Zum Nachtisch gibt’s Krebs

Der Lutz ist beileibe kein B-Promi. 98 % der Österreicher kennen ihn und das ist sogar mehr, als der Bundespräsident von sich behaupten kann. Die meisten haben ihn schon mal in einem seiner Häuser besucht, obwohl eigentlich fast jeder behauptet, ihn nicht zu mögen. Der Lutz ist nämlich lauter als alle anderen. Und er nervt. Im Fernsehen, im Radio, auf Plakaten und im Internet. Überall ist der Lutz und seine schräge Familie hat er auch immer dabei. Jeder kennt sie und keiner mag sie. Wie die Flicks, nur noch erfolgreicher. Das Geheimnis vom Lutz ist seine Unersättlichkeit. Angefangen hat er wie die meisten Großen als ganz Kleiner. Und gewachsen ist er, in dem er andere Kleine gefressen hat. Verspeist mit Haut und Haaren. Schnell hat er festgestellt, wie gut das schmeckt. Und er hat weitergefressen. Und weitergefressen. Und weitergefressen. Wie die Raupe Nimmersatt. Nur verwandelt sich der Lutz nicht in einen Schmetterling, sondern frisst einfach weiter. Seit 40 Jahren nun schon. Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ganze Landstriche frisst er leer. Wie ein Heuschreckenschwarm. Nur, dass der Lutz keine kleinen Häufchen hinterlässt, sondern große hässliche Häuser. Als in Österreich alles aufgefressen war, ist er über die Grenze nach Bayern und frisst seither dort munter weiter. Der Lutz hat sich so viel einverleibt, dass heute nur mehr der schwedische Elch größer ist als er. Jemand, der soviel frisst und wächst muss klarerweise ganz besonders auf seine Linie achten. Und das hat der Lutz echt drauf. Sobald ein großer Happen runter ist, erstellt er gleich einen Diätplan, um trotzdem schlank zu bleiben. Ausführen müssen den vor allem seine Angestellten und das sind Zehntausende. Da geht’s um Gehälter, um Arbeitszeiten und um Flexibilität. Der Lutz stellt deshalb auch am liebsten geringfügig Beschäftigte an. Und wenn die Arbeiterkammer dann nicht aufpasst, kann es passieren, dass die auf einmal nur 11 Monatsgehälter bekommen, anstatt 14. Beim Lutz ist eben alles XXL, auch der Schlankheitswahn. Der Verdi aus Deutschland kann ein Lied davon singen und konnte den Lutz deshalb von Anfang an nicht ausstehen. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn sich einer seiner Angestellten mit dem Verdi anfreundet und dem Lutz bei seinem Diätplan reinreden will, dann kann der Lutz richtig unangenehm werden. Manche Freunde vom Verdi gehen ihm so auf die Nerven, dass es ihm sogar einen Haufen Geld wert ist, sie aus dem Betrieb zu kaufen. Schlechte Nachrede ist ihm meistens egal. Damit aber zumindest ab und zu etwas Nettes in der Zeitung steht, spielt der Lutz immer wieder den Gönnerhaften. Das geht ganz leicht, denn wie bei jedem großen Fressen, fallen auch von der Tafel vom Lutz manchmal ein paar Krümel herunter. Die schickt seine Marketingabteilung dann gerne nach Afrika, um zu zeigen, dass der Lutz eh gar nicht so ist wie der Verdi immer behauptet. Oder sie verteilt sie an Hochwasseropfer. Dass Moral beim Fressen trotzdem keine Rolle spielt, hat der Lutz in Linz eindrucksvoll bewiesen. Denn der Vielfraß frisst im Nebenberuf auch Immobilien und auch da ist sein Appetit grenzenlos. Als dem Krebs das Wasser bis zum Hals stand, hat der Lutz nicht etwa geholfen, wie es seine Werbung ganz groß hinausposaunt hat, sondern die Gelegenheit genutzt und den Krebs vor die Tür gesetzt. So traurig das ist, alles Jammern und Zwicken wird da nix nutzen. Der Lutz ist einfach schon zu groß, um sich davon beeindrucken zu lassen und offenbar hat er andere Pläne. Vielleicht kriegt ja der Erich nun doch noch sein Radtourismus-Hotel samt Souvenirshop. Bis es soweit ist, trinken wir weiter Bier und um schon mal etwas Dampf abzulassen, kriegt der Lutz für seine Scheinheiligkeit eine kräftige Gnackwatsch’n. XXL selbstverständlich.

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