger Museumspolitik.

Hinzu kommt, dass in Österreich sehr gut ausgebaute und professionell betreute Fotosammlungen bestehen. Es stellt sich deswegen die Frage nach der Notwendigkeit eines eigenen Bundesmuseums.

Die Vielfalt des Mediums

Ein Blick über die Grenze zeigt, wie Fotokunst vertiefend und dennoch nicht von anderen Kunstformen isoliert, in den Mittelpunkt gestellt werden kann. Anstatt eines eigenen Museums wurde im Düsseldorfer Kunstpalast die Abteilung Fotografie neu installiert. Linda Conze, Fotohistorikerin und seit April 2019 Leiterin der neuen Sammlung ist stolz darauf, dass Fotografie endlich gleichberechtigt neben Malerei, Grafik und Skulptur ausgestellt wird.

In Salzburg nachgefragt

Als direkt Betroffene der aktuellen Debatte geben Salzburgs Kulturschaffende Einblick in Bedarf und Sinnhaftigkeit des Unterfangens, hinterfragen die Rolle moderner Museen und behalten die Regionen im Blick.

Salzburgs Kulturschaffende sind also Projekten gegenüber aufgeschlossen, welche die direkte Auseinandersetzung und Aufbereitung von Kunst und Kultur fördern. Was die Stimmung trübt, sind Unklarheiten über Finanzierung und die praktische Umsetzung. Die (inzwischen zweite) Machbarkeitsstudie wird im Sommer veröffentlicht. Über den Standort wird noch spekuliert. Geplant und durchaus sinnvoll scheint die Anbindung an das Salzburg Museum. Dort besteht bereits eine Fotosammlung. Dort gibt es verfügbare Ressourcen und Know-how.

Kooperationen und Kulturentwicklung

Fakt ist, dass die Reflexion und künstlerische Auseinandersetzung mit Fotografie in Salzburg auch ohne Bundesmuseum mit Institutionen wie dem Fotohof und der bestehenden Sammlung bereits gut aufgestellt ist. Ein von diesen Institutionen unabhängiges Bundesmuseum zu errichten, würde Unmengen an finanziellen Mitteln benötigen, deren Gegenfinanzierung bislang noch nicht offiziell geregelt ist. Warum also nicht bestehende Ressourcen in Kooperationen nutzen und aus dem Bundesmuseum einen Ort der Kunst, des Lernens und der Forschung machen?

«Das Museum sollte als Forum verstanden werden, in dem Geschichte und Zukunft einer Kunstform verhandelt werden. Ich sehe gerade im Salzburger Kulturentwicklungsplan (KEP) viele positive Ansätze, die in so eine Richtung weisen», so Zechenter.

Ort des Dialogs

Für Salzburg steht eines fest: Dem Vorhaben, der Fotokunst vertiefend Raum zu geben, steht die Community selbstredend freudig und zuversichtlich gegenüber. Einzig die Frage nach der konkreten Umsetzung hinterlässt noch so manch skeptisches Stirnrunzeln. Nicht außer Acht gelassen werden darf an diesem Punkt das Potential, welches ein Bundesmuseum in der Mozartstadt mit sich bringen könnte. Raffiniert umgesetzt kann das Zusammenspiel von Foto- und anderen Museumskünsten gelingen und aus dem Bundesmuseum ein Ort der Auseinandersetzung mit Foto- und digitalen Medien wie auch der Wissenschaft dahinter werden. Ein Ort der Offenheit und Kooperationen mit benachbarten Fotohäusern, der freien Kulturszene sowie der Medienkunst und Filmszene. Ein Ort des Dialogs.

Carmen Bayer, Soziologin und angehende Politikwissenschaftlerin, ist in der Salzburger Erwachsenenbildung tätig, wundert sich oft über gesellschaftliche Entwicklungen und schreibt darüber.

O-Töne

LINDA CONZE
« Erst seit wenigen Jahrzehnten muss die Fotografie sich nicht mehr rechtfertigen, sondern wird weltweit als Kunstform anerkannt. Sie nun wieder aus der direkten Nachbarschaft mit den anderen Künsten zu entfernen und zu isolieren, wäre aus meiner Sicht ein Rückschritt hinter die positiven Entwicklungen der letzten Zeit. »
Linda Conze ist Fotohistorikerin und seit April 2019 Leiterin der neu gegründeten Abteilung Fotografie am Kunstpalast Düsseldorf. Die Neugründung der Fotosammlung wurde möglich durch den Ankauf von über 3.000 Fotografien aus der Bestandssammlung der Galerie Kicken durch den Kunstpalast im vergangenen Dezember. 

KARL ZECHENTER
« Wenn wir an ein Bundesmuseum denken, müssen wir uns von der Vorstellung eines erhabenen Kunsttempels verabschieden. Die Fotografie braucht einen lebendigen Diskussionsort. Und es muss ein Haus für Foto und digitale Medien werden. Eine Touristenfalle, eventuell noch auf Kosten der Förderung von Salzburger Künstler*innen realisiert, ist sicher nicht im Sinn des kulturellen Programms, das sich das Land selbst gegeben hat. »
Karl Zechenter ist Künstler, Regisseur und Kurator und lebt in Salzburg. Er ist Gründungsmitglied der Künstler*innengruppe Gold Extra, die u.a. interdisziplinäre, Performance- und Media-Art-Projekte veröffentlicht. Er ist Mitglied des Landeskulturbeirats und seit 2016 Obmann des Dachverbands der Salzburger Kulturstätten.

INGRID WEYDEMANN
« Bedenken wir, dass Massentourismus in Städten immer mehr zum Problem wird, sollten wir damit beginnen, Touristenströme auch in die Regionen zu lenken.»
Ingrid Weydemann ist Museumsleiterin des Museum Fronfeste sowie Ausstellungs- und Kulturmanagerin KULTUR | plus, seit 2017 Vorsitzende des Salzburger Landeskulturbeirats, stellvertr. Obfrau des Landesverbands Salzburger Museen und Sammlungen und im Vorstand des Museumsbunds Österreich.

RAINER IGLAR
« Wir finden alles gut, was die Fotografie in Salzburg stärkt. Aber richtig aufgesetzt. »
Rainer Iglar (*1962) ist Fotograf und als Obmann des Fotohofs Salzburg sowie als Kurator und Verleger tätig. Er lebt in Salzburg und Wien.

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