Ein medienpolitisches Symposium in Linz

Am 18. und 19. Mai diskutieren der Open Commons Kongress und die Medienkonferenz #mediana18 in Linz gemeinsam über Medienpolitik. Die Organisatorinnen Fanja Haybach und Magdalena Reiter im Gespräch.

 

KUPF: Der Titel des gemeinsamen Symposiums lautet „Vom demokratischen Auftrag medialen Diskurses“. Was ist darunter zu verstehen?

 

Magdalena Reiter: Beide Tage beschäftigen sich damit, wie wir mit unseren aktuellen Medien unsere Demokratie, die ja nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen wird, stabilisieren und kräftigen können. Der erste Tag widmet sich hauptsächlich unseren Wissensarchiven – seien es die Wikipedia, Bibliotheken, Mediatheken oder andere. Der zweite Tag beschäftigt sich mit unserer journalistischen Medienlandschaft.

Fanja Haybach: Durch Digitalisierung, neue Plattformen und neue Medien sind zunehmend auch netzpolitische Fragen Teil der medienpolitischen Regulierungen. Diesem Komplex an Fragestellungen widmen wir uns.

 

KUPF: Welche Bedeutung haben Archive für eine demokratische Gesellschaft?

Magdalena Reiter: Archive sind lebendige Träger unseres Wissens, unserer Kultur, unserer Praxis. In dem wir für uns wichtige Informationen archivieren, können wir nicht nur unsere Vergangenheit oder Gegenwart besser verstehen, sondern geben diesen Informationen auch die Möglichkeit, unsere Zukunft mitzugestalten. Unsere Archive prägen immer auch ein Stück weit unsere Zukunft.

 

KUPF: Wie hat sich diese Rolle durch die Digitalisierung verändert?

Magdalena Reiter: Die Digitalisierung hat die Zugänge zu Informationen drastisch vereinfacht. Informationen sind heute dezentral verfügbar. Das hat zwar den Vorteil, dass wir viel mehr Informationen in einer deutlich höheren Qualität bekommen. Gleichzeitig sind wir aber einer Flut von Informationen ausgesetzt, von denen viele falsch sind. Digitale Archive gehören deshalb ebenso kuratiert.

 

KUPF: Die mediana thematisiert den Public Service-Auftrag von Medien. Was bedeutet das und warum ist das Thema gerade jetzt so aktuell?

 

Fanja Haybach: Die Medienlandschaft verändert sich. Traditionelle Leitmedien verlieren an Bedeutung, Algorithmen und kommerzielle Interessen haben immer mehr Einfluss auf Meinungsbildungsprozesse. Gleichzeitig wird der öffentlich-rechtliche Sektor aktuell europaweit in Frage gestellt. Wir diskutieren den Public-Service-Auftrag der Medienlandschaft als Ganzes: Was können und sollen die drei Sektoren – der öffentlich-rechtliche, der privat-kommerzielle und der dritte Sektor der freien Community-Medien – zur politischen Meinungsbildung beitragen?

 

KUPF: Welche Rolle können die Freien Medien spielen?

Fanja Haybach: Die Freien Medien betreiben mit dem CBA (Cultural Broadcasting Archive) eine der ältesten Mediatheken Österreichs, bieten Menschen und Themen eine Plattform, die medial weithin unterrepräsentiert sind und vermitteln durch Aus- und Weiterbildung Medienkompetenz. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Medienvielfalt und zur politischen Willens- und Meinungsbildung.

 

KUPF: Was erwartet die TeilnehmerInnen konkret beim Symposium in Linz?

Magdalena Reiter: Der Open Commons Kongress schafft Raum für interessierte BürgerInnen, sich zu informieren und mit ExpertInnen direkt ins Gespräch zu kommen. Wir machen deswegen auch relativ großzügige Pausen, in denen viele Fragen gestellt werden oder Gespräche direkt beim Kaffee entstehen können.

Fanja Haybach: Maren Beaufort von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird bei der mediana einleitend auf den Programmauftrag der Freien Medien eingehen, Leonhard Dobusch, Mitglied des ZDF Fernsehrats, und Corinna Milborn, Info-Chefin bei Puls4, bringen die Perspektive der anderen Sektoren ein. Bei der mediana geht es um Qualität und Inhalte, netzpolitische Entwicklungen, Zugänglichkeit und Diversität. Wir besprechen auch Vorschläge wie den einer gemeinsamen digitalen Plattform oder eines öffentlich-rechtlichen Algorithmus. Abschließend diskutieren VertreterInnen aus Politik und Zivilgesellschaft über mögliche Lösungen.

 


Weiterlesen:

mediana.at, → opencommons.linz.at

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