MIRIAM – Von Wegstrecken bis Summerau96

Katja Hallerim Gespräch mit dem Mitgliedsverein Miriam.

 

Es hatten sich einmal zwei gefunden: Manuela Mittermayer und Erich Klinger. Nein, kein Märchen soll hier erzählt, sondern ein Verein portraitiert werden, der seit 2005 Mitglied der KUPF ist und den Namen “Miriam” trägt, die aramäische Form von Maria. Hier allerdings erschließt sich der Name aus “Meinungsvielfalt und Information über Radio und Internet in alternativen Medien'”.

Ihr beschäftigt euch mit alternativen Medien und macht auf Radio FRO 105.0 MHz Sendungen.
MM: „Wir haben den Verein 2003 gemeinsam gegründet. Der Schwerpunkt liegt in der Radioarbeit, weil das eine Zugangsform ist, die kaum etwas kostet, weil wir beide bereits darin Erfahrung hatten und weil uns Radio Spaß macht.”
EK: „Die Sendung „Wegstrecken” ist ein Informationsmagazin für autofreie Fortbewegung und soll eine Meinungsplattform sein. Zusätzlich haben wir zwei Diskussionsveranstaltungen – zum Thema Rad fahren und zur Linzer Verkehrspolitik – durchgeführt. Für September planen wir eine weitere Veranstaltung zum Themenkomplex „Autofreie Stadt”. „Summerau96” ist ein Magazin mit breitem Themenspektrum: Kulturpolitik, Veranstaltungsankündigungen, Glossen, Texte, Buchrezensionen. Den Schwerpunkt bildet die Literatur.”

Die obligate Frage: Wie finanziert sich der Verein „Miriam”?
MM: „Eine Art der Finanzierung war, dass „Wegstrecken” als „Pilotprojekt” über das Verkehrsressort des Landes OÖ und über Sendungsaufträge für den OÖ Verkehrsverbund umgesetzt wurde. Die meiste Arbeit passiert ehrenamtlich.”
EK: „Bei den Wegstrecken-Sendungen gibt es mittlerweile keine Einnahmen mehr. Für die Diskussionsveranstaltungen gibt es eine Art Zuschuss, der die Fixkosten der Veranstaltungen abdeckt. Für „Summerau96” und die Lesereihe „zuHören” gibt bzw. gab es Förderungen.”

Was ist das Besondere an den Sendungen?
EK: „So eine Sendung wie die „Wegstrecken” gibt es sonst in Österreich nicht. „Summerau96” ist eine Sendung, wo vorwiegend AutorInnen live im Studio lesen. Das ist mir wichtig, weil das eine ganz eigene Atmosphäre ist. Obwohl es sich um Lesungen in einem Freien Radio handelt, bekommen die AutorInnen ein Honorar dafür.”

MM: „Beim Durchführen der Lesereihe „zu- Hören” war mir besonders wichtig, dass auch unbekannte AutorInnen einen Platz und dafür genau das gleiche Honorar bekommen. Natürlich trifft man eine gewisse Auswahl, aber die Zugangsmöglichkeit ist
offener und freier.”

Ihr seid ein Verein zur Förderung der Medienvielfalt. Engagiert ihr euch medienpolitisch?
MM: „Nicht in Form von öffentlichen Statements oder mittels theoretischer Auseinandersetzung, sondern dadurch, dass wir die Radiosendungen machen und dort Randthemen Platz geben. So versteh ich es.”

Worin seht ihr die Relevanz von Freien nichtkommerziellen Medien?

MM: „Experimentieren können. Es ist im Unterschied zu herkömmlichen Medien ein Raum, wo Leute aktiv aufgefordert werden, Ideen zu entwickeln, Diskussionsprozesse in Gang zu setzen.”
EK: „Es gibt eine theoretische Bedeutung als Gegengewicht zu vorherrschenden Meinungen, als Platz für Meinungen, die nicht besonders geschätzt sind, weil sie unangenehm sind. Im Praktischen schaut es meines Erachtens so aus, dass die tatsächliche Bedeutung von solchen Medien, egal ob Zeitungen, Internetforen, Freie Radios nicht sehr groß ist, weil man zum Großteil nur die Leute erreicht, die sowieso schon sensibilisiert sind.”

Wie nehmt ihr die oberösterreichische Medienpolitik wahr?
EK: „Ich nehme Medien und deren Verflechtungen wahr. Da schaut es in OÖ nicht besonders gut aus. Es gibt eine Ballung von InformationsträgerInnen, die keine Alternativen zu gängigen Meinungen bieten. Es fehlt eine konstante und wirklich mit politischer Gewichtung versehene Alternative dazu. Ich würde mir ein unkompliziertes Förderungsmodell für alternative Medien wünschen, wo diese nicht jedes Jahr aufs Neue ansuchen müssen. Es sollte selbstverständlich sein, dass eine möglichst breite Zahl von Meinungen existiert, nicht nur in Nischen. Es braucht Meinungsvielfalt, die so groß sichtbar wird, wie sie vorhanden ist.”
MM: „Und dafür braucht es mehr unkompliziertes Geld für Projekte, die viele unterschiedliche Leute und Meinungen miteinbeziehen, vor allem auch unbequeme.”

Vielen Dank für das Gespräch.

mailto:redaktion@wegstrecken.at

Wegstrecken ist jeden 3. und 5. Dienstag im Monat von 19:00 bis 20:00 Uhr und ”Summerau96” jeden 2. Mittwoch im Monat von 19:00 bis 20:00 Uhr auf Radio FRO 105.0 MHz im Großraum Linz zu hören.

http://cba.fro.at

Katja Haller ist Programmkoordinatorin bei Radio FRO 105.0 MHz.

 

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