Elephant in the Room

Es geht nicht um Geld. Es geht doch um Geld. Pamela Neuwirth über Aufschieberitis und Erledigungsblockade in der Landeskulturdirektion.

 

Es geht nicht um Geld. Und es geht doch um Geld. Wieder sorgt der KUPF Innovationstopf 2010 für Probleme. Die Auszahlung der Projektgelder von Seiten der Landeskulturdirektion, die dem KUPF Innovationstopf ein sogenanntes Risikokapital zur Verfügung stellt, gestaltet sich schwierig.

Am 26. März 2010 fand zum Innovationstopf 2010 »Mit Sicherheit?« die öffentliche Jurysitzung im Rothen Krebsen in Linz statt. Die Jury hat 12 Projekte zur Förderung durch das Land Oberösterreich empfohlen. Heuer wurde mit dem gewohnten Prozedere erstmals in der 15-jährigen Geschichte des Fördertopfes gebrochen, da eine eilig einberufene und Nicht-öffentliche Jury nachträglich und unverhofft zwei bereits jurierten Projekten den künstlerischen Wert aberkannte; so ein Zufall, setzten sich doch diese mit der Linzer Stadtwache auseinander. Doch dann kam im Laufe des Jahres noch eine weitere Komponente hinzu, die Projekteinreicherinnen die Arbeit erschwerte. Für die im März jurierten Projekte rechneten die Kulturarbeiterinnen in den folgenden Wochen mit dem Fördergeld, um mit ihrer Arbeit beginnen zu können. Abrechnungstermine. Quartalssperren? Rechnungen, die in der Finanzabteilung liegen bleiben! Die Praxis ist kontraproduktiv, überflüssig und verzögernd. Eine Ansichtssache zur Erledigungsblockade und Aufschieberitis der Landeskulturdirektion – und was das für KUPF Innovationstopf-Projektträgerinnen bedeutet. Die KUPF Redaktion hat im November bei Projektleiterinnen nachgefragt …

Das eigene Netzwerk mobilisieren »Ich habe das Geld für mein Projekt Maskerade/ Camcatwalk am 20.7.2010 überwiesen bekommen. Dazu ist aber zu sagen, dass mein Projekt am 1. Mai 2010 umgesetzt worden ist, und ich auch vor diesem Termin schon einige Rechnungen zu begleichen hatte. Diese habe ich bis zum 20. Juli mit meinen eigenen bescheidenen finanziellen Mitteln bestritten. Ich musste mir deswegen auch schon 500 Euro ausborgen, um auch meine Miete bezahlen zu können. Ich war daher ziemlich schnell mit Hrn. Ecker in Kontakt, um wegen dem Geld nachzufragen. Er vertröstete mich zuerst auf den Brief vom Landeshauptmann, der dann auch kam (leider ohne Datum, darum weiß ich jetzt nicht wann das war). Erst mit diesem Brief hatte ich laut Hrn. Ecker Anspruch auf das Geld. Die Causa ist dann noch in der Finanzabteilung liegengeblieben. Nach einem Anruf dort (»Gut dass Sie anrufen, das ist noch nicht bearbeitet worden«) kam dann das Geld. Anscheinend muss ich direkt froh sein, dass mein Geld schon im Juli gekommen ist. Ich hatte allerdings sehr bald Rechnungen zu bezahlen, und deswegen waren bei meiner finanziell angespannten Situation damals die drei Monate bis zur Überweisung schon schwierig. Ich hab anfangs ganz naiv gedacht, dass das Geld vor dem Projekttermin kommt, und dann kann ich damit arbeiten. Mittlerweile habe ich meine Rechnungen beim Land OÖ eingereicht und mit 28.9.2010 Abgestempelt wieder zurückgeschickt bekommen. Ansonsten hat mir das ganze Projekt sehr viel Spass gemacht und ich konnte viele Erfahrungen sammeln«

