Es muss was geben

Über die Anfänge der alternativen Musikszene in Linz schrieb Andreas Kump. Klemens Pilsl hat es gerne gelesen.

 

Der Untertitel sagt´s eh schon: hier geht’s um die Linzer Szene der 1970er bis 90er Jahre.

Ein Buch über das alte Landgraf, die alte Stadtwerkstatt und die junge KAPU. Ein Buch über Hausbesetzungen, Willi Warmer, das E-Schmid, Piratenradio, Geschlechterverhältnisse, Checker, Alkies und Target Of Demand.Soviel zum Inhalt.

ABER: was das Buch über den dokumentarischen Charakter hinaus zu etwas wirklich ganz Besonderem, sehr Gelungenem macht, ist die Form, die den Inhalt quasi verifiziert: im Sinne strengster Oral History hat Andreas Kump (Shy, Silverserver) die ProtagonistInnen der Historie auch zu den ErzählerInnen der Historie gemacht – und es funktioniert!

Kurt Holzinger, Gabi Kepplinger, Andreas Ehrenberger, Fadi Dorninger, Huckey Renner und viele andere erzählen eine alternative Stadtgeschichte – Andreas Kump hat lediglich die Auswahl und das Arrangement übernommen und sich jenseits jedes Betroffenheitsjournalismus vollkommen aus dem Buch und der Geschichte genommen. Dass sich die Interviewten teilweise widersprechen, teilweise von ihrer Vergangenheit peinlich berührt sind, manches sichtlich verklären oder ob des Zusammenbruchs alter Träume verbittert wirken, erhöht die Authentizität des Gelesenen und ermöglicht es, zwischen den Zeilen sowas wie eine tatsächliche Wahrheit rauszufiltern.

Für viele gegenwärtige AktivistInnen der Freien Szene (inklusive mir) ist das Buch vermutlich eine Zeitreise in die Frühgeschichte der eigenen Lebensumstände. Als (aus Buchperspektive) Spätgeborene wissen wir tatsächlich vieles nicht: dass die STWST mal so radikal war, die KAPU so unbedacht, die Mollys so wild und Hardcore so jugendlich (das mit dem Posthof haben wir aber schon immer geahnt). Das Buch ist also fernab nostalgischer Klassentreffenstimmung ein Augenöffner im besten Sinn – Linz erscheint plötzlich in einem ein klein wenig anderem Licht.

Um Welten besser gemacht als »Beende deine Jugend«, lesbarer als »Und wir bewegen uns doch« und überhaupt ein richtig geiles Buch.

Klemens Pilsl arbeitet in der KAPU/Linz.

http://www.esmusswasgeben.at http://www.myspace.com/esmusswasgeben

Es muss was geben Die Anfänge der alternativen Musikszene in Linz Aufgezeichnet von Andreas Kump ISBN 978-3-85252-840-3 Bibliothek der Provinz, 450 S. ca. € 28,-

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