Liebe Randständige und Zwischenzeitige!

Die Nische gilt als Ort der Selbstermächtigung und Identitätsbildung für die Kreativen und Subversiven. Doch nicht alle fühlen sich in ihrer Nische kollektiv gestärkt. Für viele ist sie ein Ort des (mehrfachen) Ausschlusses. Die Nische kann also sowohl Freiraum als auch Abstellgleis sein. 

Grund genug, einmal in die Nischen zu leuchten. So analysiert Peter Schernhuber am Beispiel des österreichischen Films, warum der Zerfall der Popkultur in eine Vielzahl von Nischen ein Umdenken in der Kulturszene notwendig macht. Im Gespräch mit Oona Valarie Serbest und Gerda Falkner untersucht Lisa-Viktoria Niederberger, ob die Verwendung des Präfixes ‹Frauen-› in der Kunst- und Kulturförderung eher als Ermöglichung oder als Verdrängung zu interpretieren ist. Eine positive Lesart der Nische vertritt Maria Dietrich (S. 20), die sie als notwendigen Schutzraum, Quelle von progressiven Entwicklungen und Zone des Ausprobierens betrachtet.

Auch die Salzburg-Redaktion greift das Schwerpunktthema auf: Carmen Bayer (S. 26) stellt anlässlich des 40-jährigen Bestehens der ARGEkultur fest, dass zwischen Nische und Mainstream viel Platz für gemeinschaftliche Tätigkeit bleibt. Wieviel Platz für Nischen die Digitalisierung in der Kunst- und Kulturvermittlung lässt, fragt die neue Kolumnistin Magdalena Stieb (S. 29).

Des Weiteren widmet sich diese Ausgabe den in OÖ anstehenden Landtags- und Gemeinderatswahlen. In seinem Leitartikel skizziert Thomas Diesenreiter (S. 5) ‹Visionen› für eine zukunftsfähige Landeskulturpolitik. Außerdem fragt der KUPF-Geschäftsführer den Grünen Kultursprecher Severin Mayr nach den kulturpolitischen Vorhaben der Grünen (S. 24). Gespräche mit den Kultur- und Mediensprecher*innen der anderen im Landtag vertretenen Parteien folgen in der Herbstausgabe. Über Kulturpolitik in der Stadt holt Sigrid Ecker die Kulturreferent*innen von Linz und Wels, Doris Lang-Mayerhofer und Johann Reindl-Schwaighofer, vor das Mikrofon (S. 22).

Darüber hinaus blickt Mario Friedwagner anlässlich des Kulturhauptstadtjahrs 2024 ins Salzkammergut (S. 14). Er sieht eine Chance für das weitere Gelingen des laufenden Prozesses im Lernen ohne autoritäre Expertise. Friedwagners Beitrag stellt den Start einer Reihe dar, die auch Außenperspektiven auf den Entwicklungsprozess der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 sammeln und uns in den kommenden Ausgaben kontinuierlich begleiten wird.

In der letzten Zeit haben wir uns mit Möglichkeiten beschäftigt, wie wir unsere Sprache präziser und diverser gestalten können: Einerseits erweitern nun – durch den Wettbewerb KulturX – neue Begriffe unseren Sprachgebrauch rund um Kulturarbeit, Vermittlung,´Kunst & Co. Andererseits haben wir uns nach der Auseinandersetzung mit dem Gendern vorgenommen: Texte in der KUPFzeitung werden ‹mindestens› mit dem Sternchen gegendert, experimentellere Möglichkeiten sind Willkommen und werden vor Ort kurz erläuert. 

Zu guter Letzt noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Mit Anfang Mai hat sich die Leiterin der KUPFzeitung, Katharina Serles, in die Karenz verabschiedet – jedoch nicht ohne uns noch über das Ergebnis des KulturX-Wettbewerbs (S. 8) und ihre Erfahrungen im Homeoffice zu informieren (S. 21). Bis zu ihrer Rückkehr wird Florian Walter ihre Agenden übernehmen. So lange sagen wir: Alles Beste, Katharina – du fehlst uns jetzt schon!

Bleibt widerständig,
die Redaktion

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„Nischen sind Gradmesserinnen der Toleranz und somit der evolutionären Entwicklung einer Gesellschaft. Ohne sie wird unsere Gesellschaft arm.“
Maria Dietrich im ‚Salon Sozial’ auf Seite 20

KUPFtalk: Kultur findet Stadt
Doris Lang-Mayerhofer und Johann Reindl-Schwaighofer im Gespräch mit Sigrid Ecker
Das gesamte Gespräch kann online nachgesehen und -gehört werden:
dorftv.at
cba.fro.at

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