Pangea – interkulturelle Medienwerkstätte

Warum es endlich mittelfristige Förderzusagen braucht weiß Andrea Mayer-Edoloeyi

 

2002 startete der Kulturverein Medea die interkulturelle Medienwerkstatt „Pangea„. Die Medienwerkstätte wurde aus dem Bedürfnis seiner NutzerInnen nach kreativer Ausdrucksfähigkeit jenseits von kulturellen und sprachlichen Barrieren heraus gegründet. Die Schwerpunkte liegen im Bereich Internet sowie in der Arbeit mit Audio, Video, Foto und darstellender Kunst. Jugendliche aus- und inländischer Herkunft haben die Möglichkeit, digitale Medien kreativ zu nutzen.

Besonders viele jugendliche MigrantInnen, die als AsylwerberInnen in Österreich leben, oftmals ohne ihre Eltern (sogenannte „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge„), nutzen dieses Angebot und haben so die Möglichkeit, übers Internet Kontakt mit Familie und FreundInnen aus dem Herkunftsland zu halten. Das stellt oftmals die einzige Möglichkeit dar, da gerade diese Jugendlichen kein Geld für einen eigenen Computer oder teure Telefongespräche zur Verfügung haben. Bei Pangea unterstützen MedienpädadogInnen die Jugendlichen bei Fragen am Computer, aber auch bei den alltäglichen Problemen. Im Rahmen kreativer Projekte und in Workshops erwerben die Jugendlichen Medienkompetenz.

Derzeit nutzen fast 200 Jugendliche aus 36 verschiedenen Ländern die Medienwerkstätte. Diese ist an 4 Tagen in der Woche abends geöffnet und betreut, die 10 Linux-Computerarbeitsplätze reichen meist nicht aus, da so viele Jugendliche kommen.

Kommunikation im Mittelpunkt Im Vordergrund der Arbeit von Pangea steht der Kontakt junger Menschen nicht-österreichischer Herkunft mit ÖsterreicherInnen und der Volksgruppen untereinander. Kulturelle Unterschiede werden transparent und durchaus kritisch beleuchtet und bearbeitet. Wichtig ist, dass die ausländischen Jugendlichen nicht nur innerhalb ihrer eigenen Herkunfts-Community verkehren, sondern lernen, sich in einer multi-ethnischen Gesellschaft zu bewegen. Sie werden sowohl mit der hiesigen Kultur, als auch mit der Kultur der anderer Länder konfrontiert. Ebenso können junge ÖsterreicherInnen in einem wertschätzenden Umfeld „fremde Kulturen„ kennenlernen. Pangea kooperiert im künstlerischen Bereich eng mit dem Kulturverein Medea, aber auch mit Organisationen wie Maiz, Volkshilfe, Radio FRO, etc. So wird die wichtige „Mischkulanz„ aus Sozialarbeit und Kunst gefestigt und stetig weiterentwickelt.

Geldsorgen als never ending story Seit 2005 wird Pangea als eigenständiger Verein geführt. Die Vorstandsmitglieder kommen aus dem Vereinen Medea und MAIZ. Die Verselbständigung der Medienwerkstätte wurde mit den FördergeberInnen abgesprochen und von diesen begrüßt. Doch so einfach ging es dann doch nicht über die Bühne. Pangea kostet Geld, auch wenn ausrangierte Computer mit dem kostenfreien Betriebssystem Linux verwendet werden, Raum, Strom, Organisation und professionelle Betreuung zu den Öffnungszeiten sind nicht umsonst, auch wenn die MitarbeiterInnen sehr schlecht bezahlt werden und viel ehrenamtliche Arbeit in die Medienwerkstätte investieren.

Förderstellen sind die Sozial-, Jugend- und Kulturabteilung des Landes. Andere Förderstellen tragen nur im Rahmen von Einzelprojekten etwas bei. Teilweise lebt, überlebt Pangea durch Preisgelder, so z.B. gerade durch den Interkulturpreis der SPÖ. Auch von der Stadt Linz wurden Pangea oder Projekte von Medea oder Pangea prämiert, Geld für die Struktur hat die Medienwerkstätte aber trotz wiederholter Ansuchen und mündlicher Zusagen der Sozial- und Jugendstadträtin Dr.in Ingrid Holzhammer noch nie bekommen. Durch einen Personalwechsel in der Sozialabteilung des Landes OÖ gibt es jetzt im September noch immer keine schriftliche Förderzusage für 2005, die Höhe der Förderung wurde auch noch nicht genannt. Die MitarbeiterInnen von Pangea rechnen derzeit jedes Monat aus, ob sie zusperren müssen oder ob ein Weitermachen möglich ist. Die permanenten Geldsorgen sind zeit- und kraftraubend. Pangea würde dringend längerfristige Förderzusagen brauchen, vom Land und auch von der Stadt Linz (die meisten NutzerInnen leben in Linz), doch ob das gelingt, ist von Monat zu Monat unklar.

Andrea Mayer-Edoloeyi

www.pangea.at

Andrea Mayer-Edoloeyi, Vorstandsmitglied von KUPF und FIFTITU%, studiert Theologie, Philosophie und Kunstwissenschaften.

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