Verständnis für feministische Begriffe

entdeckt Eva Immervoll in Frigga Haugg’s „Historisch-kritischem Wörterbuch des Feminismus“.

 

„Worte sind Nahrung; wir verzehren sie, um uns und unseren Projekten Leben zu geben. Ein historisch-kritisches Wörterbuch ist heute notwendiger denn je, weil die wichtigen Begriffe immer Zeichen und Orte von Kämpfen sind.“ (Donna Haraway)

Wissen Sie eigentlich, was „geteronormativnost“ heißt? Nicht so schwer: Heteronormativität auf Russisch. Oder das chinesische Wort „xingbie quingxiang“? Richtig! Gender Mainstreaming. Ja, wir ahnen es, wir befinden uns in einem Lexikon, das ganz in der Tradition der marxistischen Theorie steht. Und alleine die Tatsache, ein kleines Sprachlexikon zu haben, gibt diesem Buch das Tüpfelchen auf dem i – ein Detail, für das ich Tage in diesem Buch schmökern könnte. Aber alles der Reihe nach. Seit 1983 – also seit Marx 100.Geburtstag – arbeiten Wolfgang Fritz Haug und Thomas Weber an der Herausgabe des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus. Von den geplanten 15 Bänden ist man nun letztes Jahr bei Band 6 angekommen.

Frigga Haug hat nun eine so genannte „Auskoppelung“ dieser Bandreihe herausgegeben, in der 45 Autorinnen Einträge für „praktizierende Feministinnen in Wissenschaft und Politik“ aus den ersten 6 Bänden zusammentragen haben. Die Mehrheit der in diesem Buch aufgehobenen Begriffe beziehen sich auf Kämpfe und Praxen der Frauenbewegung, wie doppelte Militanz, Frauenarbeitspolitik, Frauenhäuser, und auf feministische Wissenschaft wie feministische Theologie, Ethikdiskussion, Rechtskritik, oder Frauenstudien u.v.m. Hier wird grundlegendes Verständnis für feministische Begriffe, deren Geschichte sowie ihre Verwendung vermittelt, radikale Standpunkte vertreten und Kritik artikuliert. Genau das macht dieses Buch zu einer guten Übung/Schulung für die eigenen Argumentationen und hilft vielleicht bei der Klärung der eigenen Standpunkte. Ein richtig gutes Nachschlagewerk, das Einblicke in die Differenzen und unterschiedlichen Ansätze des Feminismus gibt. Es ist eines jener Büchern das klar aufzeigt, was alles getan und wie viel noch zu tun ist!

Frigga Haug (Hg.), „Historisch-kritisches Wörterbuch des Feminismus“, 680 S., Argument Verlag 2003, ISBN: 3-88619-295-4, Euro 19,50

Eva Immervoll

 

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