In der Warteschleife »Unser Verein Otelo (eingereichtes Projekt: Alea Iacta Est – Mit Sicherheit ins Verderben) hat das Projektgeld noch nicht erhalten. Als wir Mitte April dieses Jahres erfuhren, dass unser Projekt juriert wurde, war die Freude groß. Mit Eifer und Euphorie machten wir uns an die Planung der Vorträge, kontaktierten die Vortragenden und WorkshopleiterInnen, Konzepte für die geplanten Radiosendungen wurden erstellt. Wir überlegten uns die zeitliche Abfolge und sahen einen Start des Projektes in den frühen Sommermonaten als realistisches Ziel. Der Blick auf das Konto brachte jedoch Ernüchterung – ohne finanzielle Unterstützung des KUPF IT können wir das Projekt nicht starten. Nach dem uns die Wartezeit zu lange wurde, habe ich Mitte September beim Land OÖ (Frau Kirchberger) einmal nachgefragt und folgende Information erhalten: die Schreiben der fixen Zusage für den KUPF IT liegen noch alle am Schreibtisch von Herrn Hofrat Ecker. Er werde diese dem Landeshauptmann zur Unterschrift weiterleiten und nach Erhalt dieser Zusage (also in 1-2 Wochen) wird der Betrag angewiesen. Nichts geschah. Ungewissheit macht sich breit. Mitte November fragte ich abermals nach und Frau Kirchberger teilte mir mit, sie wisse nichts genaueres, wird jedoch mit Hrn. Hofrat Ecker sprechen und sich bei mir melden. Auf diesen Rückruf warte ich noch immer, genauso wie alle Beteiligten beim geplanten Projekt auf ihren Einsatz warten, das leider aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel bis dato nicht gestartet werden konnte.«

»Wir, Projektgruppe Venus »Habe ich hier Angst«, haben noch nicht mal eine offizielle Förderzusage. Geld nona auch noch keines. Es ist in unserem Fall noch nicht so tragisch, weil wir bisher »nur« Druck- bzw. Kopierkosten haben, aber vor allem zeitliche Ressourcen benötigten (um den Fragebogen zu erstellen, die Mädchen zu befragen und Öffentlichkeitsarbeit in Form eines Radiobeitrags zu betreiben). Unser Zeitplan hat sich nach hinten verrückt. Sonst wär´s auch für uns sehr unangenehm, da wir natürlich privat vorschießen müssten. Als ich mit Herrn Ecker vom Land vor ca. zwei Wochen telefoniert habe, hat er mir die Förderzusage ehestmöglich zugesagt (sie ist noch nicht da) und das Geld bis spätestens Mitte Dezember.

Für unsere »Betriebiclowns « ist leider kein Geld eingetroffen. Ohne Geld konnten wir das Projekt nicht wie geplant bereits im Frühjahr starten, als das Th ema Wirtschaft skrise – die eigentliche Inspiration für die Bertriebiclowns – noch brandaktuell war. Das bedeutet konkret: Natürlich kann es immer noch gemacht werden, die Homepage steht nach wie vor fertig im Startloch und wir sind vorbereitet. Aber Zeit und Ereignisse laufen uns mit Riesenschritten davon und wenn es noch lange dauert, wird die Luft bald ganz raus sein. Darüber hinaus ist inzwischen der Sommer vorbei – was, selbst wenn wir jetzt anfangen könnten, verschiedene geplante Outdoor-Auftritte natürlich auch schwieriger bis unmöglich macht (unter anderem hätten wir zum Beispiel auch vorgehabt, das Pflasterspektakel und ähnliche Sommerveranstaltungen in anderen Städten für einen Auftritt mit unserem ausgestopft en Fuchs zu nutzen). Wir von MAIZ mit dem Projekt »Keine Sorge! – Wir sichern eure Unsicherheit « haben den Teil von der Sozialabteilung bereits vor dem Sommer bekommen. Der Teil von der Kulturdirektion wurde uns noch nicht überwiesen.«

Relativ rechtzeitig »Wir haben das Geld für das Projekt »Hoch-Unsicherheitsmatch« schon bekommen und zwar relativ rechtzeitig. Ich glaube, es war Ende August. Ich habe im Juli ein Mail an Herrn Ecker geschickt und gefragt wie es ausschaut und habe dann die Antwort bekommen, dass es mit der Förderabwicklung noch ca. 2 Wochen dauern wird. Das hat dann auch so ungefähr gepasst. Wenn wir das Geld noch nicht bekommen hätten, dann hättet ihr gewiss schon davon gehört, dann wären wir nämlich schon pleite. Wie ihr ja wisst, ist unser »HochUnsicherheitsmatch« bereits am 17. September gelaufen.« Ein Muster in den Zahlungsmodalitäten der Landeskultur Direktion ist nicht wirklich auszumachen. Am Ende des Jahres steht fest, dass so manches Projekt des KUPF Innovationstopf 2010 nicht in der Form realisiert werden konnte wie geplant. Die ohnehin oft angespannte finanzielle Situation von Kulturvereinen oder Kollektiven durch fragwürdige Verzögerungen weiter zu belasten, ist jedenfalls nicht fair.