Wider die Lethargie!

Sofern es sich um Leuchttürme handelt, taugt Kulturpolitik sogar für den Wahlkampf. Ob Musiktheater oder Gustav Klimt-Zentrum in Schörfling: Es wird mit Fototermin hergezeigt, was zum Herzeigen geschaffen wurde. Alles ist erleuchtet, wohlig hell und gut geölt: Ist das etwa alles, was uns von der Kulturpolitik bleibt? Wir werden uns nicht damit abfinden!

Initiative Kulturarbeit ist zum überwiegenden Teil von Freiwilligkeit und Idealismus getragen. Das wissen wir nur zu gut. Wir wissen, belegen und argumentieren, dass Kulturarbeit Arbeit ist, gesellschaftlichen Mehrwert schafft und hierfür tragfähige Strukturen notwendig sind. Wie wir trotzdem erfahren müssen, lassen sich mit den aktuellen, noch dazu eingefrorenen Kulturförderungen so gut wie keine neuen Strukturen aufbauen oder bestehende weiterentwickeln. Ja, von völligem Stillstand kann zwar nicht gesprochen werden, aber KUPFzeitungsartikel aus dem Jahr 1997 ließen sich gut und gerne ohne inhaltliche Abstriche hier nochmals abdrucken – wie @otre richtig angemerkt hat.

Was sich allerdings Mitte der 90iger noch als „autonom“ bezeichnet hat, kann dies heute nicht mehr ohne weiteres: Selbstausbeutung und Optimierung sind längst keine Randerscheinungen mehr, genau so wenig wie das Unterhaltungsevent zur weiteren  „Kunstprogrammfinanzierung“ oder – wenn überhaupt vorhanden – die billige Teilzeitkraft mit dem Wunderwuzzijob. Capitalism everywhere? Der neoliberale Druck ist zweifelsohne auch im initiativen Kulturbereich groß, genauso wie – erfreulicherweise – die Findigkeit damit umzugehen und auf Spannung [1] zu bleiben. Spannend ist auch, wie sehr mittlerweile der gemeinnützige, kommerzielle und öffentliche Kultursektor – bsp. in biographischen Lebensläufen – verquickt sind [2]. Da passt es gut ins Bild, wenn die europäische Kulturförderung zukünftig gemeinsam mit der Kreativwirtschaft auf das „Kreative Europa“ abzielt. Mit anderen Worten: Hier kultur-infarktgefährdeter Stillstand, dort leistungsorientierte Umbrüche und allerorts neue, hybride Akteurinnen.

Auf diese Entwicklungen zeitgemäß zu reagieren, ist die große Aufgabe für eine Interessensvertretung wie der KUPF. Eine Aufgabe, auf die wir heuer den Fokus legen und auf die Fragen zuspitzen: Welche neuen Akteurinnen binden wir mit ein und welche Themen – Stichwort Netzkultur [3] – sind akut? Wie lassen sich neue kulturpolitische Strategien entwickeln oder kulturelle und mediale Strukturen aufbauen? Letztlich die Kernfrage: Wie können wir Wandel herbeiführen? Kulturarbeit heißt bekanntlich auch Grenzen zu verschieben: Eine Eigenschaft, die jetzt im Wissen gefragt ist, dass wir mit bloßer Kritik nicht weiterkommen werden. Es wartet viel Arbeit auf uns, das Neue angemessen zu erfassen und wieder wirkmächtiger zu werden. Wahrscheinlich müssen wir hierfür neue Bündnisse schmieden oder Trojanische Pferde bauen.

In diesem Lichte setzen wir uns intensiv mit den europäischen Strukturfonds – allen voran LEADER – auseinander und arbeiten gemeinsam mit „Innovationspartisaninnen“ vor Ort daran, diese für kultur- und zivilgesellschaftliche Initiativen zugänglicher zu machen. Diese EU-Töpfe sind nämlich darauf ausgelegt, tragfähige Strukturen unter Einbindung der Bevölkerung aufzubauen. Ein Aspekt, dem wir nicht nur diese Ausgabe widmen, sondern den wir am 23. November beim „Offcamp“ vertiefend mit allen Interessierten diskutieren wollen und schon jetzt herzlich dazu einladen. Wider die Lethargie!

 

[1] Vgl. Rubia Salgado in „Kultur, Arbeit, Misere“: „Es geht darum, auf dem Weg [zum Hegemonialen] Spannung zu schaffen; sich in Spannung zu bewegen.“
[2] Vgl. Kulturpolitische Mitteilungen, Zeitschrift für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft. Nr. 139
[3] Die KUPF unterstützt den Netzpolitischen Konvent der Österreichischen Zivilgesellschaft, hier geht’s zur Petition:  http://npk.servus.at/

 

 

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