6 Ideen, wie du dich fürs Frauen*volksbegehren stark machst

Im Sommer 2018* werden Unterschriften für das zweite Frauen*volksbegehren der Republik gesammelt. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Die KUPF unterstützt das Frauen*volksbegehren. Wiltrud Hackl und Kathrin Quatember sind Aktivistinnen für das Frauen*volksbegehren in Oberösterreich. Sie haben sechs Vorschläge, wie man sich engagieren kann.

 

Fast 21 Jahre nach dem ersten Frauenvolksbegehren 1997 sind die Forderungen noch immer aktuell. In Anbetracht der politischen Situation in Land und Bund und dem Versuch, durch Rückschritte etwa bei der Kinderbetreuung – Stichwort kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung und fehlender Rechtsanspruch – kommt dieses Volksbegehren genau richtig. Unter den Unterstützer*innen finden sich unzählige Kunstund Kulturarbeiter*innen. Und es ist eine Grassrootsbewegung. In allen Bundesländern haben sich Initiativen gegründet: Frauen* und Männer* aus NGOs, Kultur, Kunst, Politik und Privatpersonen. Die Menschen laufen, agieren, rufen, reden. Und machen die Notwendigkeit dieses Volksbegehrens sichtbar. Ob Frauen*volksbegehren-Stammtische in den Gemeinden, Diskursveranstaltungen, Filmabende, Fotoaktionen, Aktionistas*-Treffen in den Bundesländern, Koordinationsgruppen und Social Media Kampagnen, dem Start des Monats der Unterstützungserklärungen am 12. Februar ging Netzwerkbildung voraus. Auch in Oberösterreich sind Aktionistas* aktiv. Beteiligung ist ausdrücklich erwünscht! Doch was tun? Und wie? Um und Auf ist vor allem eines: Öffentlichkeit!

1 … im eigenen Umfeld:

Jede einzelne Stimme ist unverzichtbar. Das direkte Umfeld – seien es Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen – kennen wir am besten. Wir wissen, wie sie ticken. Wie und wo man einhaken kann, um sie zur Unterstützung zu motivieren. Hier ist es wohl am einfachsten, auch intergenerationell Zugang zu finden. Ruft Nichten & Neffen an, Eltern, Opas und Omas und vergesst nicht auf Cousinen und Cousins. Ihr werdet überrascht sein, welche positiven Feedbacks ihr bekommt. Ein einfaches «Hey, es gibt was zu tun, wir brauchen dich!», reicht oft.

2 … im Kulturverein:

Es findet in nächster Zeit eine Vorstands- oder Projektsitzung statt? Ein Konzert? Eine Vernissage? Eine Lesung? Es gibt Zeit und Raum, um zum Unterschreiben aufzurufen? Materialien aufzulegen? Das Frauen*volksbegehren sichtbar zu machen? Nutzen.

3 … mediale Öffentlichkeit:

Wesentliches Beteiligungsfeld sind die Social Media Plattformen. Bereits während des Monats für die Unterstützungserklärungen wurde öffentlich Druck aufgebaut. Auch hier und vor allem durch Menschen, die im Sinne und der Programmatik des Frauen*volksbegehrens argumentierten und Informationen zu den Forderungen und den Möglichkeiten der Unterzeichnung weitergaben.

4 … kreatives Sichtbarmachen und Sensibilisierung:

Die Öffentlichkeiten und Halböffentlichkeiten, die Kulturschaffende durch ihre Arbeit bedienen und erreichen, sind solidarischer als andere. Das Sichtbarmachen von Künstler*innen, das Zurverfügungstellen von Raum und Ressourcen und die Thematisierung von Geschlecht und Ungleichheit sind essentiell. Nur, wer sich der Ungleichheit bewusst ist, kann die Aufhebung selbiger unterstützen.

5 … über die eigenen Grenzen denken:

Die Erkenntnis, dass hier ganz unterschiedliche Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftspolitischen Ecken zusammenkommen und sich vernetzen, ist wertvoll. Nein, wir müssen das, was andere tun und denken nicht hundertprozentig mögen, lieben und herzen, solange wir uns wertschätzen und gesellschaftspolitisch gemeinsam etwas umsetzen und erreichen wollen. Und das riecht richtig gut nach Demokratie und Vielfalt!

6 … Kritik kreativ begegnen:

Viele Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen können mit Kummer und Rückschlägen ganz gut umgehen – wir waren nie wirklich everybody’s darling, oder? Deshalb ist es nicht nur wichtig, ein paar Zahlen, Daten, Fakten parat zu haben, mit denen Menschen begegnet wird, die mit Sätzen wie «Männer und Frauen verdienen doch längst das gleiche» oder: «Mütter sollen bei den Kindern bleiben», «Frauen und Männer sind halt anders gebaut» etc. dagegen halten. Sondern es gibt darüber hinaus etliche Texte, Theaterstücke oder Lieder und ganz wunderbare Kabarettist*innen, Sänger*innen etc. die behilflich sein können. Oder ihr schreibt mal selbst einen Rabeneltern-Contest aus. Und zur Erbauung, falls Mut und Zuversicht schwinden: Carolin Kebekus / Pussyterror schauen!

Es ist ein langer Weg in eine gerechte Gesellschaft und die Hindernisse sind aktuell eher wieder dichter gestreut. Umso wichtiger sind Volksbegehren wie das Frauen*volksbegehren 2.0, umso wichtiger ist zivilgesellschaftliches Engagement und umso wichtiger sind Initiativen wie Kulturvereine gerade in den Regionen. Denn dort wissen Aktivist*innen seit Jahrzehnten, wie Vernetzung und Zusammenarbeit geht. Und auch, was fehlt, um eine Gesellschaft zu etablieren, in der Arbeit und Macht gerecht verteilt werden, in der es keine Altersarmut gibt, in der Schutz gewährleistet ist und in der es selbstverständlich ist, gegen jede Form der Gewalt aufzutreten. Deshalb: Egal wie ihr’s macht, engagiert euch, seid freundlich zueinander und bleibt widerständig!

Wie und wo aktiv werden und Kontakt aufnehmen:

 

* EDIT: Der Termin wurde mittlerweile von Innenministerium für den Herbst 2018 festgelegt, die Eintragungswoche findet vom 1. bis zum 8. Oktober 2018 statt.

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