Do kriagst a Wut

Eine Gnackwatsch’n für den Wutbürger

Nun wählen wir also noch einmal. Verdammt. Ein fragwürdiges Urteil des Verfassungsgerichtshofes verschafft dem schlechten Verlierer Hofer eine zweite Chance. Mit möglicherweise dramatischen Folgen, denn ein Bundespräsident Hofer wäre nach dem Brexit der zweite große Sieg des organisierten Wutbürgertums, das sich herz- und hirnlos anschickt, das Kommando zu übernehmen und die Welt ins Unglück zu stürzen. Trump, Wilders und Le Pen warten schon.

Aber wer zum Teufel sind diese Wutbürger eigentlich? Die Antwort macht wütend, denn der Wutbürger ist vor allem einmal eines: ein egoistisches Arschloch. Er tritt überall dort zutage, wo sich alte Wohlstandsversprechen langsam in Luft auflösen. Bis dahin war es ihm völlig egal, auf welchen Sünden sein Wohlstand aufgebaut ist. Er war nie wütend darüber, dass täglich Kinder wie Fliegen sterben. Er hat sich noch nie darüber echauffiert, dass sein Lebensstil den Planeten zugrunde richtet. Und natürlich war ihm völlig schnuppe, dass auch im eigenen Land ein Teil der Bevölkerung nichts vom Kuchen abbekam. Der Wutbürger ist der mittelständische Wohlstandsbauch, der ganz plötzlich Angst hat, auf Diät gesetzt zu werden. Und weil er das fürchtet, schlägt er um sich – im Internet und in der Wahlzelle. Nicht sehr intelligent, dafür umso lauter. Für Fakten oder gar Empathie hat sich der Wutbürger nie interessiert. Er wählt diejenigen, die seine Wut aufgreifen, artikulieren und gegen andere richten, am liebsten gegen Schwächere. Ob das Sinn macht oder fair ist, spielt keine Rolle.

Was den Wutbürger so gefährlich macht, ist aber etwas anderes: die gehörige Portion Dummheit, die sich zu seiner Ignoranz gesellt, denn der Wutbürger lässt sich nach Strich und Faden verarschen. Nur so ist zu erklären, dass eine FPÖ nach der Inkompetenz und der Selbstbereicherung in der schwarzblauen Regierung Nummer 1 ist. Nur so ist zu erklären, dass es die Kärntner Freiheitlichen überhaupt noch gibt, nachdem sie das Land in der Haider-Ära ausgeplündert haben und vor allem der Wutbürger gerade die Zeche dafür zahlen muss.

Niemand wählt so sehr gegen seine eigenen Interessen wie der Wutbürger und für einen stolzen Egoisten ist das schon ein verfluchtes Armutszeugnis. Zu einem existenziellen Problem für uns alle wird das erst, wenn der Wutbürger irgendwann die Mehrheit stellt und das scheint zumindest in Österreich kurz bevorzustehen. Deshalb noch schnell eine wütende Gnackwatsch’n, mehr fällt mir verdammt nochmal nicht ein.
 

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