… noch lange nicht Normalität

Über die Schwierigkeit grenzüberschreitender Kulturarbeit berichtet Bettina Mayr-Bauernfeind.

Obwohl oft nur einen Katzensprung voneinander entfernt, zählt die Zusammenarbeit von ÖsterreicherInnen und TschechInnen im Kunst- und Kulturbereich noch lange nicht zur Selbstverständlichkeit. Warum das so ist und wie grenzüberschreitende Kooperationen in
Zukunft weiter forciert werden können, darüber wurde bei einer zweitägigen Konferenz diskutiert. Vom 17. – 18. 10 2003 veranstaltete die Austrain Czech Cultural Cooperation (ACCC) in Bad Leonfelden eine Konferenz zur regionalen grenzüberschreitenden kulturellen Zusammenarbeit zwischen Oberösterreich und Südtschechien.

Neben der Präsentation von Projektbeispielen, einem Workshop zum Thema Fördermöglichkeiten bzw. Finanzen in der internationalen Projektkooperation, wurde bei der Konferenz auch über den Status quo grenzüberschreitender Zusammenarbeit diskutiert und wie diese in Zukunft weiter ausgebaut werden kann. Insgesamt nahmen an der Konferenz 172 Personen teil, von oberösterreichischer Seite kamen diese zum überwiegenden Teil aus dem Mühlviertel bzw. aus dem Zentralraum, von tschechischer Seite war vor allem die Region um Budweis stark vertreten.

Wie stark wird grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Kulturbereich derzeit betrieben? Die Konferenz verdeutlichte, dass Kooperationen über die Grenze hinweg zwar passieren, sich aber meist auf einige wenige Institutionen und engagierte Personen beschränken. Was fehlt ist Vernetzungsarbeit, die auf breiterer Basis stattfindet. Grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit zählt noch lange nicht zum Alltag, obwohl von beiden Seiten grundsätzlich großes Interesse vorhanden wäre – wie auch die hohe TeilnehmerInnenanzahl an der Konferenz verdeutlichte.
Im Bereich der Wirtschaft oder des Tourismus ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit bereits viel eher Gang und Gäbe. Dies hat mehrere Gründe.

 

Zum einen kosten grenzüberschreitende Kooperationen Zeit und Geld, beides ist im Kulturbereich meist nicht in rauen Mengen vorhanden. Die EU stellt für solche Projekte zwar Geldmittel zur Verfügung (vor allem über die Strukturfonds), doch die fördertechnische Abwicklung gestaltet sich oft schwierig und langwierig. Für die Einreichung eines Interreg-Projektes ist nach Erfahrung von Sylvia Amann, eine der OrganisatorInnen der Konferenz und Gründerin der EU-Förderberatungsstelle Inforelais, im Schnitt eine Vorbereitungsphase von 1,5 Jahren notwendig. Hinzu kommt, dass Fördermittel oft erst spät ausbezahlt werden und damit das Problem der Vorfinanzierung verbunden ist. Vor allem ehrenamtlich Tätige stellt dies oft vor unüberwindbare Probleme. Hierin sieht Sylvia Amann auch einen der Gründe, warum vor allem Kulturinitiativen – die zu einem überwiegenden Teil von Ehrenamtlichen getragen werden – in diesem Bereich nicht zu den dynamischsten zählen.

Besonderes Interesse an internationalen Kooperationen zeigen vor allem jene, die hauptberuflich davon leben, wie z. B. EinzelkünstlerInnen oder größere Institutionen. Erschwert werden österreichisch-tschechische Projekte auch durch unterschiedliche strukturelle Rahmenbedingungen: Die öffentliche Kulturförderung ist in Tschechien nicht so stark ausgebaut wie in Österreich. Hinzu kommt, dass das Lohnniveau in Tschechien wesentlich niedriger ist als in Österreich und das Erbringen von Eigenleistungen – das die EU vorschreibt – für die tschechischen ProjektpartnerInnen ungleich schwieriger ist. Nach wie vor existieren auch Grenzen im Kopf, die durch Diskussionen wie über Temelin oder die Benes-Dekrete weiter einzementiert werden. „Es ist schon seltsam, dass für die meisten OberösterreicherInnen etwa ein Tagesausflug nach Südtschechien – z. B. nach Krumau oder Buweis – nach wie vor nicht mit der Selbstverständlichkeit gemacht wird, wie etwa ein Ausflug nach Salzburg oder in ein anderes angrenzendes Bundesland“, so Sylvia Amann.

Wie als Kulturverein am besten vorgehen, wenn man/frau an einer Kooperation mit einem/r tschechischen ProjektpartnerIn interessiert ist? Am besten empfiehlt es sich klein anzufangen. Wichtig sind vor allem persönliche Kontakte und Face-to-Face-Treffen. Bei konkreten Projektideen bietet Sylvia Amann Information und Beratung bezüglich Förderungsmöglichkeiten an. Die Beratung ist für Kunst- und Kulturschaffende aus OÖ kostenlos.

Inforelais, Tel: 07235/660-5411; mail:office@inforelais.org mail:office@inforelais.org;

Bettina Mayr-Bauernfeind

Weitere Informationen zum Thema Finanzierungsmöglichkeiten

Kultur Kontakt Austria
fördert grenzüberschreitende Projekte mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa: z. B. Kunst-Kooperationen zwischen österreichischen und osteuropäischen KünstlerInnen, Unterstützung von Festivals, grenzüberschreitenden Symposien, Ausstellungen und Kulturwochen, …
 

4yougend
Hinter diesem Link findet man/frau nähere Informationen zum Jugendprogramm. Dieses Programm ist besonders zu empfehlen, da auch kleinere Projekte eingereicht werden können, die Abwicklung relativ unkompliziert ist und zudem Projekte, die in Zusammenhang mit Tschechien stehen, derzeit besonders gefördert werden.
Das Programm richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Gefördert werden verschiedenste Aktivitäten (z. B. Jugendbegegnungen, Projekte von Jugendlichen, die in irgendeiner Form etwas mit EU zu tun haben, …).

interreg
Auf dieser Seite findet man/frau Informationen zu allen Interreg III-Programmen mit österreichischer Beteiligung.

ACCC

Webpage der Austrian Czech Cultural Cooperation mit vielen interessanten Links und Informationen. Von der Webpage kann u. a. auch die Dokumentation der Konferenz in Bad Leonfelden abgerufen bzw. kostenlos (gegen Verrechnung der Versandspesen) ein Medienhandbuch bestellt werden, das einen Überblick über die tschechische u. österreichische Medienlandschaft bietet.

Inforelais,
Zahlreiche allg. Informationen zum Thema EU-Förderungen

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