Kultur und Beschäftigung – Lebenserfahrung zählt

Erfahrungen mit einem EU-Projekt

 

Das Projekt VERENA I – VErmittlung REgionaler Kultur und NAtur wurde im Rahmen des EU-Programms Leonardo da Vinci vom Verein Eisenstraße und dem Museum Arbeitswelt für die Region Pyhrn-Eisenwurzen entwickelt. Als PartnerInnen traten Organisationen aus Frankreich und Deutschland mit ähnlichen sozialen, wirtschaftlichen und naturräumlichen Ausgangssituationen auf.

von Judith Cerwenka

Ziel des Projektes war es, dem strukturellen Wandel in drei europäischen Regionen mit einer innovativen Bildungs-massnahme regionalpolitisch zu begegnen. In einem halbjährigen, berufsbegleitenden Kurs erarbeiteten Personen, die schon im Tourismus tätig waren (ausgebildete NationalparkbetreuerInnen, StadtführerInnen) oder Personen, die diese Tätigkeit anstrebten (Arbeitslose, WiedereinsteigerInnen, StudentInnen) neue Methoden, um dem Gast die Heimat-Region mit Herz, Hand und Hirn näher zu bringen.

Die Ausbildung in Oberösterreich umfasste ausführliche inhaltliche Informationen über Regionalgeschichte, regionale Besonderheiten (wie etwa den Nationalpark Kalkalpen) sowie die Zusammenhänge zwischen Natur- und Kulturraum. Der zweite Schwerpunkt lag bei den Methoden der Kultur- und Naturvermittlung. Ergänzend wurden Rhetorik und Kommunikationstechniken vermittelt. Um während der Ausbildung, die insgesamt 240 Unterrichtsstunden umfasste, das theoretisch Erlernte praktisch zu erproben, entwickelten die TeilnehmerInnen in Kleingruppen Angebotspakete für vorher definierte Zielgruppen. Im Rahmen der OÖ. Landesausstellung 1998 konnte ein Probeeinsatz stattfinden. Ein wichtiges Detail der Maßnahme ist das Bestreben der Bedarfsgerechtheit, die sich durch das Einbinden von WIFI und Wirtschaftskammer OÖ von Anfang bis zur Zertifizierung widerspigelt.

Der Ansatz, bewusst auf die Lebenserfahrung der TeilnehmerInnen als wertvolle Ausgangsqualifikation zurückzugreifen, ermöglicht es auch benachteiligten Gruppen (Wiedereinsteigerinnen, ältere Arbeitnehmer, Arbeitslose), Zugang zu (Teilzeit-)Arbeit zu finden. Hierin, im Zusammenhang von Kultur und Natur und in der spielerischen Aktivierung der BesucherInnen als neue Vermittllungsmethode, liegen die Gründe des besonderen Interesses aus Brüssel und deren große Anerkennung des Projektes. Ermutigt durch die Erfolge in den drei Partnerregionen, das Lob aus Brüssel, aber auch in der Erkenntnis, dass spezifische regionale Rahmenbedingungen noch in einem zu geringen Ausmaß berücksichtigt werden konnten, wurde ein Multiplikatorprojekt auf Basis der Ergebnisse von VERENA I beantragt und bewilligt. Dieses wird sich mit der Adaptierung der Module für andere europäische Regionen, der Vergleichbarkeit von Lehrplänen und einem EU-Diplom auseinandersetzen .

Die Ergebnisse aus VERENA II werden dann unter Aspekten der Kultur-, Bildungs-, Regionalentwicklungs- und Beschäftigungspolitik beleuchtet und zu einer überregional nutzbaren/übertragbaren Grundlage für die Ausbildung von regionalen Kultur- und Naturvermittlern zusammengefasst.

Infos: Udo B. Wiesinger (Wissenschaftlicher Leiter im MAW, Projektleitung verschiedener EU Projekte: Leonardo, Raphael, NEKTAR). Museum Industrielle Arbeitswelt Steyr, A-4400 Wehrgrabengasse 7. Tel: ++43 (0) 7252 77351 – 23, Fax: ++43 (0) 7252 77351 – 11. Email: udo.wiesinger@museum-steyr.at Web: http://www.museum-steyr.at

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