Hier regiert das Kollektiv—5 Jahre zach records

Im handelsüblichlichen Normalfall sind Plattenlabels als Ich-AGs strukturiert. Nicht so der KUPF Mitgliedsverein zach records, die dieser Tage fünf Jahre alt werden: Hier regiert das Kollektiv. Und niemand aus dem Kollektiv heißt Zach.

 

Mühselig, anstrengend, zäh – oder eben, im oberösterreichischen Slang, zach [za:ch] heißt der Zustand, der dem Label den Namen gab. Ins Leben gerufen wurde zach als Selbsthilfe-Organisation für Musikerinnen, denen der als Verein strukturiertes Label die Rahmenbedingungen für Platten- und CD-Veröffentlichungen zur Verfügung stellt. Netzwerke sollten geschaffen werden, die dem lokalen, dem regionalen und dem überregionalen Kreativpotenzial eine Öffentlichkeit herstellt – bzw. eine Gegenöffentlichkeit zum öden Mainstream.

Konkreter Auslöser und somit der erste zach- Release war die erste Platte der Freerockband Tumido (Gigi Gratt & Bernhard Breuer) plus Poetry von Stefan Rois. Aus diesem Anlass formierte sich der Verein zach aus den Mitgliedern Tom Grüner, Stephan Blumenschein, Mario Stadler, Manuel Mitterhuber, Birgit Kuntner, Sabina Köfler, Niki Haider und Rainer Druckenthaner; Mario und Manuel als Studiobetreiber, Sabina als Grafikerin. Später gesellten sich Gigi Gratt, Stefan Rois und Christoph »Fizl« Stadler dazu. In Zeiten der offenbar auch im Kunstbetrieb allmächtigen Betriebswirtschaft demonstriert zach, dass es – wenn auch mit minimalem Budget – auch anders geht, und zwar besser. Und gerechter sowieso: »Unser Prinzip«, erklären die beiden Gründungsväter Blumenschein & Grüner im Gespräch mit dem freiStil- Magazin, »war und ist es, alle Einnahmen aus Subventionen u.a. Förderungen zu hundert Prozent an die Künstlerinnen weiterzugeben«. Gerät eine Produktion – sie wird mit 2.000 Euro kalkuliert – billiger als erwartet, geht der Überschuss an die Musikerinnen, wird sie teurer, müssen sie etwas drauflegen. So bereichert sich niemand an der Arbeit der anderen. Allerdings geraten auch Bands und Labels in prekären Verhältnissen, also im Normalfall, durch öffentliche Stellen zunehmend unter Druck. Sie verknüpfen Subventionen immer penetranter mit dem Erzielen von Einnahmen. Eine absurde, in Wahrheit zynische Praxis, die faire Verhältnisse untergräbt und sie der Geschäftemacherei unterwirft.

Zwölf Releases wurden bis dato realisiert, u.a. welche von Delilah, Gigi’s Gogos, Fang den Berg, dyas, Braaz, Ni, MenKillingMen, Bulbul & Tumido und zuletzt First Fatal Kiss. Die nächsten beiden Platten sind ebenfalls bereits fixiert: ein Solo des Bassisten Manfred Hofer, eine Trilogie, deren erster Teil auf Stefan Parnreiters aRtonal-Label herauskam; und eine CD der neuen Combo Zavocc. Ein Vertrieb für zach wurde bislang nicht aufgetrieben. Allerdings funktioniert das Mailorder-System tadellos, außerdem unterhält zach gute Kontakte zu den Linzer Interstellar Records und zur Berliner Dense Promotion. Die Arbeit von zach beschränkt sich indes nicht aufs Studio, sie erklimmt auch die Bühne. So wurden, in Kooperation mit der Stadtwerkstatt Linz, die »zachgeburten« aus der Taufe gehoben. Musikerinnen aus dem zach-Umfeld konzertieren hier im Monatsrhythmus, und zwar ausschließlich in neuen Konstellationen. Im April dieses Jahres wurde dafür sogar die Linzer Eishalle frequentiert, Titel: »Eis mit Stil«. Sechs Mal fanden diese Improvisationen resp. spontanen Konzepte bisher statt, unvermindert ist die Lust an der Fortsetzung.

Dieses Jahr feiert zach sein fünftes Bestandsjahr. Das mündet einerseits in die Compilation des ersten zach-Samplers – quasi eine Leistungsschau mit durchwegs bislang nicht veröffentlichtem Klangmaterial. Und zweitens in ein entsprechend rauschendes Fest im Jänner 2011. Wer zach kennt, weiß, dass dafür nicht einfach drei Bands engagiert werden, sondern etwas spezielles geplant ist. Ganz im Sinn der Labelphilosophie, die als Charakteristika die Eigenschaften spartenübergreifend, multistilistisch und pluralistisch auf die Fahnen geheftet hat.

Tom Grüner und Stephan Blumenschein sind einer Meinung darüber, dass nach fünf Jahren ein spannender Punkt erreicht sei, an dem über vieles diskutiert werde, was bislang unhinterfragt praktiziert wurde. Innerhalb eines Kollektivs entwickeln sich Diskussionen über den Ist-Zustand und die Perspektiven freilich mühsamer (= zacher) als in steilen Hierarchien. Unschätzbar bleiben indes die Vorteile, etwa jener, dass sich zwei bis drei Leute aus Zeitmangel aus dem Betrieb ausklinken können, um dann später wieder einzusteigen. Fazit: zach ist zäh.

www.zach-records.com

Andrea Orukambe, Kulturarbeiterin, lebt und arbeitet in Wels und Windhoek