Inszenierung in Wels

Wels ist eine besondere Stadt. Es gibt den Bürgermeister dort zweimal. Als Inszenierung und in Echt. Inszeniert hält er gern rührselige Reden, zum Beispiel am 5. September zum Internationalen Tag der Wohltätigkeit und des ehrenamtlichen Engagements. Er «danke den vielen engagierten Welsern, die sich jeden Tag für andere einsetzen, helfen und unsere Gesellschaft damit bereichern».

Zwei Tage vergehen, es ist der 7. September, Rabl ist wieder echt. Er lädt die Leute des Welser Freiwilligen- Projektes FreiRaumWels zu sich ein. Diesmal «dankt er nicht den engagierten Welsern», «die sich jeden Tag für andere einsetzen». Jetzt soll eine Rechnung beglichen werden. Im FreiRaum finden verschiedene Dinge Platz: die Radler*innen-Initiative, Selbsthilfegruppen, Sprachkurse, Künstler*innen, freitags ist er ein Jugendzentrum. Aber es gab auch anderes: eine Art Refugeecafé (böse) und Buchpräsentationen der Welser Initiative gegen Faschismus (extraböse). Nun hat der echte Rabl schon grundsätzlich mit allem ein Problem, was sich ihm nicht unterordnet, so stöhnt es sogar aus seiner eigenen Partei. Wenn’s dann gar Widerspruch gibt, ist der Ofen aus. Natürlich kann der echte Rabl das nicht öffentlich sagen, da muss der falsche vor: und zwar in seiner Lieblingsrolle als Sparefroh. Man könne sich den FreiRaum nimmer leisten, wegen Corona. Rabl habe tolle Ersatzlocations angeboten, aber die wollten die bösen FreiRaum-Menschen nicht. Nun habe sich ein anderer gefunden, der das Projekt weiterführe, zufällig ein FPÖ-Aktivist. Der neue Verein heißt FreiRäume – wahnsinnig originell. Und natürlich völliger Topfen. Zumindest die angeführten monetären Gründe. Allein die Adaption der neuen Räume würde mehr kosten als eine jahrelange FreiRaum-Miete.

Also gibt’s von uns dafür eine saftige Gnackwatsch’n. Und wenn wir die Hände schon aus den Hosentaschen haben: noch gleich ein fetter Applaus für den FreiRaumWels. Der sich nicht einschüchtern lässt, sondern weitermacht. Selbstfinanziert, zumindest so lange, bis die Rabls auch von den Wähler*innen eine hochverdiente Gnackwatsch’n kriegen.

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