Liebe Kulturinteressierte!

Liebe Kulturinteressierte!

Wovon sprechen wir, wenn wir in der KUPFzeitung über Wirtschaft schreiben? Selten klären wir hier allgemeine Begriffe. Ich kann mich an keine Ausgabe erinnern, in der etwa eine Definition für Kultur vorgelegt worden wäre. Oder für Kunst. Und diesmal auch nicht für Wirtschaft. Dennoch wagen wir es, uns damit zu beschäftigen. Was also ist Wirtschaft?

Arbeitsplätze, Produkte, Handel, Wohlstand, Kapitalismus – das kommt einer dazu in den Sinn. Dabei ist Wirtschaft viel mehr: Heterodoxe – von der Wirtschafts-­Glaubenslehre abweichende – Ökonomie bezieht auch andere Sektoren mit ein in die Betrachtung. Sie nimmt auch reproduktive Arbeit (z. B. Windelwechseln) in den Blick, ebenso die nicht gewinnorientierte Wirtschaft (z. B. Altenpflege), die öffentliche Wirtschaft/den Staat (z. B. öffentliche Schulen), den illegal­-kriminellen Sektor (z. B. Schwarzarbeit, Korruption) und natürlich den profitorientierten Sektor («die Wirtschaft»). Auch wenn Arbeit nicht bezahlt wird oder keine materiellen Güter hervorbringt, trägt sie zum Bruttosozialprodukt bei. Eine Frau, die Kindern morgens ein Frühstück zubereitet, zieht die Arbeitnehmer/innen und Unternehmer/innen von Morgen groß. Der Mann, dessen Wäsche sie bügelt, erscheint mit einem gestärkten Hemd zur Arbeit. Und ja, hier greife ich heteronormativ und gendermäßig tief in die Klischeekiste, aber so stellt sich die Realität vieler Menschen dar. Jelena Gučanin weiß davon in der Emanzenkolumne ein Lied zu singen.

Auch Kulturarbeit ist eine solche, meist nicht gewinnorientierte Arbeit (häufig von Frauen verrichtet, wie Andrea Mayer­-Edoloeyi kommentiert). Dennoch trägt sie dazu bei – so die Aufgabe der Ökonomie im heterodoxen Wirtschaftsmodell –, alle Menschen mit Gütern und Dienstleistungen gut (!) zu versorgen und diese Versorgung zu reproduzieren. Zu einem guten Leben für alle gehören Kunst und Kultur.

In der vorliegenden Ausgabe der KUPFzeitung – meiner ersten als karenzvertretende koordinierende Redakteurin – haben wir uns dem Thema «Kultur und Wirtschaft» dennoch mit einem konservativen Wirtschaftsbegriff genähert. Wir erklären Ihnen, warum öffentliche Ausgaben für Kunst und Kultur eigentlich Investments sind – mit einer schönen Infografik, zum Weitererzählen und Kopieren. Unternehmer/innen verraten, warum Kultur wichtig für die Wirtschaft ist. Denn, wie Sie vielleicht gehört haben und Ihnen Thomas Diesenreiter erläutert, drohen dem Kulturbereich Kürzungen im Land Oberösterreich und, je nach Ausgang der bevorstehenden Nationalratswahlen, auch im Bund. Wir liefern eine weitere Fortsetzung der Reihe «Wie ist das so unter Schwarz­-Blau?». Verhandlungstipps für den Termin mit dem Finanzminister gibt uns ein Wirtschaftswissenschaftler. Er nennt uns ökonomische Argumente für öffentliche Kulturförderung.

Überlegungen zum Wirtschaftsstandort Österreich schweifen selten in die Sphären der Kultur ab. Dass auch Kulturpolitik Standortpolitik ist und welche Rolle Initiativen und Subkulturen abseits der Ballungsräume zukommt, erklärt Thomas Weber. Sein Beitrag ist das Ergebnis unserer Bitte, einen Blick in die Glaskugel zu werfen und sich die Zukunft der Kulturfinanzierung auszumalen. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur «am Land» regt auch das Festival der Regionen an. Für den künstlerischen Leiter Gottfried Hattinger war es seine letzte Festivalausgabe. Gemeinsam mit Susanne Blaimschein zieht er im Gespräch mit Christa Hager eine Zwischenbilanz. Die Regionen fördern soll auch das EU­Programm LEADER. Wie Kulturvereine und Kulturschaffende davon profitieren können, erklärt Alexander Staufer. KUPF-­Mitarbeiter und Staatspraktikant Thomas Auer hat zusammengestellt, welche Kulturinitiativen bereits mit LEADER arbeiten.

Erstmals ein Edithorial
Erstmals ein Edithorial

Kunst und Wirtschaft hängen auf vielfältige Weisen voneinander ab. Was dabei herauskommt, wenn Kunst sich mit Wirtschaft beschäftigt, zeigt Katharina Brandl in ihrem Essay über Kunst als Social Business.

Eine anregende Lektüre wünscht
Edith Huemer
für die Redaktion