Etwas vergessen?

Das Jubiläumsjahr 2005 mit all seinen Unsinnigkeiten holt sich seine Bestrafung

Das hat ja so kommen müssen. War wohl klar, dass die KUPF auch das wieder nicht stillschweigend hinnehmen wird können, und ganz im Gegenteil, angesichts der tendenz-revisionistischen Mystifizierungs-Versuche das Jahr 2005 betreffend, zu Bestrafungshieben ausholen wird.

60 Jahre II. Republik, 60 Jahre ÖGB, 50 Jahre Staatsvertrag und Unabhängigkeit, 50 Jahre Mitglied der Vereinten Nationen und in der Folge Beitritt zum Europarat, 50 Jahre Wiedereröffnung des Burgtheaters, 50 Jahre Wiedereröffnung der Staatsoper, 50 Jahre Fernsehen, 10 Jahre Mitglied bei der Europäischen Union vermeldet das offizielle Österreich als Feiergründe und lässt dazu Franz Morak auf der offiziellen Web-Site (http://www.oesterreich2005.at) erklären, dass dies kein Anlass zu einem nostalgischen Blick zurück ist, sondern eine einmalige Chance, das österreichische Bewusstsein in einem erweiterten Europa zu definieren. Grüß Gott!

Lernen wir also heuer, was das österreichische Bewusstsein ist. Wird wohl wieder nach Johann Strauss klingen: ?Glücklich ist, wer vergisst!? Nein! BK Schüssel hat in seiner Rede zum Auftakt des Jubiläumsjahres gleich die Antwort auf Morak parat: ?Das österreichische Wesen drängt nach Harmonie, Menschlichkeit und Augenmaß?. Grüß Gott!

Die Gnackwatschn ist verdient, das können wir getrost vorausschicken. Denn nicht nur, dass Geschichtsverklärung allerorten fröhliche Urständ‘ feiert, bringen auch noch eventmäßig erprobte Tausendsassas (Lorenz Graz 03) der Wiener Bevölkerung das Gefühl für Bombennächte näher, und in Zeltweg bringt sich im Juni das Bundesheer mit einem Großflugtag namens ?Airpower 2005? kritisch in die Diskussion ein.

Freilich fällt es leicht nur das „Unpassende“ herauszugreifen, um die Bestrafung zu legitimieren, aber es ist ja wohl nicht zu erwarten, dass Österreich es darauf anlegt, sich kritisch mit der eigen Geschichte auseinanderzusetzen. Jubiläen wollen schließlich gefeiert werden.
Umso mehr erschüttert es, dass gleich zwei Jubiläen im offiziellen Katalog keine Beachtung finden. Erstens der tausendste Geburtstag von Macbeth (obwohl natürlich dessen Bezug zu Österreich eher marginal war), aber zweitens, und für dieses Vergessen müsste es eigentlich doppelte Gnackwatschn hageln: Der 60er von Wolfgang Schüssel! Grüß Gott!

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