Banken, Politik, Kulturarbeit

Was haben Risikomanagement, Finanzmarktanalyse und Investment-Consulting mit der Produktion eines Off-Off-Theaters in einer Lagerhalle zu tun? Wenn es nach Elena Messners neuem Roman Nebelmaschine geht, deutlich mehr, als zunächst zu vermuten wäre. Dann nämlich, wenn ein Sumpf aus hochriskanten Immobilienspekulationen, falschen Beratungsleistungen und öffentlichen Haftungen dazu führt, dass ein Bundesland in eine finanzielle Krise gerät und in der Folge sämtliche Förderungen freier Kulturarbeit einstellt. Klingt gar nicht so weit hergeholt? Liest sich auch so.

Elena Messner beschäftigt sich in ihren Büchern mit gesellschaftlich bedeutsamen Themen, ob erzählerisch-fiktional mit Flucht und damit verbundenen Sehnsüchten und Ängsten (In die Transitzone) oder mit historisch-feministischem Anspruch als Herausgeberin der Anthologie

Warum feiern. Beiträge zu 100 Jahren Frauenwahlrecht. Nebelmaschine setzt diesen Weg weiter fort. Der Roman handelt von freier Theaterarbeit – einer Alltagswelt, die der Autorin offensichtlich gut bekannt ist. Ein Theaterprojekt irgendwo in der österreichischen Provinz ist in die Aufklärung eines veritablen Skandals involviert, der Politik und Finanzwirtschaft in ein wenig schmeichelhaftes Licht rückt. Die Rücksichtslosigkeit, mit der die Protagonist*innen Risiken ignorieren und aus vermeintlicher Unantastbarkeit Scheinwelten aufbauen, indem sie Millionen an Günstlinge verteilen, ist ebenso kunstvoll dargestellt wie erschreckend. Und sie ist unangenehm vertraut, erinnern doch die beteiligten Figuren an diverse Angeklagte aus den langjährigen Justizdramoletten der Republik.

Etwas in den Hintergrund tritt angesichts der Brisanz des berichteten Wirtschaftskriminalfalls die Geschichte der Figuren der «ersten Handlungsebene», allen voran jene der Tontechnikerin Veronika, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird. Sie gibt den Leser*innen Einblick in die Handlung, ihr Charakter trägt jedoch wenig zum Verlauf derselben bei und wird wohl deshalb auch nur zurückhaltend beschrieben. Für die Essenz der Erzählung ist dies nicht unbedingt notwendig, schön wäre es trotzdem gewesen.

Auf gut 200 Seiten liefert Elena Messner eine Geschichte, die inhaltlich aufregt, ohne stilistisch zu stark zu fordern. Eine Empfehlung für den Lockdown, auf dass er uns Zeit biete, den Systemwechsel voranzutreiben. Fangen wir mit der Verflechtung von Banken und Politik an.

Elena Messner, Nebelmaschine, edition atelier 2020, 216 Seiten.

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