Vom Lernen des Teilens

Es ist der zweite Teil einer Trilogie, die sich mit Commons beschäftigt – also mit Ressourcen, die uns allen zugänglich sind und die wir gleichberechtigt verwenden dürfen. Ein geschultes Auge bemerkt dabei vorranging eines rasch: Dass die Autor*innen Silke Helfrich und David Bollier keinen Unterschied zwischen endlichen und unendlichen Ressourcen machen. Also zwischen solchen, die physisch beispielsweise als Ackerland, Wasser oder Nahrung vorhanden sind und mit denen wir bedacht haushalten müssen. Und solchen, die virtuell sind, wie Wissen, kulturelle Bausteine oder Code, die wir unendlich oft teilen können, ohne dass sie dabei weniger werden.

Es wirkt beinahe wie Fahrlässigkeit, diesen Aspekt einfach auszuklammern, haben doch Expert*innen unterschiedlichster Bereiche in den letzten Jahren viel Energie für die Erklärung aufgewendet, welche Kraft solche unendlichen Ressourcen für eine Gesellschaft in sich tragen. Von dieser Kraft zeugen sogar globale Beispiele wie die Wikipedia.

«Die Welt der COMMONS – Muster gemeinsamen Handels» hebt diese Trennung aber bewusst auf. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, der aber genau deswegen nähere Betrachtung verdient. Denn das Buch beleuchtet vor allem die menschliche und individuelle Ebene des Teilens und berichtet vom Handeln der Protagonist*innen und ihren Erfahrungen mit Kooperation. In den rund vierzig Geschichten kommen viele Individuen selbst zu Wort – von Helfer*innen, die mit Open Street Map nach dem Erdbeben in Haiti offenes Kartenmaterial zur Verfügung stellten, bis hin zu den Initiator*innen der Otelos (der offenen Technologielabore) in Oberösterreich. Es sind Menschen, die mit ihrem Handeln unsere Gesellschaft ein Stück freier und offener gestalten. Sie schaffen Zugänge für die Mitglieder ihrer Gemeinschaft oder aber auch für jene, die noch nicht Teil davon sind, aber partizipieren möchten. Beinahe ausschließlich ist das, was sie als Gemeingüter mit anderen teilen, ein Verbund aus physischen UND virtuellen Ressourcen. Auf den zweiten Blick wirkt es also scharfsinnig, die Diskussion einmal weg von den Dingen, die wir teilen wollen, hin zu dem Akt des Teilens an sich zu lenken. Was nämlich offensichtlich wird: Teilen ist zwar menschlich, aber etwas, das wir immer wieder üben und kultivieren müssen, damit wir wissen, wie es gelingen kann und manchmal sogar, damit wir keine Angst davor haben. Vorbilder dafür findet man in dieser Lektüre jedenfalls genug.

Silke Helfrich, David Bollier, Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns, ORT 2015, ISBN 978-3-8376-3245-3

 

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