Kunstförderung in Niederösterreich

In Niederösterreich wird Kunst im öffentlichen Raum mit Geldern von “Kunst am Bau” gefördert. Über Geschichte und Ablauf dieses Fördermodells hat KUPF-Redakteurin Ashurina Mikhaeel mit Katharina Blaas von der niederösterreichischen Landesregierung gesprochen.

„Kunst am Bau“ nennt sich eine Förderschiene, die an Ausgaben für Bauprojekte des Landes gekoppelt ist. In Oberösterreich sind beispielsweise 1,5 % der Baukosten für eine künstlerische Gestaltung aufzuwenden, wenn die Bauvorhaben mindestens zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. – wobei manchen der Eindruck entsteht, dass der Fokus hierzulande eher auf der Behübschung von Gebäuden liegt als dass kritische Auseinandersetzung angeregt wird.
Eine andere Grundlage gibt es in Niederösterreich: Fördergelder werden entkoppelt von Bauvorhaben jährlich in einem Pool gesammelt und für Kunst im öffentlichen Raum verwendet. KünstlerInnen setzen Projekte unabhängig von Bauten um. Verankert wurde das Modell 1996 im niederösterreichischen Kulturförderungsgesetz. Seither werden jährlich etwa zwanzig Projekte realisiert, auch in Zusammenarbeit mit Kulturvereinen und Gemeinden.

KUPF: Von wem wurde das Modell Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich ins Leben gerufen?
Katharina Blaas: Im Grunde genommen hat es mit der klassischen Kunst am Bau begonnen, wofür 1% der vom Land Niederösterreich gestellten Bausummen für Kunst zur Verfügung steht.
In Hamburg gab es schon in den 80er Jahren ein Modell Kunst im öffentlichen Raum für temporäre Projekte. Auch in Niederösterreich hat sich abgezeichnet, dass es interessant wäre, Projekte abseits von Architektur zu machen. So wurde 1996 – auf Initiative von KulturbeamtInnen und Politik – ein neues niederösterreichisches Kulturförderungsgesetz erlassen und ein Modell erarbeitet, das sich an Passagen aus dem Hamburger Modell orientiert.

Was macht die wesentliche Arbeit im Zusammenhang mit Kunst im öffentlichen Raum aus? Gibt es bestimmte Arbeitsabläufe, die immer wiederkehren?
Eine gesetzlich verankerte Jury wird von den BeamtInnen vorgeschlagen und durch Zustimmung der Politik für drei Jahre einberufen. Diese Jury diskutiert monatlich alle eingereichten Projekte. Dann werden mehrere KünstlerInnen zu Wettbewerben eingeladen, eine Ausschreibung erfolgt, nach drei Monaten gibt es eine Präsentation des Projektes. Das ist ein Ablauf, der hunderte Male schon gelaufen ist.

„Projekte werden nicht von uns ausgesucht, sondern dort realisiert, wo sie gewünscht sind.“

KünstlerInnen, DesignerInnen, ArchitektInnen sind alle involviert: Nach welchen Kriterien werden sie von der Jury ausgewählt? Gibt es Kunst, die besonders gefördert wird?
Nein, das ist immer projektbezogen. Handelt es sich beispielsweise um ein Mahnmal, werden Menschen eingeladen, die Erfahrung oder einen inhaltlichen Bezug zu diesem Thema haben. Bei solch großen Projekten muss man darauf achten, dass eine gewisse Professionalität mitgebracht wird, da es schließlich um viel Geld geht. Bei einem  kleinen oder temporärenProjekt laden wir oft auch Menschen ein, die weniger Erfahrung haben.

Wird jedes öffentliche Gebäude mit Kunst am Bau ausgestattet?
Nein. Es gibt kein direktes Projekt, das mit der Einzahlung in den Pool verbunden ist. Somit bleibt ein Budget, das für die Kunst im öffentlichen Raum zur Verfügung steht und je nach Bedarf eingesetzt werden kann. Es ist wichtig zu sagen, dass Projekte nicht von uns ausgesucht, sondern dort realisiert werden, wo sie  gewünscht sind. Damit zwingen wir niemandem etwas auf, das ist schon lange vorbei. Im Grunde ist es Steuergeld, das von uns verwaltet wird und schlussendlich den Gemeinden zugute kommen soll.

Haben sich bestimmte Bereiche wesentlich verändert oder verbessert durch die Entkoppelung der Fördergelder von den Bauvorhaben?
Man kann Themenschwerpunkte setzen. Der Spielraum ist größer. Wie bei einem Ausstellungsbudget für eine Kunsthalle oder ein Museum. Man hat jährlich das Gesamtpaket vor sich und entscheidet dann ungefähr, was man damit macht.

„In den anderen Bundesländern findet man vorwiegend Kunst am Bau, also eine starke Verbindung mit der Architektur.“

Ist auch Zusammenarbeit mit der Bevölkerung Teil der Projekte?
Ja. Vor allem bei temporären Projekten ist es meistens so, dass KünstlerInnen ihre Arbeiten für einen Ort machen. Oder politische Projekte, wie gerade in der Wachau eines stattfindet, mit einer Karikatur von John Heartfield, auf der Hitler zu sehen ist. Das ist ein, in der Bevölkerung, absolut diskursives Projekt. Vor Kurzem haben wir auch einen Platz im Weinviertel eröffnet, ein irrsinnig schönes Projekt. Zur Eröffnung gab es ein richtiges Volksfest. Das Dorf besteht nur aus 300 EinwohnerInnen und ich habe das Gefühl, die Hälfte war da. Ich bin mir ganz sicher, dieser Platz kann gut genutzt werden. Dann gibt es wieder Projekte, die mit einer Schule zu tun haben, aber mit dem Ort selber weniger. Also auch die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Was können Sie zu Kunst im öffentlichen Raum in anderen Bundesländern anmerken?
Ich habe vor Jahren ein Treffen ins Leben gerufen, bei dem die VertreterInnen aller Bundesländer einmal im Jahr zusammen kommen. Zuletzt war es im Juni in Graz. Da jedes Bundesland sein eigenes System hat, dient dieses Treffen primär dem Austausch. Wobei Niederösterreich, die Steiermark und Wien sehr ähnlich Kunst im öffentlichen Raum betreiben. In den anderen Bundesländern findet man vorwiegend Kunst am Bau, also eine starke Verbindung mit der Architektur. Vor allem in Vorarlberg gibt es dazu interessante Projekte.

Braucht es definitiv die Bereitschaft der Politik, so etwas zu fördern?
Unbedingt.  Ich finde, dass Kunst im öffentlichen Raum quasi ein Bildungsauftrag ist, da die Leute gezwungenermaßen auf Kunst stoßen, ohne ins Museum gehen zu müssen. Da alles im öffentlichen Raum passiert, erfahren die Menschen eine gewisse Bewegung im Geist, im Kopf und in der Wahrnehmung. Ich meine, man hat die Musik, das Theater, aber auch die Kunst, die bildende Kunst und das ist gut.

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