Deal with it

„Ich bin alles. Ich bin sehr groß, auch sehr mächtig. Ich kann auch viel zu viel sein. Aber ich kann auch ganz klein sein. Ich bin alles, ich kann wirklich alles sein. 

Ich bin Mutter, Pflegemutter, Therapeut, großer Drogendealer gewesen. Ich bin ein wirklich guter Mensch aber ich kann auch das größte Arschloch sein.“

Andrea M. war Großdealerin in Wien. Im Jahr 2000 war sie Ende zwanzig und wurde für den Handel mit 1.000 Kilo Haschisch verurteilt. In diesem Podcast spricht hauptsächlich Andrea M., in manchen Episoden ihr Pflegesohn, die Produzentin Magda Woitzuk meldet sich selbst kaum zu Wort. Vorgelesen werden zudem Zeitungsartikel aus der jeweiligen Zeit. Sie verdeutlichen das Erzählte. 

Das Ende der Geschichte ist 20 Jahre her. Andrea M. sieht sich nicht als unschuldig verurteilt und spricht über eine Welt, die es so heute nicht mehr gibt, über Ehre, Gesetze und Loyalität, über enttäuschte Männer und furchtlose Frauen, über eine Erzählerin, die viele schöne Erinnerungen hat und gleichzeitig weiß, dass sie sehr viel verdrängt haben muss, um überhaupt darüber sprechen zu können. 

Mit ihrer rauchigen, angenehmen Stimme erzählt sie im Wiener Dialekt Episoden aus ihrem Leben und wie sie sich – beginnend im Rotlichtmilieu – zur Großdealerin hinauf arbeitet. In den 1980er Jahren nimmt sie Menschen, die HIV-positiv sind, ebenso in ihrer Wohnung auf, wie die Kinder ihrer kokainsüchtigen Schwester und immer wieder Schwerverbrecher, die ihr sowohl Bodyguard als auch Freund sind und die sie auch nach Haftstrafen entgegen aller Vernunft bis aufs Letzte schützt. Die Männer in ihrem Leben bringen sie oft in Schwierigkeiten. Aus Neugierde lässt sie sich bewusst auf sie ein und versucht zu verstehen, was hinter dem von Gewalt geprägten Männlichkeitsbild steckt. Ihre Beziehung schildert sie so: An einem Tag wird sie von ihrem Freund mit einer Waffe bedroht und geschlagen – am nächsten Tag sitzen sie verliebt da. Ihr ganzes Leben war von Extremen, Emotionen und Widersprüchen geprägt. 

Am Ende geht es auch darum, wie und in welcher Art ein Leben nach so einem Leben überhaupt möglich ist. Wie man sich, auch nach der Haft, in eine Welt eingliedert, der man nie angehört hat, weil man es nicht wollte.

Magda Woitzuck, Shit Happens. Erinnerungen einer Großdealerin, SWR2 Podcast, online unter → 

www.swr.de/swr2/hoerspiel/shit-happens-podcast-100.html

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