Es mag wie Sisyphosarbeit ausgesehen haben, war aber viel zu nützlich

Gaspoltshofen liegt mitten im Hausruckviertel. Und der Kulturverein spielraum liegt mitten in Gaspoltshofen. Und dieser Artikel liegt mitten im Kulturverein spielraum. Auf, auf.

Kråmer für Herz & Hirn
Eine Plackerei ist es, so einen Kulturverein zu etablieren, davon können die Damen und Herren von der KUPFmitgliedsinitiative spielraum gaspoltshofen Geschichten erzählen, dass einem die Ohren schlackern. Geklappt hat’s trotzdem, die haben halt auch nicht locker gelassen. Und jetzt werken sie mittlerweile schon seit 25 Jahren als hausruckviertler KulturnahversorgerIn. Aber im Frühling 2013 wird es plötzlich eng, der Vermieter des Gebäudes, in dem sich der spielraum befindet, will nicht mehr vermieten, sondern verkaufen. Man erschrickt, die Finger der öffentlichen Hand kommen ins Spiel und der Schreck ist wieder vorbei. Schauen wir uns das mal an.

Nach der letzten Vorstellung
Die Leute haben sich Fernseher gekauft und das Landkino Mader in Gaspoltshofen hat keine Filme und keine Wochenschau mehr gezeigt. Irgendwie schade, aber irgendwie auch gut so. Denn dadurch hatte das junge theater 15 Jahre später ein Plätzchen, wo es seine Stücke aufführen konnte. Und weil es nicht nur Theater gibt und man in so einem alten Kino allerhand anstellen kann, wurde im Jahr 1988 der Verein junge kultur gegründet. Das hört sich jetzt recht einfach an. Denkste.
Fünf Jahre ziehen ins Land und die junge kultur gaspoltshofen rackert sich an den Prüfungen von Land und Gemeinde, die sie regelmäßig von A über Y nach B schicken, die Hirne schwielig. Verbissen muss man sein und Überzeugung muss dahinterstehen und Herzblut drinstecken. Doch was lange währt, wird endlich gut – 1992 wird das Stück «Die Heirat» von Gogol aufgeführt und Land & Gemeinde geben ihren hartverdienten Segen für das Projekt Kinosaal Mader. Es geht ans Eingemachte und Handfeste. Das alte Landkino wird umgebaut und für die Zwecke des Kulturvereins adaptiert. Das dauert dann eineinhalb Jahre und mehr als 5.000 freiwillige Arbeitsstunden. Die Zeit muss man sich erst mal abzwicken von seinem Alltag, bitteschön.

Ein rollender Stein, über den man sich freuen kann
Am 29. September 1994 findet schließlich und endlich die erste Veranstaltung im umgebauten Kino statt. Und ab da geht’s rasant weiter. Dachte man im mittlerweile umbenannten Verein spielraum gaspoltshofen erst noch unschuldig an zwei Veranstaltungen im Monat, waren es derer ruck-zuck sechs bis acht. Die Programmpalette verhielt sich wie Germteig und bestand bald aus einer Unzahl von Bereichen, wie Film, Musik, Literatur, Kinderkultur, Theater, Eine-Welt, Kabarett, Volkskultur. Was als mühselige Arbeit überzeugter und engagierter EnthusiastInnen begonnen hatte, ist im Lauf der Jahre zu einem durchorganisierten Kulturbetrieb geworden. Da schaute auch das Land Oberösterreich nicht schlecht, das ja hinter dem spielraum immer eher ein Strohfeuer befürchtet hatte.
Die Gemeinde Gaspoltshofen erklärte sich bereit, die Mietkosten für das Gebäude zu tragen, der spielraum übernahm die Nebenkosten. Ach, diese Harmonie. Und der Kontinuität des Kulturbetriebes ist es natürlich sehr zuträglich, wenn man ein eigenes Gebäude hat, um das herum sich ein fixes Netzwerk von OrganisatorInnen, ArbeiterInnen und Künstler-Innen bilden kann. Das hätte ewig so weitergehen können, tat es jedoch nicht und ist trotzdem nicht weiter schlimm.

Vermieter jun. macht Wirbel
Auf Forderung des Landes belief sich der Mietvertrag für das Landkino Mader zwischen Gemeinde und Besitzer auf 20 Jahre. Und wie es sich mit der Zeit nun mal so verhält, sie vergeht schneller, als man denkt und 20 Jahre hören sich lang an, aber, siehe da, im Frühjahr 2013 waren sie auch schon vorbei. Wär jetzt auch keine große Sache. Nur war das Gebäude mittlerweile nicht mehr im Besitz des ursprünglichen Vermieters, sondern des Juniors. Und der hat etwas andere Vorstellungen, kommt mal eben mit einer fünffachen Mieterhöhung daher und bei Gemeinde und spielraum reißt es allen die Guck auf. Eine gewisse Unsicherheit macht sich breit, andere Möglichkeiten des Fortbestandes des spielraums ohne sein schönes Haus werden diskutiert und als zu kostenintensiv verworfen und dann kommt es doch anders. Denn der Junior bietet der Gemeinde das alte Landkino Mader zum Kauf an.
Und weil die Gemeinde den spielraum mag und weil der spielraum ein Aushängeschild für die Gemeinde ist und weil sie überhaupt alle gut zusammenarbeiten, nimmt die Gemeinde 150.000 Euro in die Hand und das Land Oberösterreich, das sich in dem Fall nicht lumpen lässt, ebenso und das Gebäude wird gekauft. Schön ist das. Der spielraum gaspoltshofen bleibt, wo er ist. Und nachdem die Gemeinde keine Pläne hat, das Gebäude irgendwie anderweitig zu nutzen, wird das auch noch lange so bleiben.

Und wie geht’s weiter?
Wie bisher. Der spielraum gaspoltshofen knallt seine Veranstaltungen raus und die Gaspoltshofner-Innen und die Leute aus der Umgebung gehen hin. Und alle freuen sich, dass alles so gut geklappt hat.
Noch besser wär’s nur, wenn öfter und auch andernorts alles so gut klappte und wenn sich öfter und auch andernorts alle freuten.

Der Autor dieses Artikels ist mit Berger Lois, Klinger Ottilie und Spitzer Franz vom spielraum gaspoltshofen in einem Kaffeehaus gesessen, hat sich allerhand erzählen lassen und einen großen Espresso getrunken. Dann hat er noch eine Privatführung durch das Kinoptikum in Gaspoltshofen bekommen. Sehr zu empfehlen. Danke nochmals.

→ spielraum.at
→ ooemuseumsverbund.at/museum/292_kinoptikum_gaspoltshofen

 

 

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