Vamos a la Playa

meint Rubia Salgado angesichts des Umgangs mit öffentlichem Raum

Das Leben menschlicher Wesen im öffentlichen Raum ist nicht gleich das Leben menschlicher Wesen im öffentlichen Raum, wenn den menschlichen Wesen nicht gleiche Rechte und Ansprüche anerkannt werden. Eine im Prinzip sehr simple Feststellung im Vergleich mit dem Klugen, das gedacht, ausgedacht, formuliert und gesagt werden kann. Eine Feststellung, die überflüssig wäre, gäbe es nicht den Schrei der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit der praktischen Ebene dieser sprachlichen Formulierung. Der Schrei der Wirklichkeit, der wirklichen Handlungen Wesen menschlicher Natur. Der Schrei, der flüstert, schreit, beschimpft, empört, abschreckt, anekelt. Die Handlungen und ihre Hintergründe. Die Rechtfertigungen und ihre Erklärungen.

Das Leben im öffentlichem Raum und ihre Bedingungen. Ich rede von Menschen, nicht von Hunden und dergleichen. Ich rede über Recht, Vergnügen, Freizeit und Rassismus. Ich rede über einen Fall, eine Situation. Über einen Ort, der hier ist, ganz in meiner Nähe, Ottensheim, ein Fall, der überall in diesem Land in ähnlichen Formen passiert, tagtäglich im Leben der MigrantInnen in diesem Land. Ein Freizeitgelände. Schön, sehr schön, eine wunderschöne Wiese, meinen fast alle. Auch wir gehören zu den fast allen. Auch wir finden den Park schön, auch ich könnte das Gelände schön finden und regelmäßig dort meine Freizeit verbringen. Regelmäßig am Wochenende, die Kinder, das schöne Badetuch, die kühlen Getränke, eine Melone in der Kühlbox, abwartend, mein Biß in die Melone. Auch wir haben Zähne und beißen gern in frische Melonen, auch in Melonen, die nicht mehr so frisch sind, aber so kühl, so frisch aus der Kühlbox an einem sonnigen Wochenende, an einem schönen Badestrand. Also: genug Aufklärungsarbeit: auch wir gehen gern zu Badestränden, Parks, in öffentliche Anlagen, ins Theater, ins Museum, und und und. Und Schluß. Schließen werdet ihr uns den Zugang nicht können. Paßt auf, sonst kommen noch mehr Sanktionen!

Die räumlichen Bedingungen und die Einschränkungen im öffentlichen Raum dieses Landes. Verbotene Orte, unausgesagte Regeln, je nach Situation doch deutlich ausgesagt. Unterschwellig ausgesagt, wie im Fall Ottensheim und seinem schönem Freigelände, das laut Meinung einer Mehrheit der Ansässigen nur für sie geschaffen wurde. Unausgesprochene Regeln und Kontrollen, die uns MigrantInnen den Zugang zu bestimmten Orte untersagen. Ausgrenzung, rassistische Ausschlußmechanismen, die uns in unserer Bewegungsfreiheit einschränken. Und da ich doch für eine kulturpolitische Zeitung schreibe: wie schaut die Situation im Kulturbereich aus? Wie viele Badestrände der Ausgrenzungen in Kulturlandschaft? Wo fließt das Wasser hin? Wer darf hineinspringen? Sich auf die Wiese hinlegen und die Landschaft mitgestalten? Ich habe keine Lust diese Fragen allein zu beantworten.

 

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