Liebe Verdienende und Verschwendende!

Im notorisch unterfinanzierten Kunst- und Kulturbereich geht es immer wieder um das – weniger liebe als fehlende – Geld. Es wird geseufzt, gestöhnt, gefordert und protestiert, aber selten widmet man sich ‹dem Feind› und seiner Funktionsweise ausführlicher. Nach bald zehn Jahren Fair Pay-Kampagne und mitten in einer Krise, die das Prekariat verschärft und die Einkommensschere weit aufreißt, ist es also höchste Zeit, das Geldbörserl aufzumachen und genau hinein zu schauen: Was glänzt oder stinkt da? Wer hat wieviel davon? Und wer entscheidet das?

Barbara Eder holt erst einmal weit aus und zeichnet den Ursprung des Geldes und die Entwicklung in Richtung Ent-Stofflichung nach (S. 6 f.). Schnell wird deutlich, auf welchen Wolkengebilden unser Wirtschaftssystem baut. Dagrun Hintze (S. 25) und Elisabeth Burchhardt (S. 29) spüren der beschämenden und verschämten Kultur des Geld-Gebens und -Nehmens nach, die Tobias Habermayer dazu veranlasst, das Verschwinden des Geldes zu fordern (S. 11).

Keine Spur von Geld-Kritik in jenen Beiträgen dann, die sich mit dem Fair Pay-Diskurs, also einer gerechten Bezahlung im Kulturbetrieb, beschäftigen. Carmen Bayer fasst den Stand der Dinge zusammen (S. 14 f.), Wolfgang Richter hört sich diesbezüglich im Bereich der Bildenden Kunst um (S. 8 f.) – und im Gespräch mit Julia Müllegger diskutiert Gabriele Gerbasits, Mit-Entwicklerin der Fair Pay-Kampagne, wie wir vom bloßen Schlagwort nun zur Umsetzung kommen (S. 12 f.). Thomas Diesenreiter unterfüttert all das mit Fair Pay– Rechner und -Erhebung. (S. 19).

Auf der Suche nach alternativen Wegen der Finanzierung von Kulturarbeit stellt Christina Buczko die Gemeinwohlökonomie vor (S. 22 f.). Eine Streetview Deluxe erweitert den Blick auf innovative Konzepte und Strategien (vom bedingungslosen Grundeinkommen zur Genossenschaft, S. 10 f.) und Christa Hager schaut überhaupt ganz über den Tellerrand nach Frankreich, wo das Intermittence du Spectacle der traditionell unterbrechungsreichen Kulturarbeit buchstäblich Rechnung trägt (S. 16 f.).

Dass auch die Corona-Krise Auswirkungen auf unsere Kontostände und Arbeitsverhältnisse hat, ist unverkennbar. Die genauen Konsequenzen für Angestellte und Arbeiter*innen, Frauen und Sexarbeiter*innen – und die notwendigen Schlussfolgerungen – thematisieren folglich Nicole Schöndorfer (S. 10), Jelena Gučanin (S. 11) und die anonyme Sexkolumne (S. 31). Da sich seit der Herbstausgabe alles mögliche geändert hat, drucken wir zudem die Visualisierung der Corona-Hilfsmaßnahmen für Kulturvereine und -arbeiter*innen in aktualisierter Form wieder ab (S. 26 f.). Maria Dietrich schließt einen Wunsch an Corona-bedingte Hilfszahlungen an, der hier wiederholt sein soll: Mögen sie «in das Miteinander investiert werden» und in «den Zusammenhalt einer vielfältigen, bunten und pluralen Gesellschaft» (S. 23).

In diesem Sinn ist KUPFzeitungs-intern auf etwas hinzuweisen: Es gibt einen Neuzugang: Tanja Fuchs alias Abu Gabi wird künftig die Musikkolumne bespielen, die vielversprechend S_ll_br_ch_st_ll_n heißt. Wir freuen uns auf disruptive Beobachtungen zu musikalisch / künstlerischen ‹Genresprengungen›!

Geldbörserl zugemacht, Zeitung ausgelesen und es steht fest:
Wir sollten die Welt regieren!
Katharina Serles für die Redaktion

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