Springreiten

Doch noch eine Hürde hinter dieser Kurve? Zum KUPF-Innovationstopfes 2001 schreibt Tania Araujo

 

„DaSein”, so der Titel des letzten Innovationstopfes (IT), widmete sich speziell der Kulturarbeit von MigrantInnen. Von den jurierten Projekten sind schon einige in der Phase der Realisierung.

Im ersten Zwischenbericht zum Stand der Dinge beschreibt Tanja Auraujo die Hürden, die für die ProjektträgerInnen zu nehmen waren und sind.

Die Subventionswege für die Realisation kultureller Vorhaben von MigrantInnen können mit einem Springreiten verglichen werden. Selbstverständlich gibt es vor dem Start eine Vorauswahl: nicht alle die es vorhaben, entsprechen den Voraussetzungen bzw. reichte die zur Verfügung stehende Summe von 1,25 Mio. nicht den Bedürfnissen (6,2 Mio.) Kurz nach dem Start stolpern schon die ersten MitreiterInnen über auftauchende Hürden. Weitere, unterschiedlichster Schwierigkeitsstufen, werden folgen.

Die erste Hürde heißt Ausschreibung. Die Reichweite der Ausschreibung wird durch einige Faktoren bedingt, die den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber im Fall Innovationstopf 2001 ist von Wichtigkeit mindestens zwei Aspekte unter die Lupe zu nehmen. Erstens: Aufgrund mangelnder gesicherter Infrastrukturen befinden sich MigrantInnenvereine sowie deren Räumlichkeiten und ihre, zum großen Teil ehramtlichen MitarbeiterInnen in ständigem Wechsel. Das bedeutet, dass sie über übliche Benachrichtigungswege wie Brief, Telefon und E-mail nicht regelmäßig zu erreichen sind. Zweitens fehlen von Seiten der meisten MigrantInnen die sprachlichen Voraussetzungen, um die Ausschreibungs- und Subventionsfachsprache zu entziffern. Einige der MitreiterInnen werden vom Rennen ausgeschieden.

Die Hürde „Formulierung eines Antrages” nähert sich. Die Herstellung eines Antrages ist ein Lernprozess: eine gute Idee bildet keine Garantie für einen guten Antrag, anhand mittelmäßiger Ideen kann jedoch ein guter Antrag erarbeitet werden. Die Beherrschung der Sprache, die Kenntnisse über „Mode-Themen und -Formen”, die klare Formulierung der Ziele und die Möglichkeit, die Informationen über Jurymitglieder entsprechend zuordnen zu können sind u.a. wesentliche Aspekte, die nicht immer berücksichtigt werden. Da beim IT ’01 die Hauptzielgruppe unter den MitreiterInnen von MigrantInnen gebildet wurde, war die nicht bekannt gegebene Möglichkeit, den Antrag in einer nicht deutschen Sprache zu schreiben, eine Hürde im Rennen, die nicht hätte sein müssen.

Die auszufüllenden Formulare nähern sich als Hürde mit Wassergraben. Die Amtssprache ist für viele der MitreiterInnen nicht zugänglich. Alle die bis jetzt mitgeritten sind, befinden sich in der Zielgeraden und der Durchführung des Projektes steht keine Hürde mehr im Weg. Doch Halt! Es ist noch nicht soweit: die Selbstverständlichkeit der Vorfinanzierung schmeisst einige aus der Bahn. Kleineren Vereinen und Einzelpersonen bereitet die Verzögerung bezüglich Auszahlung große Schwierigkeiten in der Einhaltung ihres Terminplanes. Ohne Geld kein Projekt. Die Durchführung verspätet sich aufgrund der Auszahlungsverzögerung, aber die Frist für die Abrechnung des Projekts rückt immer näher. Doch noch eine Hürde hinter dieser Kurve?

Die MitreiterInnen sind erschöpft. Pause und Boxenstopp. Bald geht das Springreiten weiter.

Tania Araujo

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