Kulturhäuser

Andi Liebl und Stefan Haslinger berichten von Kernpunkten und Wünschen zweier kulturpolitischer Diskussionen.

„Sie ham a Haus baut! Sie ham a Haus baut! Sie ham uns a Haus her baut!“ Was der fantastische Realist Arik Brauer hier so anklagend sang, war Kernpunkt und Wunsch zweier Diskussionen, die im Kontext der ,zuMUTungen‘-Diskussionen in Vorchdorf und Vöcklabruck stattfanden. Ein Bericht über die aktuelle Situation.

Nicht nur der Anfangsbuchstabe der beiden Orte lässt auf Gemeinsamkeiten schließen. Auch die bestimmende Thematik der Diskussionen war von frappanter Ähnlichkeit. Mit einem kleinen Unterschied. Vorchdorf hat ein Haus, das ein Kulturhaus werden soll, Vöcklabruck will eines.

Aber bleiben wir chronologisch. Am 18. 09. ’03 organisierte der KUPF-Mitgliedsverein „Guten Morgen Vorchdorf“ im Pfarrsaal eine kulturpolitische Diskussion. Unter der „Moderation“ von Stefan Haslinger wurden Themen wie: „Was ist Kultur? Welche Rolle hat Kultur für die Parteien? Was tut die Gemeinde für Kulturthemen abseits von Marktmusik und Heimathaus?“ be- und verhandelt. Warum Moderation unter Anführungszeichen? Weil er (ich) überfordert war, das Ganze in geordneten Bahnen zu halten.

Kitzmantelfabrik Vorchdorf Aber neben den oben angeführten Themen stach eines zentral heraus, bei welchem auch das konsensuale Schulterklopfen der Großparteien auf eine schwere Probe gestellt wurde. Kitzmantelfabrik. Die ehemalige Lederfabrik in Vorchdorf wurde von der Gemeinde gekauft, und im Zuge einer durchaus beispielhaften BürgerInnenbeteiligung wurde beschlossen, dass sie ein Kulturhaus werden sollte. Aber! Und dieses Aber schwebte als mehrere Problemfelder umkreisendes Fragezeichen ständig durch die Luft. Wann wird es fertig? Wer darf hinein? Wie wird es verwaltet? Welche Struktur? Welche Zuständigkeiten? Fragen über Fragen, und Antworten der Verantwortungsträgernvom Podium, die als wurmartiges Winden, aber nicht als Antworten gewertet werden konnten.

Es war der klassische Fall, dass es keine Antworten gab. Weil! Und hier äußere ich natürlich Unterstellungen: Weil es nicht vorne auf einer Prioritätenliste steht, und weil auch keine Einigkeit über die Umsetzung herrscht.

Kulturhaus Vöcklabruck In Vöcklabruck ist alles anders. Da wollen eh schon immer alle ein Kulturhaus, am allermeisten der Bürgermeister. Warum es trotzdem notwendig war, dass ein Komitee gebildet aus verschiedenen Vereinen, darunter auch das KUPF-Mitglied „4840 Kulturakzente“ am 23. 09. ‘03 mehr als 850 Unterschriften für die Errichtung eines solchen Hauses übergab, war die andere Frage. Aber in Vöcklabruck steht der Wunsch zur Zeit als zentrales Thema im Vordergrund. Was noch fehlt sind Konzepte und Umsetzungsstrategien.

Und jetzt? Die Wahlen sind geschlagen und die kulturfreundlichen Aussagen der Diskussionen vor den Wahlen sind in einem neuen Licht zu sehen. Sowohl in Vorchdorf als auch in Vöcklabruck hat sich die Zusammensetzung im Gemeinderat geändert. Grüne und Bürgerliste bekamen in Vorchdorf kräftig Stimmen und zogen jeweils zum ersten Mal und gleich mit zwei und drei Stimmen in den Gemeinderat. In Vöcklabruck gewannen die Grünen drei Stimmen dazu und sind nun mit fünf Stimmen im Gemeinderat vertreten. Jeweils zu Lasten von ÖVP und FPÖ. Wie sich diese kommunalpolitischen Verschiebungen auf die jeweiligen zukünftigen Kulturhäuser auswirken werden, wird sich erst zeigen.

In Vöcklabruck jedenfalls machte sich die bereits erwähnte unabhängige Plattform für ein offenes Jugend- und Kulturhaus daran zu schaffen, die Konzeptionierung des Hauses voranzutreiben. Natürlich ist damit ein schwerer Brocken Arbeit verbunden. Vor allem die prekäre Situation der einzelnen Initiativen, die dringend Raum für ihre Arbeit suchen, macht die Arbeit an einem Projekt, dessen Realisierung Jahre entfernt scheint, nicht gerade einfach. Von der Unterschiedlichkeit der Beteiligten ganz zu schweigen. Hier Ansätze zu finden, wie eine gemeinsame Programmierung und Verwaltung des Hauses passieren könnte und wie die optimalen Voraussetzungen in Form eines Hauses auszusehen haben und herzustellen sind, sind die spannenden und zentralen Fragen der näheren Zukunft. Auf Gemeindeebene mündeten die Anstrengungen der Plattform bereits darin, dass der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe Kulturhaus einsetzte.

Vorchdorf begibt sich derweilen in die erste Bauetappe in Sachen Kitzmantelfabrik. Die Räume für ein Jugendzentrum und einen Musikproberaum für die Marktmusik werden adaptiert. Alles weitere ist ungewiss. Konzepte wie zum Beispiel über die gesamte Finanzierung, Zugänge, Programmierung oder Verwaltung sind nicht auszumachen. Ob sich die BürgerInnenbeteiligung inhaltlich oder strukturell in der Revitalisierung der Kitzmantelfabrik wiederfindet ist ebenso ungewiss.

Ein Satz aus den Leitlinien zu besagtem Projekt jedenfalls stimmt skeptisch: „Professionelle Aktivierung und Frequenzsteigerung am Standort ohne dauerhaften Finanzmittelzuschuss der Gemeinde“. Andi Liebl’s Assoziation zu dieser Leitlinie: „Als ob gesellschaftliche Initiativen erst dann Sinn haben, wenn sie sich selbst tragen.“ Und als solche versteht er (ich) das Interesse, das hinter einem Kulturhaus steht, sehr wohl.

Andi Liebl. Stefan Haslinger

4840 Kulturakzente Vöcklabruck Guten Morgen Vorchdorf

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